|
Während
bereits die ersten neuen Missionen nach jahrelanger Abstinenz zum Mars aufbrachen, wurde
ein vollkommen neuartiges Projekt zur Erforschung des roten Planeten ins Leben gerufen,
dass darauf angelegt war, mit möglichst geringen Kosten möglichst gute Ergebnisse zu
erzielen. Die erste Sonde dieser Art wurde auf den hoffnungsvollen Namen Pathfinder
getauft. Ihr Budget betrug gerade einmal 150 Millionen Dollar (insgesamt: 171 Millionen
Dollar), weniger als ein Zwanzigstel der (umgerechnet) 3,5 Milliarden Dollar der
Viking-Sonden. Dennoch entschloss man sich während der Planung der Raumsonde, zusätzlich
einen kleinen Rover mit auf die Reise zu schicken, der auf dem Mars Gesteinsanalysen
anfertigen sollte: Sojourner. Dieser Entschluss sollte sich nicht nur vom
wissenschaftlichen, sondern auch vom menschlichen Gesichtspunkt aus als eine grandiose
Idee erweisen.
Eine der
unkonventionellsten Ideen betraf die Landung: Neben einem Fallschirm und kleinen
Bremsraketen sollte ein tetraederförmiger Luftsack, bestehend aus sechs Airbags pro
Seite, eingesetzt werden, um die empfindlichen Instrumente vor dem harten Aufprall zu
schützen. Die drei oberen Flächen sollten sich, nachdem die Luft aus den Airbags
entwichen war, zu der Schutzhülle aufklappen. Doch diese Idee war kein Luxus, sondern
pure Notwendigkeit. Nur Bremsraketen und Fallschirme einzusetzen wäre wegen der erhöhten
Geschwindigkeit (die Sonde sollte nicht erst in eine abbremsende Umlaufbahn einschwenken),
der geringeren Größe und der fehlenden Positionskontrolle Pathfinders gefährlich
gewesen - die Sonde hätte wegen starker Schaukelbewegungen die Bremsraketen nicht korrekt
ausrichten können und wäre mit noch schnellerer Geschwindigkeit als ohnehin schon
befürchtet auf die Oberfläche aufgetroffen. Doch durch Zufall und zu seinem Glück fand
das Team heraus, dass die Viking-Mannschaft nach der Landung der Sonden Tests an ihrem
Fallschirm durchgeführt hatten und auch Verbesserungsvorschläge notiert hatte. So konnte
der Pathfinder-Fallschirm schließlich mit einem Zwanzigstel der Kosten des
Viking-Fallschirms entwickelt werden. Parallel dazu wurde die Entwicklung des
Airbag-Systems vorangetrieben.
Als die
Testphase immer näher rückte, entschlossen sich die Verantwortlichen letztendlich, in
einer 12-stöckigen Vakuumkammer in Ohio die Marsoberfläche nachzubilden. Doch die ersten
Tests des Airbags verliefen katastrophal: Beim Schleifen der Konstruktion über (aus
Kalifornien importiertem) Lavagestein entstand unverzüglich ein metergroßer Riss im
Material. Doch trotz einiger Rückschläge und eines extrem knappen Zeitplans begann das
Team Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Sowohl der Hitzeschild als auch die Bremsraketen
und der Fallschirm erwiesen sich als so gut, dass die Airbags deutlich weniger würden
aushalten müssen. Dennoch machte man sich weiter daran, sie zu verbessern und ihre
Außenhaut mit verschiedenen Legierungen noch mehr zu verstärken. Doch bereits während
die Airbags überarbeitet wurden, entwickelte sich ein neues Problem: Bei einem Test der
Bremsraketen hätten sich diese beinahe durch Vibrationen selbst in die Luft gejagt. Doch
glücklicherweise ließ sich dieses Problem am Ende noch rechtzeitig mit Beimengungen von
Aluminiumoxid lösen. Im Laufe der Monate und Jahre entwickelten sich unzählige weitere
Probleme, doch die Crew konnte sich den Luxus nicht erlauben, wieder von vorne anzufangen.
Die NASA bekam allmählich große Zweifel an dem Projekt. Doch die Verantwortlichen waren
unermüdlich im Einsatz. Man tüftelte so lange an einem Problem herum, bis es auf
irgendeine auch noch so ausgefallene Art gelöst oder umgangen war. Als Bordcomputer
entschied man sich nach langem Überlegen für einen IBM RS-6000, der mit Strahlenschutz
und Solarenergiekonverter ausgestattet und weltraumtauglich gemacht wurde. Mit Software
kostete das Gerät die stolze Summe von 12 Millionen Dollar.
