Thesen über die Situationistische Internationale und ihre Zeit

1

Die Situationistische Internationale hat sich in einem Moment der Weltgeschichte als das Denken des Zusammenbruchs einer Welt durchgesetzt; ein Zusammenbruch, der jetzt unter unseren Augen begonnen hat.

2

Der Innenminister Frankreichs und die italienische Anarchistenföderation sind darüber gleichermaßen aufgebracht: nie hat ein So extremistisches Projekt, das sich in einer Epoche ankündigte, die ihm so feindlich zu sein schien, in so kurzer Zeit seine Hegemonie im Kampf der Ideen demonstriert, als Produkt der Geschichte der Klassenkämpfe. Die Theorie, den Stil, das Beispiel der S.I. haben heute Tausende von Revolutionären in allen bedeutenden entwickelten Ländern angenommen, aber viel wesentlicher noch: die gesamte moderne Gesellschaft ist es, die sich von der Wahrheit der situationistischen Perspektiven überzeugt zu haben scheint, sei es, um sie zu verwirklichen oder sei es, um sie zu bekämpfen. Bücher und Texte der S.I. werden überall übersetzt und kommentiert. Ihre Forderungen werden in den Fabriken von Mailand wie in der Universität von Coimbra angeschlagen. Ihre Grundthesen sickern, von Kalifornien bis Kalabrien, von Schottland bis Spanien, von Belfast bis Leningrad, im Untergrund ein oder werden in offenen Kämpfen proklamiert. Die unterwürfigen Intellektuellen, die heute am Anfang ihrer Karriere stehen, sehen sich ihrerseits gezwungen, sich als gemäßigte oder halhe Situationisten zu verkleiden, nur um zu zeigen, daß sie befähigt sind, den letzten Moment des Systems zu begreifen, das sie beschäftigt. Wenn überall der diffuse Einfluß der S.I. aufgezeigt werden kann, dann deshalb, weil die S.I selbst nichts anderes ist als der konzentrierte Ausdruck einer geschichtlichen Subversion, die überall ist.

3

Was die „situationistischen ldeen" genannt wird, ist nichts anderes als die ersten Ideen der Periode, in der die moderne revolutionäre Bewegung wieder in Erscheinung tritt. Was an ihnen radikal neu ist, entspricht genau dem neuen Charakter der Klassengesellschaft, der wirklichen Entwicklung ihrer vorübergehenden Erfolge, ihrer Widersprüche, ihrer Unterdrückung. Was den ganzen Rest betrifft, so ist es offensichtlich das in den letzten zwei Jahrhunderten entstandene revolutionäre Denken, das in die gegenwärtigen Verhältnisse zurückgekehrt ist wie zu sich nach Hause; nicht auf der Grundlage seiner eigenen früheren, den Ideologen als Problem vermachten Positionen „revidiert", sondern von der heutigen Geschichte verwandelt. Die S.I. war lediglich darin erfolgreich, daß sie „die wirkliche Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufhebt" ausgedrückt hat, und daß sie sie auszudrücken verstanden hat: das heißt, daß sie es verstanden hat, damit zu beginnen, bei dem subjektiv negativen Teil des Prozesses, seiner „Schattenseite", seiner eigenen unbekannten1 Theorie Gehör zu verschaffen, der Theorie, die diese Seite der sozialen Praxis hervorbringt, und die sie zunächst nicht kennt. Die S.I. gehörte selbst zu dieser „Schattenseite". Letztlich handelt es sich daher nicht um eine Theorie der S.I, sondern um die Theorie des Proletariats.

4

Jeder Moment dieses geschichtlichen Prozesses der modernen Gesellschaft, der die Welt der Ware vollendet und abschafft, und der auch den antigeschichtlichen Moment der als Spektakel konstituierten Gesellschaft enthält, hat die S.I. dazu gebracht, alles zu sein, was sie sein konnte. In dem, was die soziale Praxis wird, in dem Moment, der sich jetzt als eine neue Epoche manifestiert, muß die S.I. immer mehr ihre Wahrheit erkennen; muß sie wissen, was sie gewollt hat und was sie getan hat, und wie sie es getan hat.

