Berühmte Kaps

Ein Kap bildet nicht nur einen markanten Punkt in der Landschaft, sondern hat oft auch große Bedeutung für die Geschichte der Menschheit. Ein Kap ist eigentlich nichts weiter als der vorspringende Teil einer Felsenküste oder Landzunge, aber gerade die geschichtliche Bedeutung der Kaps macht sie so interessant. Wenn ein Kap zum ersten Mal umfahren wird, ist dies ein historischer Moment, ein Meilenstein in der Geschichte. Die berühmtesten Kaps der Erde erhielten ihre Namen, als im Mittelalter und in der Renaissance die großen Entdecker ihre Reisen unternahmen. Zu den berühmten Kaps zählen das Kap der Guten Hoffnung in Südafrika und Kap Horn in Chile, aber auch das Nordkap in Norwegen, der nördlichste Punkt des europäischen Festlandes, oder Cabo da Rocha bei Lissabon (Portugal), das den westlichsten Punkt bildet.

Das Kap der Guten Hoffnung hat wahrscheinlich die größte symbolische Bedeutung. Hier treffen der Atlantik und der Indische Ozean aufeinander, diese Stelle galt schon vor langer Zeit als Tor nach Indien. Im Gegensatz zu einer weitverbreiteten Auffassung ist nicht das Kap der Guten Hoffnung der südlichste Punkt Afrikas, sondern Kap Agulhas, einige hundert Kilometer weiter südlich. Im Mittelalter wurden Kräuter, Gewürze und Seide auf dem Landweg über die Seidenstraße nach Europa eingeführt. Den Handel mit dem Fernen Osten dominierten die Araber. Am Ende des 14. Jahrhunderts erreichten die Türken den Nahen Osten, so daß der Handel beschwerlicher und die Waren teurer wurden. Außerdem stieg in Europa die Nachfrage nach Kräutern, Gewürzen und Seide.

Es stand fest, daß das Land, das als erstes eine eigene Route zum Fernen Osten finden würde, großen Reichtum würde erwerben können. Der Portugiese Bartholomeu Diaz erhielt von seinem König den Auftrag, den Seeweg nach Osten zu finden, und er war der erste Europäer, der das Kap der Guten Hoffnung umsegelte. Da dies während eines Sturms passierte, merkte er es wahrscheinlich nicht einmal. Diesen Stürmen verdankte das Kap seinen ersten Namen, Sturmkap, denn das Gebiet um das Kap der Guten Hoffnung ist berüchtigt, weil das Wetter dort plötzlich umschlägt. Diaz selbst hat jedoch die Seeroute nach Osten nicht gefunden, weil er aufgrund einer Meuterei an Bord nach Portugal zurückkehren mußte. Joao II. von Portugal taufte das Kap um in Kap der Guten Hoffnung, weil sein Entdecken die Chance, eine Durchfahrt zum Osten zu finden, vergrößert hatte. Die Portugiesen machten bereits seit 1433 Entdeckungsfahrten entlang der afrikanischen Küste, die unendlich lang zu sein schien. Durch die Entdeckung des Kaps der Guten Hoffnung hatte man mit einem Schlag wieder Aussicht, diesen Seeweg nach Indien zu finden. Im Jahre 1497 entdeckte ihn Vasco da Gama, ein Portugiese, der Diaz bereits auf dessen Reise im Jahre 1486 begleitet hatte. Am 6. April 1632 gründete Jan van Riebeeck, ein Niederländer, einen Stützpunkt der Vereinigten OstindischenKompanie am Kap. Daraus entwickelte sich in den darauffolgenden Jahren eine permanente niederländische Kolonie, die später von den Engländern eingenommen wurde und erst 1910 - inzwischen unabhängig geworden - der Union von Südafrika beitrat. Das Kap der Guten Hoffnung ist auch bekannt, weil auf der Robbeninsel, dem Kap einige Kilometer vorgelagert, Nelson Mandela, Symbol der Anti-Apartheidbewegung, viele Jahre gefangengehalten wurde. Und natürlich kennt ein jeder den Tafelberg, der Kapstadt überragt. Etwas weniger bekannt ist wahrscheinlich, daß die Halbinsel, aus der das Kap besteht, über eine einzigartige Flora (die Kapflora) verfügt. Hier wachsen Pflanzen, die es nirgendwo sonst auf der Welt gibt.