Doch nach
wie vor hatten die Amerikaner für die Planetenerkundung keinen Rover entwickelt. Die Jet
Propulsion Laboratories machten sich nun daran, diese Scharte auszubügeln. Sie
konstruierten ein völlig neues Modell, welches in der Lage war, nur aus eigenem Antrieb
extrem holpriges Terrain zu überqueren, ohne die Unebenheiten auf den Rover selbst zu
übertragen. So war das Fahrzeug in der Lage, Hindernisse bis zum anderthalbfachen seines
Raddurchmessers einfach zu überrollen. Auch sollte er sich selbst bei großen Neigungen
waagrecht halten können, um nicht die solare Energieversorgung oder die Durchführung der
hochentwickelten chemischen und biologischen Experimente zu gefährden. Doch das größte
Problem stellte die Steuerung des Gefährts dar: Die Entfernung zur Erde würde sehr groß
sein (circa 20 bis 30 Lichtminuten), so dass eine direkte Steuerung so gut wie unmöglich
wäre. Daher begann man erste Tests mit intelligenten, eigenständig handelnden Robotern
durchzuführen: Erst wurde ein kleines Vehikel mit noch einfacher KI namens Tooth
entwickelt, dann Rocky und Rocky 2 und schließlich Rocky 3, welcher in der Wüste sehr
gute Ergebnisse vorlegte. So entschloss sich das Pathfinder-Team, auf Grundlage dieser
Entwicklungen einen eigenen Rover zu entwerfen. Eine Version des Rocky 3 stellte die
Basisversion dar, doch wurde das System von 25 auf 7 Kilogramm abgespeckt und mit
moderneren Geräten ausgestattet, beispielsweise einem zigarettenschachtelgroßen
Seismometer (welches allerdings später kaum stärkere Marsbeben feststellen sollte).
Tests des Vehikels in der Wüste verliefen sehr erfolgreich, der sechsrädige Roboter nahm
eigenständig Gesteinsproben und führte Untersuchungen durch.
Durch die
Hervorhebung der wissenschaftlichen Seite der Mission wurde auch die Wahl eines
interessanten Landeplatzes abermals ausgesprochen wichtig. So musste der Landeplatz wieder
einmal eine möglichst gute Mischung aus geologisch interessantem und landetechnisch
sicherem Gebiet darstellen. Ihn zu finden war die Aufgabe Matthew Golombeks, des Leiters
des wissenschaftlichen Teams. Die Suche gestaltete sich ebenso schwierig wie seinerzeit
bei Viking, doch zusätzlich erschwerend kam hinzu, dass Sojourner in einer felsigen
Umgebung landen musste, damit Gesteinsuntersuchungen vorgenommen werden konnten. Außerdem
war das alte Kartenmaterial noch immer nicht aktualisiert worden. Die Auswahlkriterien des
Landeplatzes ähnelten daher stark denen der Viking-Mission: Der Boden musste eben und
kaum mit Geröll bedeckt, nicht staubig, aber hart und zugleich nicht zu hart sein
(unterschiedliche Temperaturdifferenzen zwischen Tag und Nacht sowie Farbmessungen und
Radarsondierungen gaben Aufschluss über die Oberflächenbeschaffenheit). Dabei sollte er
möglichst tief liegen und Anzeichen von alten Wasserläufen aufweisen. Das Klima sollte
warm, sonnenreich und windarm sein. Dadurch kam bereits lediglich ein Landeplatz in 10 bis
20° nördlicher Breite, der keine großen Berge oder radarschluckende
Flächen aufwies, in Frage. Zusätzlich
mussten an der Landestelle möglichst viele verschiedene Gesteinsarten untersucht werden
können. Bisher wussten die Forscher fast alles, was sie über die Geologie des Mars in
Erfahrung bringen konnten, von 12, allesamt aus Basalt bestehenden SNC-Meteoriten, die
zufällig den Weg vom Mars zur Erde gefunden hatten. Um die erhoffte Vielfalt am
Landeplatz Pathfinders zu gewährleisten, suchte man eine Region, in der sich riesige
Fluten ins Flachland ergossen und es mit den unterschiedlichsten Gesteinen geradezu
überschwemmt hatten. Man hoffte, dass man, wenn man sehr alte Gesteine zu fassen bekäme,
dort unter Umständen ein sicheres Indiz für flüssiges Wasser auf dem Mars und damit