5

Die S.I. hat nicht nur die moderne proletarische Subversion kommen sehen; sie ist mit ihr gekommen. Sie hat sie nicht als ein äußeres Phänomen angekündigt, durch die starre Extrapolation der wissenschaftlichen Berechnung: sie ist ihr entgegengegangen. Wir haben durch keine fremde Beeinflussung „in alle Köpfe" unsere Ideen gesetzt, wie es allein, aber ohne dauerhaften Erfolg, das bürgerliche oder bürokratisch-totalitäre Spektakel fertigbringt. Wir haben die Ideen ausgesprochen, die gezwungenermaßen bereits in diesen proletarischen Köpfen vorhanden waren, und dadurch, daß wir sie ausgesprochen haben, haben wir dazu beigetragen, solche Ideen zu aktivieren und so die aktive Kritik mehr zu Theoretikern zu machen und entschlossener, die Zeit zu ihrer Zeit zu machen. Das, was zunächst in dem Geist der Leute zensiert wird, wird natürlich auch von dem Spektakel zensiert, sobald das gesellschaftlich zum Ausdruck kommen konnte. Diese Zensur findet sicher auch heute noch nahezu über die Totalität des revolutionären Projekts und des revolutionären Wunsches in den Massen statt. Doch schon haben die aktive Kritik und Theorie eine unvergeßliche Bresche in die spektakuläre Zensur geschlagen.
Das Verdrängte der proletarischen Kritik ist an den Tag gekommen; es hat ein Gedächtnis und eine Sprache erworben. Es hat damit begonnen, die Welt zu richten, und da die herrschenden Bedingungen über nichts verfügen, was für seine Sache plädieren könnte, stellt das Urteil nur das Problem, das es lösen kann: das seines Vollzugs.

6

Wie es sich allgemein in den vorrevolutionären Momenten ereignet hat, hat die S.I. offen ihre Ziele erklärt, und fast alle wollten glauben, daß es sich um einen Scherz handelte. Das in dieser Beziehung von den Spezialisten auf Beobachtungsposten der Gesellschaft und den Ideologen der Arbeiterentfremdung zehn Jahre lang bewahrte Schweigen - eine sehr kleine Zeitspanne, an der Größe solcher Ereignisse gemessen-‚ das allerdings zum Ende hin durch den Widerhall einiger Skandale gestört wurde, die zu Unrecht als peripher und folgenlos betrachtet wurden, hat das falsche Bewußtsein der unterwürfigen Intelligentsia nicht darauf vorbereitet, das, was in Frankreich im Mai 1968 hervorbrach, und was sich seitdem nur noch vertieft und verbreitet hat, vorauszusehen oder zu begreifen2. Damals hat die Demonstration der Geschichte, und gewiß nicht die situationistische Redekunst, in diesem Punkt und in vielen anderen die Bedingungen der Unwissenheit und der künstlichen Sicherheit umgestoßen, die von der spektakulären Organisation des Scheins aufrechterhalten wurden. Man kann auf keine andere Weise dialektisch beweisen, daß man Recht hat, als daß man sich in dem Moment der dialektische Vernunft manifestiert. Die Bewegung der Besetzungen ist, so wie sie sogleich ihre Anhänger in den Betrieben aller Länder rekrutiert hat, den Herrn der Gesellschaft und ihren ausführenden Intellektuellen im Augenblick als ebenso unbegreiflich wie erschreckend erschienen. Die Eigentümer zittern immer noch vor ihr, aber begreifen sie schon besser. Dem obskuren Bewußtsein der Spezialisten der Macht hat sich diese revolutionäre Krise auf Anhieb allein in der Gestalt der rein Negation ohne Denken präsentiert. Das Projekt, das sie zum Ausdruck brachte, die Sprache, die sie führte, waren unübersetzbar für sie, die Geschäftsführer des Denkens ohne Negation, das durch mehrere Jahrzehnte mechanischen Monologs bis zum äußersten verarmt ist; wo sich die Unzulänglichkeit von sich selbst imponieren läßt als das „non plus ultra" wo die Lüge schließlich nur noch an sich selbst glaubt. Dem, der durch das und in dem Spektakel herrscht, das heißt mit der praktischen Macht der Produktionsweise, die „sich von sich selbst abgehoben und sich ein selbständiges Reich im Spektakel fixiert hat", präsentiert sich die wirkliche Bewegung, die außerhalb des Spektakels geblieben ist, und die es zum erster Mal unterbricht, als die realisierte Irrealität selbst. Aber was in diesem Moment so laut in Frankreich gesprochen hat, war nichts anderes als die gleiche revolutionäre Bewegung, die sich überall anders im Stillen zu manifestieren begonnen hatte. Der französische Zweig der Heiligen Allianz der Besitzer der Gesellschaft hat in diesem Alptraum zunächst sein drohendes Ende gesehen; danach hat er sich endgültig gerettet geglaubt; dann hat er diese beiden Irrtümer eingesehen.3 Für sie wie für ihre Teilhaber hat eine andere Zeit begonnen. Man entdeckt jetzt, daß die Bewegung der Besetzungen unglücklicherweise einige Ideen hatte, und daß es situationistische Ideen waren: gerade die, die sie nicht kennen, scheinen ihre Positionen auf ihrer Grundlage zu bestimmen. Die Ausbeuter rechnen noch damit, sie zurückhalten zu können, aber sie geben bereits die Hoffnung auf, sie vergessen zu können. Die Bewegung der Besetzungen war der Entwurf einer „situationistischen" Revolution, aber sie war nur ihr Entwurf, sowohl als Praxis einer Revolution als auch als situationistisches Geschichtsbewußtsein. In diesem Moment hat eine Generation international begonnen, situationistisch zu sein.

7

8

Die neue Epoche ist zutiefst revolutionär, und sie weiß, daß sie das ist. Auf allen Ebenen der Gesellschaft der ganzen Welt kann und will man nicht mehr so weitermachen wie bisher. Oben kann man nicht mehr friedlich den Lauf der Dinge lenken, weil man dabei entdeckt, daß die ersten Früchte der Aufhebung der Ökonomie nicht nur reif sind: sie haben zu faulen begonnen. An der Basis will man nicht mehr hinnehmen, was geschieht, und die Forderung des Lebens ist gegenwärtig ein revolutionäres Programm geworden. Die Entschlossenheit, seine Geschichte selbst zu machen, das ist das Geheimnis aller „wilden" und „unverständlichen" Negationen, die die alte Ordnung verhöhnen.

9

Die Welt der Ware, die wesentlich unbewohnbar war, ist es sichtbar geworden. Diese Erkenntnis wurde durch zwei aufeinander einwirkende Bewegungen erzeugt. Einerseits will das Proletariat sein ganzes Leben besitzen, und es als Leben besitzen, als Totalität seiner möglichen Verwirklichung. Andererseits berechnet die herrschende Wissenschaft, die Wissenschaft der Herrschaft, künftig exakt das ständig beschleunigte Wachstum der inneren Widersprüche, die die allgemeinen Überlebensbedingungen in der Gesellschaft des Besitzentzuges aufheben.

10

Die Symptome der revolutionären Krise häufen sich zu Tausenden und sie sind so schwerwiegend, daß das Spektakel jetzt gezwungen ist, von seinem eigenen Ruin zu sprechen. Seine falsche Sprache zeigt seine wirklichen Feinde und sein wirkliches Desaster.4

11

Die Sprache der Macht ist jetzt mit aller Gewalt reformistisch. Sie zeigte bisher nur das Glück, das überall zur Schau gestellt und überall preisgünstig zu haben ist; sie erklärt jetzt die allgegenwärtigen Mängel ihres Systems. Die Besitzer der Gesellschaft haben plötzlich entdeckt, daß alles an ihr unverzüglich zu ändern ist, die Ausbildung wie der Städtebau, die Art, die Arbeit zu erleben genauso wie die Zielsetzungen der Technologie. Kurz, diese Welt hat das Vertrauen all ihrer Regierungen verloren; sie nehmen sich deshalb vor, sie aufzulösen und eine andere zu bilden. Sie machen lediglich darauf aufmerksam, daß sie eher als die Revolutionäre qualifiziert sind, eine solche Umwälzung zu unternehmen, die so große Erfahrung und so große Mittel verlangt; die eben sie besitzen und die sie gewohnt sind. Da haben wir also die Computer, die sich mit der Hand auf dem Herzen für die Programmierung des Qualitativen engagieren, und die Manager der Umweltverschmutzung, die sich als erste Aufgabe der Säuberung in ihren eigenen Reihen stellen. Aber schon vorher, gegenüber den früheren Fehlschlägen der Revolution, hat sich der moderne Kapitalismus als ein Reformismus präsentiert, der Erfolg gehabt hat. Er rühmte sich, die Freiheit und das Glück der Ware hergestellt zu haben. Eines Tages müßte es ihm gelingen, seine Lohnsklaven, wenn auch nicht von der Lohnarbeit, so doch von den von seiner Bildungsperiode hinterlassenen reichlichen Überresten von Entbehrungen und übermäßigen Ungleichheiten zu erlösen - oder genauer noch von den Entbehrungen, die er selbst als solche anerkennen zu müssen glaubte. Heute verspricht er, sie dazu noch von all den neuen Gefahren und Unannehmlichkeiten zu erlösen, die er gerade dabei ist, als wesentliches Merkmal der modernsten in ihrer Gesamtheit genommenen Ware massiv zu produzieren; und dieselbe, bisher so häufig als das von allem letzte Korrektiv gepriesene expandierende Produktion soll sich selbst korrigieren, stets unter der ausschließlichen Kontrolle derselben Bosse. Die Pleite der alten Welt erscheint voll in dieser lächerlichen Sprache der aufgelösten Herrschaft.5