eventuell Hinweise auf die Umweltbedingungen auf dem Mars vor Jahrmilliarden finden
würde. Dieses Entdeckungen könnten auch für die Forscher, die sich mit der Entstehung
des Lebens auf der Erde befassten, sehr interessant sein. Wenn auch die Chancen dafür nur
sehr gering waren, bestand dennoch die Möglichkeiten, dass man dort sogar Fossilien von
uralten Lebewesen finden könnte. Diese Diskussionen wurden vier Monate vor dem Start noch
weiter angeregt, denn NASA-Forscher glaubten in einem der 12 Mikrometeoriten Spuren von
Leben gefunden zu haben. Doch die Ergebnisse dieser Untersuchungen sind bis heute heftig
umstritten. So wurde
nach 2 ½ Jahren Planung schließlich beschlossen, Pathfinder, ganz wie von den Geologen
gewünscht, in einem alten Ausflußtal in Chryse Planitia landen zu lassen. Golombek
entdeckte im Nordwesten der USA ein geologisch fast identisches Tal, welches durch einen
binnen 2 Wochen auslaufenden, riesigen See geschaffen worden war. Dadurch leitete er
Rückschlüsse auf eine Flutkatastrophe auf dem Mars ab und wählte ein breites
Ausflusstal in der Nähe des (fürs Aufsetzen zu schroffen) Ares Vallis als exakte
Landeregion. Trotz vehementer Kritik an diesem vermeintlich zu felsigen Landeplatz setzte
sich Golombek auf die Gefahr des Endes seiner jungen Karriere hin mit seiner Idee durch.
Er glaubte, dass dieses Gebiet eine weiche Landung ermöglichen, nicht zu viele Felsen
beherbergen und nur wenig Staub aufweisen würde. Er sollte mit allen drei gewagten
Vermutungen Recht behalten...
Nach den
letzten komplizierten Tests der 41 pyrotechnischen Vorrichtungen (kleine Sprengsätze zum
Auslösen von zum Beispiel Fallschirmen oder dem Aufklappen von Solarzellen, die in kurzen
Abständen mit perfektem Timing hintereinander gezündet werden müssen), wurde Pathfinder
schließlich am 4. Dezember 1996 mit einer Delta-II-Rakete in Cape Canaveral ins All
gestartet. Abgesehen von einem Kommunikations- und Kontrollproblem durch eine falsche
Justierung des Sonnensensors und ein fehldimensioniertes Bauteil zum Beginn der Reise
verlief der interplanetare Flug reibungslos; es kam zu keinem 2. Kontaktabbruch mehr. So
konnten die Ingenieure die Zeit nutzen, dringend benötigte Updates der bugverseuchten
Software durchzuführen, deren perfektes Funktionieren für die Landung unerlässlich war.
Drei Wochen vor der Landung wurden die Korrekturen dann schließlich an die
900-Kilogramm-Raumsonde übermittelt. Entgegen weitverbreiteten Befürchtungen, die bis
zuletzt bestanden hatten, glückte das Update. Und obwohl in der neuen Version einige
Fehler der alten Version nicht behoben worden waren, bereitete die Software der NASA keine
Probleme.
Direkt
nach der ersten Transmission von Daten hielt der Chef des IMP-Teams von Pathfinder, Peter
Smith eine recht bekannt gewordene Rede vor den Augen der gespannten Weltöffentlichkeit:
Die Augen der Kamera sind unsere Augen, und in dieser Hinsicht befinden wir uns alle
auf dem Mars. Man könnte sagen, die Weltbevölkerung verkörpert die Seele dieses
Roboters. Vergessen sie deshalb, wenn sie die ersten Bilder sehen, Wissenschaft und
Technik. Zugegeben, beide sind wichtig. Aber lassen sie zuerst einmal die Schönheit der
marsianischen Landschaft auf sich wirken. Stellen sie sich vor, sie befinden sich am
Standort der Kamera. Nach einer eher unsanften Landung erlangen sie langsam das
Bewusstsein wieder [...] Die amerikanischen und deutschen Wissenschaftler und Techniker,
denen sie ihre Existenz verdanken, hatten ihnen versprochen, sie würden an einem der
exotischsten Orte unseres Sonnensystems landen, im Delta eines uralten Tals namens Ares,
dessen Schlucht so tief ist, dass sie die tausendfache Menge des Amazonas fassen könnte.