12

Die Sitten verbessern sich. Die Bedeutung der Worte nimmt daran teil. Überall ist der Respekt vor der Entfremdung verlorengegangen. Die Jugend, die Arbeiter, die Farbigen, die Homosexuellen, die Frauen und die Kinder kommen darauf, alles zu wollen, was ihnen verboten war; gleichzeitig mit der Ablehnung des Hauptteils der erbärmlichen Resultate, die ihnen die alte Organisation der Klassengesellschaft zu erreichen und zu ertragen gestattete. Sie wollen keine Chefs mehr, keine Familie, keinen Staat. Sie kritisieren die Architektur und lernen, miteinander zu sprechen. Indem sie sich gegen hundert einzelne Unterdrückungen wenden, rebellieren sie tatsächlich gegen die entfremdete Arbeit. Was jetzt auf die Tagesordnung kommt, das ist die Abschaffung der Lohnarbeit. Jeder Ort eines sozialen Raums, der immer direkter von der entfremdeten Produktion und ihren Planern gestaltet wird, wird daher ein neuer Kampfplatz, von der Grundschule über die Beförderung durch öffentliche Verkehrsmittel bis hin zu den psychiatrischen Anstalten und Gefängnissen. Alle Kirchen lösen sich auf. Auf die alte Tragödie der Enteignung der Arbeiterrevolutionen durch die bürokratische Klasse, die sich in den vergangenen zwanzig Jahren noch einmal als bloße exotische Komödie abgespielt hat, fällt der Vorhang inmitten allgemeinen Gelächters. Die Hanswürste geben ihre Abschiedsvorstellungen auf ihre Weise. Castro ist Reformist in Chile geworden, während er bei sich die Parodie der Moskauer Prozesse inszenierte, nachdem er 1968 die Bewegung der Besetzungen und die mexikanische Revolte verurteilt, aber nachdrücklich die Aktion der russischen Panzer in Prag gebilligt hatte; die burleske doppelköpfige Gang Mao und Lin Piao fällt gerade in dem Moment, wo ihre letzten treuen westlichen bourgeoisen oder Linksradikalen Zuschauer endlich die Vollendung ihres Triumphs in dem langen Kampf meldeten, der die Ausbeuter Chinas teilt6, wieder in die terroristische Unordnung dieser in Stücke gebrochenen Bürokratie zurück (es ging keineswegs darum, ob mit den Vereinigten Staaten verhandelt werden sollte oder nicht, sondern allein um die Frage, wer in Peking Nixon und seinen Beistand in Empfang nehmen sollte). Wenn sich so die Menschheit freudig von ihrer Vergangenheit trennen kann, dann deshalb, weil der Ernst wieder in die Welt gekommen ist mit der Geschichte selbst, die sie wieder in ihrer Wahrheit vereinigt. Zweifellos besitzt die Krise der totalitären Bürokratie, als Teil der allgemeinen Krise des Kapitalismus, Merkmale, die ihr eigentümlich sind, infolge der besonderen sozial-rechtlichen Aneignungsweisen der Gesellschaft durch die als Klasse konstituierte Bürokratie, wie aufgrund ihres offensichtlichen Rückstandes in der Entwicklung der Warenproduktion. Die Bürokratie erhält ihren Platz in der Krise der modernen Gesellschaft hauptsächlich aufgrund der Tatsache, daß sie ebenfalls vom Proletariat zerschlagen werden wird. Die Drohung der proletarischen Revolution, die in Italien seit drei Jahren die gesamte Politik der Bourgeoisie und des Stalinismus beherrscht und zu einer offenen Verbindung ihrer gemeinsamen Interessen führt, hängt in demselben Moment auch über der als sowjetisch bezeichneten Bürokratie; die Stunde der Erhebung der Arbeiter Rußlands hinauszuzögern, ist die einzige wirkliche Sorge ihrer weltweiten Strategie - die von dem tschechoslowakischen Prozeß alles und von der Selbständigkeit der rumänischen Bürokratie nichts befürchtete wie die ihrer Polizisten und Psychiater. Entlang den baltischen Küsten haben die Matrosen und die Hafenarbeiter bereits begonnen, sich ihre Erfahrungen und ihr Projekt mitzuteilen. In Polen ist es den Arbeitern durch den aufständischen Streik vom Dezember 1970 gelungen, die Bürokratie ins Wanken zu bringen und den Handlungsspielraum der Ökonomen noch weiter einzuschränken: die Preiserhöhungen wurden rückgängig gemacht, die Löhne wurden erhöht, die Regierung ist gefallen, die Agitation ist geblieben.7
Aber ebenso gut löst sich die amerikanische Gesellschaft auf, bis hin zu ihrer Armee in Vietnam, die zur „Drogenarmee" geworden ist und die abgezogen werden muß, weil ihre Soldaten nicht mehr kämpfen wollen; sie werden dafür in den Staaten kämpfen. Die wilden Streiks gehen durch Europa, von Schweden bis Spanien, und jetzt sind es die Industriebosse und ihre Zeitungen, die den Arbeitern eine Lektion erteilen, um zu versuchen, sie von der Nützlichkeit der Gewerkschaften zu überzeugen. In diesem „bacchantischen Taumel des Wahren, in dem kein Glied nicht trunken ist", ist die britische proletarische Revolution diesmal mit dabei; sie kann an der Quelle des Bürgerkriegs trinken, der von jetzt an die Rückkehr der irischen Frage kennzeichnet.