Dieses seit Jahrmilliarden trockene Delta ist ein idealer Platz für die Suche nach
Gesteinsarten, die das Geheimnis der marsianischen Vergangenheit hüten [...] Beim ersten
Anblick sitzen sie mit gekreuzten Beinen in der Mitte ihres Raumschiffs, dessen
Seitenteile sich wie eine Blütenknospe entfaltet haben, erwachen aus einer
siebenmonatigen Meditation. Sie heben langsam den Kopf, und hier ist, was sie sehen...
Und unter dem Applaus hunderter Journalisten führt Smith das erste Bildmosaik der
felsenübersäten roten Marsebene vor, die ersten Bilder eines Marspanoramas, welches nach
dem Ende der Pathfinder-Mission Millionen Menschen wohlvertraut sein sollte.
Doch nach
der ersten Euphorie galt es ein ernstes Problem zu lösen: Die Videokameras mussten
möglichst schnell herausfinden, in welche Richtung der 60-Zentimeter-Rover Sojourner
gefahrlos starten konnte. Zeit war kostbar, denn das kleine Gefährt parkte direkt auf den
für die Sonde lebensnotwendigen Solarzellen. Aber unglücklicherweise waren die Airbags
nicht vollkommen zusammengefallen, so dass der Rover noch nicht starten konnte. Doch das
komplizierte Manöver zum Zusammenfalten der Airbags gelang nach mehreren Anlüfen und der
Weg für Sojourner war endlich frei. Nachdem weitere, recht umfangreichen Probleme mit dem
Funkmodem - überraschenderweise von alleine - gelöst wurden, verließ Sojourner an Sol 2
(dem 2. Marstag nach der Landung) Pathfinder über die hintere Rampe. Pathfinder wurde zu
diesem Zeitpunkt in Carl Sagan Memorial Station umgetauft, denn der bedeutende und hoch
angesehene Wissenschaftler war kurz nach dem Start der Sonde am 20. Dezember 1996 im Alter
von nur 62 Jahren verschieden. Noch kurz vor seinem Tod fasste er die Faszination des
roten Planeten für die Menschen in einem ebenso einfachen wie bedeutsamen Satz zusammen:
Durch eine romantisch-historische Beziehung des Menschen zum Mars besitzt die
Erkundung des Roten Planeten eine derartige öffentliche Resonanz und Unterstützung, wie
sie wohl kaum ein anderes Programm der Weltraumforschung für sich in Anspruch nehmen
kann. Der ersten
Stein, den Sojourner an Sol 3 mithilfe des APXS untersuchte und Nahaufnahmen von ihm
übermittelte, war Barnacle Bill. Doch zur Überraschung der Wissenschaftler bestand er
nicht aus Basalt, sondern aus Andesiten, quarzhaltigem Lavagestein. Der Rover untersuchte
weitere, kleine Steine mit unterschiedlichem Quarzgehalt und den schwefelreichen, roten
Staub. Aus den Ergebnissen ging eine Theorie hervor, nach der sämtliche Marsgesteine
vulkanischen Ursprungs Andesite seien. Im Anschluss an diese Untersuchungen bewegte sich
Sojourner zu Yogi weiter, dem größtem und ungewöhnlichsten Stein in der näheren
Umgebung der Sonde. Neben Nahansichten lieferte Sojourner den Geologen an Sol 4 und Sol 5
etwas sehr viel wertvolleres: eine vollständige chemische Untersuchung des Felsbrockens.
10 Stunden dauerte die Analyse des ungewöhnlichen Felsbrockens. Interessanterweise war
Yogi siliziumhaltiger als die anderen Steine und aus mehreren verschiedenen Stoffen
zusammengesetzt, was darauf schließen läßt, dass er nicht an diesem Ort entstanden sein
konnte und vielleicht als eine Agglomeration verschiedener Materialien in das Auslauftal
geschwemmt wurde...
Kurz
darauf (noch bevor Sojourner den sogenannten Rock Garden erreichte, ein felsenreiches
Gebiet, dass der Rover während der zweiten Hälfte seines erstaunlich langen Lebens
untersuchte) wurden zahlreiche kleinere, aber ebenfalls sehr interessante Steine entdeckt
- sie ähneln ebenfalls den Gesteinen der Erdfrühzeit. Sie bildeten allem Anschein nach
Konglomerate, zusammengesetzte Gesteine, wie sie auf der Erde an Küsten und Ufern
entstehen. Die vermessenen Gesteine unterscheiden sich in fast allen wesentlichen
Merkmalen, ein untrügliches Zeichen dafür, dass sie an der Fundstelle Fremdkörper sind.