13

Die Ausbeuter und viele ihrer Opfer, die endgültig auf ihr eigenes Leben verzichtet haben, indem sie der herrschenden Ordnung ein neurotisches Einverständnis erteilten, empfinden den Niedergang und den Fall dieser Ordnung mit Angst und Wut. Bei diesen Emotionen stehen im Vordergrund eine Furcht vor der und ein Haß auf die Jugend, die in diesem Ausmaß beispiellos sind. Aber im Grunde haben sie nur Angst vor der Revolution. Nicht die Jugend als vorübergehender Zustand ist es, die die gesellschaftliche Ordnung bedroht; es ist die, tätige und theoretische, moderne revolutionäre Kritik, die sich Jahr für Jahr erweitert, von einem geschichtlichen Ausgangspunkt aus, den wir eben erlebt haben. Sie beginnt in der Jugend eines Moments, aber sie altert nicht. Dieses Phänomen ist in keiner Weise zyklisch, es ist kumulativ. Noch vor kurzem hat die Jugend niemanden in Schrecken versetzt, als sich ihre Agitation auf das Studentenmilieu zu beschränken schien; und daraus rekrutiert sich in der Tat der neobürokratische Linksradikalismus, der lediglich die „nursery" der alten Welt ist, wo man sich unter dem Waffenrock einiger Heldenväter versteckt, die tatsächlich zu den Begründern der bestehenden Gesellschaft zählen. Die Jugend ist furchterregend geworden, als man feststellte, daß die Subversion auf die Masse junger Arbeiter übergegriffen hatte; und daß sie sich von der hierarchischen Ideologie des Linksradikalismus nicht integrieren lassen würde. Diese Jugend ist es, die ins Gefängnis kommt; und die in den Gefängnissen rebelliert. Es ist eine Tatsache, daß die Jugend, obwohl ihr noch viel zu begreifen und zu erfinden bleibt, und sie, vor allem unter den verschiedenen Arten von Lehrlingen einer Berufsrevolution, noch an zahlreichen Rückständigkeiten festhält, nie so intelligent, nie so entschlossen war, die etablierte Gesellschaft zu zerstören (die Poesie, die in der S.I. vorhanden ist, kann jetzt von einem jungen Mädchen von 14 Jahren herausgelesen werden, in diesem Punkt ist der Wunsch Lautreamonts voll erfüllt). Diejenigen, die die Jugend unterdrücken, wollen sich in Wirklichkeit gegen die proletarische Subversion verteidigen, mit der sie sich weitgehend identifiziert, und mit der sie sie noch weitgehender identifizieren, und gerade die, die diese Verbindung herstellen, fühlen, wie sehr sie sie verurteilt. Die Panik vor der Jugend, die man sich unter so vielen ungereimten Analysen und pompösen Beschwörungen zu verbergen bemüht, gründet sich auf dieses einfache Kalkül: in nur 12 bis 15 Jahren werden die jungen erwachsen, die Erwachsenen alt, die Alten tot sein. Die Verantwortlichen der Klasse an der Macht stehen daher vor der absoluten Notwendigkeit, in wenigen Jahren den tendenziellen Fall des Prozentsatzes ihrer Kontrolle über die Gesellschaft umzukehren, und sie haben allen Grund zu der Annahme, daß ihnen diese Umkehrung nicht gelingen wird.

14

Während die Welt der Ware von den Proletariern in einem Grad von Gründlichkeit angefochten wurde, den ihre Kritik niemals erreicht hatte, und der allein ihren Zwecken - einer Kritik der Totalität - gerecht wurde, hat das Funktionieren des ökonomischen Systems selbst, aus seiner eigenen Bewegung heraus, den Weg zur Selbstzerstörung eingeschlagen. Die Krise der Ökonomie, das heißt des gesamten ökonomischen Phänomens, eine Krise, die in den letzten Jahrzehnten immer handfester geworden ist, hat eine qualitative Schwelle überschritten Selbst die frühere Form der bloßen ökonomischen Krise, die es dem System in derselben Periode zu überwinden gelang - bekannt ist, wie -‚ erscheint von neuem als eine Möglichkeit der nahen Zukunft. Das ist die Auswirkung eines doppelten Prozesses. Einerseits setzen die Proletarier nicht nur in Polen, sondern auch in England8 oder in Italien, in der Gestalt von Arbeitern, die sich der Gewerkschaftskontrolle entziehen, Forderungen nach höheren Löhnen und besseren Arbeitsbedingungen durch, die an sich schon die Prognosen und Entscheidungen der Staatsökonomen, die für den störungsfreien Lauf des konzentrierten Kapitalismus sorgen, schwer beeinträchtigen. Die Ablehnung der heutigen Organisation der Arbeit in den Betrieben ist bereits eine direkte Ablehnung der Gesellschaft, die sich auf diese Organisation gründet, und mit dieser Bedeutung sind einige italienische Streiks gerade einen Tag, nach dem die Unternehmer sämtliche Forderungen akzeptiert hatten, ausgebrochen. Doch die bloße Lohnforderung zeigt, wenn sie mit ziemlicher Häufigkeit erneut vorgebracht wird, und jedesmal, wenn sie für die Erhöhung einen ausreichenden Prozentsatz festsetzt, klar, daß sich die Arbeiter des Elends und der Entfremdung bewußt werden, die sich auf die Gesamtheit ihrer sozialen Existenz erstrecken, und die kein Lohn jemals kompensieren kann Da zum Beispiel der Kapitalismus ganz nach seinem Belieben das Wohnen der Arbeiter außerhalb der Stadt angeordnet hat, werden sich diese bald dazu veranlaßt sehen, die Bezahlung der beschwerlichen Fahrzeiten als das zu verlangen, was sie tatsächlich sind: wirkliche Arbeitszeit. In all diesen Kämpfen, die die Lohnarbeit noch anerkennen, muß die Gewerkschaft selbst in ihrem Prinzip noch akzeptiert werden; sie wird jedoch lediglich als eine Instanz akzeptiert, die augenscheinlich überfordert ist und immer wieder übergangen wird. In einer solchen, sozialpolitischen Konjunktur kann die Existenz der Gewerkschaften jedoch nicht von unendlicher Dauer sein; und sie fühlen, daß sie sich abnutzen. In den Reden der bourgeoisen Minister und der stalinistischen Bürokraten findet dieselbe Angst dieselben Worte: „Ich stelle die Frage: Wird das wieder anfangen wie in 1968? Ich antworte: Nein, das darf nicht wieder anfangen" (Erklärung des Generalsekretärs der kommunistischen Partei Frankreichs Georges Marchais in Straßburg am 25.2.1972). Andererseits verursachen die Proletarier der Gesellschaft des Warenüberflusses in der Gestalt von Konsumenten, die der armseligen beschränkt haltbaren Güter, die sie lange satt bekommen haben, überdrüssig werden, bedrohliche Schwierigkeiten für den Absatz der Produktion. So daß sich das einzige eingestandene Ziel der heutigen Wirtschaftsentwicklung, das tatsächlich für alle die einzige Überlebensbedingung im Rahmen des Systems bildet, das auf der Arbeit als Ware beruht, die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen, auf das Unternehmen hinausläuft, Arbeitsplätze zu schaffen, die die Arbeiter nicht mehr einnehmen wollen; um diesen wachsenden Teil von Gütern zu produzieren, die sie nicht mehr kaufen wollen. Doch es gilt zu begreifen, daß die Warenwirtschaft mit ihrer präzisen Technologie, deren Entwicklung untrennbar von der ihrigen ist, aus sehr viel tieferen Gründen jetzt im Todeskampf liegt. Daß jüngst im Spektakel eine Flut von moralisierenden Reden und von Versprechen auf Abhilfe im Detail zu einem Thema erscheint, das die Regierungen und ihre „mass media" Umweltverschmutzung nennen, soll diese eindeutige Tatsache verschleiern und muß sie Zugleich enthüllen: der Kapitalismus hat schließlich den Beweis erbracht, daß er die Produktivkräfte nicht mehr entwickeln kann.
Nicht quantitativ, wie ihn viele begreifen zu müssen geglaubt haben, sondern qualitativ wird er sich unfähig erweisen, diese Entwicklung fortzusetzen. Jedoch ist die Qualität hier keineswegs eine ästhetische oder philosophische Forderung: sie ist eine geschichtliche Frage „par excellence", die Frage nach den Möglichkeiten selbst des Weiterlebens der Art. Das Wort von Marx: „Das Proletariat ist revolutionär oder nichts" findet in diesem Moment seine letztliche Bedeutung; und das Proletariat, das vor dieser konkreten Alternative anlangt, ist wirklich die Klasse, die die Auflösung aller Klassen verwirklicht. „Es ist also jetzt so weit gekommen, daß die Individuen sich die vorhandene Totalität von Produktivkräften aneignen müssen, nicht nur, um zu ihrer Selbstbestätigung zu kommen, sondern schon überhaupt, um ihre Existenz sicherzustellen." (Deutsche Ideologie)