Da auch größere Findlinge entdeckt wurden, müssen gewaltige Kräfte am Werk gewesen
sein, die eigentlich, wie auch die Form und Zusammensetzung der Gesteine sowie des Bodens
bestätigen, nur von Wasser herrühren können. Diese Überlegungen würden zusammen mit
den vielen wadiähnlichen Gebilden auf dem roten Planeten für die Vergangenheit des Mars
flüssiges Wasser und damit auch höhere Temperaturen und einen höheren Luftdruck
implizieren. Unterstützt wurde diese These dadurch, dass die Krater und Felsbrocken im
Ares Valley und seinen Auslaufgebieten zumeist etwa 3,5 Milliarden Jahre alt waren und
somit in die Zeit fielen, in der sich auch auf der Erde flüssiges Wasser und damit Leben
entwickelte... Sehr
interessant war die Tatsache, dass die Magneten, die an Pathfinder montiert worden waren,
massenhaft eisenreichen, rostroten Staub anzogen. Dies würde ebenfalls für die
Flüssigwassertheorie sprechen, denn man vermutet, dass diese Partikel in erster Linie aus
Lehm und dem magnetischen Material Maghemit zusammengesetzt sind. Maghemit entsteht
praktisch nur, wenn Eisen mithilfe von Wasser aus dem Boden ausgewaschen wird. Auch die
Umgebung bestätigte diese Theorie: Es machte den Anschein, als ob zunächst Felsbrocken
und Sedimentationsmaterial durch fließendes Wasser - mit sehr großer Kraft - in
jenes Gebiet befördert und dann dort langsam durch Meteoriteneinschläge und Winderosion
(lediglich 3 bis 7 Zentimeter in 3 Milliarden Jahren !), der vorherrschenden Windrichtung
Nordwest verwischt und umverteilt wurden. Einen weiteren Beweis für die
Flüssigwasser-These erbrachte Sojourner, als er die Oberflächenstruktur der Steine
untersuchte: Denn im Windschatten entdeckte der Rover kleine Sanddünen aus Quarzsand, wie
sie auf der Erde ausschließlich durch die Einwirkung von Wind und Wasser entstehen
können. Diese Dünen kommen auf dem Mars in anderen Regionen, vor allem in Polnähe, in
ungewöhnlicher Form und in riesiger Größe vor. Die Entdeckung größerer Mengen weißen
(Quarz-)Sands auf dem Mars ließe daher eine kaum anzufechtende Schlussfolgerung auf
flüssiges Wasser in der Vergangenheit des Planeten zu. Zusammen mit einer eventuellen
weiten Verbreitung der Andesite würde sich der Mars damit als sehr viel erdähnlicher
entpuppen, als man bisher glaubte. Doch auf die grundlegende Frage, wohin das Wasser und
damit mögliches Leben verschwand, konnte auch Pathfinder noch keine eindeutige Antwort
geben.
Während
Sojourner innerhalb von knapp 3 Monaten etwa 104 Meter zurücklegte und sich dabei bis zu
12 Meter von der Muttersonde entfernte, führte die Pathfinder-Sonde ein billiges, aber
effektives Experiment durch, dass erst im letzten Augenblick in die Konfiguration des
Landers aufgenommen wurde. Mithilfe ihrer Instrumente konnte bewiesen werden, dass der
Mars einen metallischen Kern von 1200 bis 2000 Kilometer Durchmesser besitzt. Auch über
das marsianische Wetter vermochte die Sonde viel herausfinden: Sie beobachtete die
Reflexionsmuster der Sonnenstrahlen nahe des Horizonts und die Wassereiswolken am frühen
Morgen, die viele Informationen über das Zirkulationssystem in der Atmosphäre lieferten.
Kleine vorbeiziehende Windhosen ließen die Temperatur um 15° C fallen. Auch lagen die
Werte tagsüber erstaunlicherweise in etwa einem Meter Höhe mehr als 20 K über den am
Boden gemessenen Temperaturen. Trotz
großer Probleme mit der Energieversorgung - Sojourner musste sich mit 8 Watt begnügen,
Pathfinder mit wenigen hundert Watt - arbeiteten die beiden Systeme 83 Tage lang, 2 Monate
länger als geplant. Erst am 27. September, nachdem Sojourner 84 Marstage lang täglich
Bilder zur Erde geschickt hatte, konnten die Akkus nicht mehr aufgeladen und auf
Solarenergie umgestellt werden: Der Kontakt zu der Sonde brach endgültig ab. zum Anfang --> 4.) Die nächste Phase der Entschleierung - das MESUR-Projekt |