15

Die Gesellschaft, die alle technischen Mittel besitzt, um die biologischen Grundlagen auf der ganzen Erde anzugreifen, ist ebenso die Gesellschaft, die durch dieselbe getrennte technischwissenschaftliche Entwicklung über alle Mittel der Kontrolle und mathematisch unzweifelhafter Vorausberechnung verfügt, um exakt zu bestimmen mit welchem Vorsprung vor welcher Auflösung des menschlichen Milieus - und zu welchem Zeitpunkt je nachdem, ob eine optimale Fortführung möglich ist oder nicht - das Wachstum der entäußerten Produktivkräfte der Klassengesellschaft ihr Ziel erreichen kann. Ob es sich um die chemische Verseuchung der Atemluft oder um die Verfälschung von Lebensmitteln handelt, um die nicht rückgängig zu machende Akkumulierung der Radioaktivität durch die industrielle Nutzung nuklearer Energie oder um die Verschlechterung der Regenerationsfähigkeit des Wasserkreislaufs vom Grundwasser zu den Ozeanen, um die urbanistische Lepra, die sich immer weiter an der Stelle dessen ausbreitet, was einst Stadt und Land waren, oder um die „Bevölkerungsexplosion", die Zunahme der Selbstmorde und der Geisteskrankheiten9 oder die Schwelle, der sich die Gesundheitsgefährdung durch den Lärm nähert, überall zeigen die partiellen Kenntnisse der entsprechend den Umständen mehr oder weniger drängenden und mehr oder weniger tödlichen Unmöglichkeit, noch weiterzugehen, als spezialisierte wissenschaftliche Schlußfolgerungen, die einfach nur nebeneinandergestellt bleiben, ein Bild des allgemeinen Verfalls und der allgemeinen Ohnmacht. Diese klägliche Aufnahme der Karte des Territoriums der Entfremdung kurz vor seinem Untergang wird natürlich in derselben Weise vorgenommen, in der das Territorium selbst errichtet wurde: nach getrennten Sektoren. Ohne Zweifel müssen diese Kenntnisse des Stückweisen aufgrund des unglücklichen Zusammentreffens all ihrer Beobachtungen künftig notgedrungen wissen, daß jede wirksame und kurzfristig rentable Modifizierung in einem bestimmten Punkt Rückwirkungen auf die Totalität der Kräfte hat, die im Spiel sind, und in der Folge zu einem entscheidenderen Verlust führen kann. Eine solche Wissenschaft, wie sie der Produktionsweise und den von ihr produzierten Aporien des Denkens dient, kann sich jedoch keine wirkliche Umkehrung des Laufs der Dinge vorstellen. Sie kann nicht strategisch denken, was im übrigen niemand von ihr verlangt; und sie besitzt auch nicht die praktischen Mittel zur Intervention. Sie kann daher lediglich den Fristablauf diskutieren, und die besten Linderungsmittel, die, würden sie streng angewandt, diesen Fristablauf verzögern würden. Diese Wissenschaft zeigt so auf höchst karikaturale Weise die Nutzlosigkeit des unbrauchbaren Denkens und die Nichtigkeit des nicht dialektischen Denkens in einer Epoche, die von der Bewegung der geschichtlichen Zeit davongetragen wird. Das alte Schlagwort „die Revolution oder der Tod" ist daher nicht mehr der lyrische Ausdruck des revoltierenden Bewußtseins, sondern das letzte Wort des wissenschaftlichen Denkens unseres Jahrhunderts. Aber dieses Wort kann nur von anderen gesagt werden; und nicht von diesem alten wissenschaftlichen Denken der Ware, das die ungenügend rationalen Grundlagen seiner Entwicklung in dem Moment enthüllt, wo sich alle Anwendungsweisen in der Macht der sozialen Praxis entfalten, die vollständig irrational ist. Das Denken der Trennung ist es, das unsere materielle Beherrschung nur auf den methodologischen Wegen der Trennung vergrößern konnte, und das am Ende diese vollendete Trennung in der Gesellschaft des Spektakels und in ihrer Selbstzerstörung findet.

16

Da die Klasse, die den wirtschaftlichen Profit hamstert, kein anderes Ziel hat, als die Diktatur der unabhängigen Wirtschaft über die Gesellschaft aufrechtzuerhalten, mußte sie bisher die unaufhörliche Vervielfachung der Produktivität der industriellen Arbeit so betrachten und steuern, als handele es sich immer noch um die agrarische Produktionsweise. Sie hat ständig das rein quantitative Produktionsmaximum in der Art der früheren Gesellschaften verfolgt, die, tatsächlich unfähig, jemals die Grenzen der wirklichen Knappheit hinauszuschieben, in jeder Saison alles ernten mußten, was geerntet werden konnte. Diese Identifizierung mit dem Agrarmodell kommt in dem pseudo-zyklischen Modell der Überflußproduktion der Waren zum Ausdruck, bei dem absichtlich in die produzierten Gegenstände und in ihre spektakulären Bilder der Verschleiß eingebaut wurde, um künstlich den saisonalen Charakter des Konsums aufrechtzuerhalten, der die unaufhörliche Wiederaufnahme der produktiven Anstrengung rechtfertigt und die Nähe zur Knappheit aufrechterhält. Doch die kumulative Wirklichkeit dieser Produktion, die der Nützlichkeit und der Schädlichkeit gegenüber gleichgültig ist, die tatsächlich ihrer eigenen Macht gegenüber gleichgültig ist, die sie ignorieren will10, hat sich nicht vergessen lassen und kehrt in der Form der Umweltverschmutzung zurück. Die Umweltverschmutzung ist daher ein Unglück des bürgerlichen Denkens; das die totalitäre Bürokratie lediglich bescheiden imitieren kann. Sie ist die höchste Stufe der materialisierten Ideologie, der tatsächlich verseuchte Überfluß der Ware und der elende wirkliche Niederschlag des illusorischen Glanzes der spektakulären Gesellschaft.

17

Die Umweltverschmutzung und das Proletariat sind heute die beiden konkreten Seiten der Kritik der politischen Ökonomie. Die universelle Entwicklung der Ware hat sich ganz und gar als Vollendung der politischen Ökonomie erwiesen, d. h. als „Verzicht auf das Leben"! In dem Moment, wo alles in die Sphäre der Wirtschaftsgüter geraten ist, sogar das Quellwasser und die städtische Luft, ist alles das ökonomische Übel geworden. Bereits die bloße unmittelbare Empfindung der „Beeinträchtigungen" und der Gefahren, die jedes Trimester bedrückender werden, und die zunächst und hauptsächlich die große Mehrheit, das heißt die Armen attackieren, bildet einen ungeheuren Faktor der Revolte, eine vitale Forderung der Ausgebeuteten, die ebenso materialistisch ist, wie es der Kampf der Arbeiter des 19. Jahrhunderts für die Möglichkeit zu essen war. Schon sind die Heilmittel für die Gesamtheit der Krankheiten, die die Produktion auf dieser Stufe ihres Warenreichtums erzeugt, zu teuer für sie. Die Produktionsbeziehungen und die Produktivkräfte haben schließlich einen Punkt radikaler Unvereinbarkeit erreicht, denn das bestehende Gesellschaftssystem hat sein Schicksal mit der Fortsetzung einer buchstäblich unerträglichen Verschlechterung aller Lebensbedingungen verknüpft.

18

Mit der neuen Epoche erscheint dieses bewundernswerte Zusammentreffen: die Revolution wird in einer totalen Form gewollt, gerade in dem Moment, wo sie nur in einer totalen Form durchgeführt werden kann, und wo die Totalität des Funktionierens der Gesellschaft absurd und außerhalb dieser Durchführung unmöglich wird. Die grundlegende Tatsache besteht nicht mehr so sehr darin, daß alle materiellen Kräfte für die Konstruktion des freien Lebens einer klassenlosen Gesellschaft zur Verfügung stehen; sie besteht viel eher darin, daß die blinde Unterbeschäftigung dieser Kräfte durch die Klassengesellschaft weder aussetzen noch weitergehen kann. Nie hat es in der Geschichte der Welt eine solche Verbindung gegeben.

19

Die größte Produktivkraft ist die revolutionäre Klasse selbst. Die zurzeit größtmögliche Entwicklung der Produktivkräfte ist ganz einfach der Gebrauch, den die Klasse des geschichtlichen Bewußtseins in der Produktion der Geschichte als Raum der menschlichen Entwicklung von ihnen machen kann, indem sie sich die praktischen Mittel dieses Bewußtseins gibt: die künftigen revolutionären Räte, in denen die Totalität der Proletarier über alles zu entscheiden hat. Die notwendige und ausreichende Definition des modernen Rats - um ihn von seinen schwachen primitiven Ansätzen zu unterscheiden, die stets vernichtet wurden, bevor sie der Logik ihrer eigenen Macht folgen und sie dadurch kennenlernen konnten - ist die Erfüllung des Minimums seiner Aufgaben; dieses Minimum ist nichts weniger als die definitive praktische Regelung aller Probleme, die die Klassengesellschaft gegenwärtig nicht zu lösen fähig ist. Der brutale Sturz der vorgeschichtlichen Produktion, wie ihn allein die soziale Resolution erreichen kann, von der wir sprechen, ist die notwendige und ausreichende Bedingung für den Beginn einer Ära der großen geschichtlichen Produktion; die unentbehrliche und dringende Produktion des Menschen durch ihn selbst. Das Ausmaß der gegenwärtigen Aufgaben der proletarischen Revolution kommt gerade in der Schwierigkeit zum Ausdruck, auf die sie stößt, die ersten Mittel der Formulierung und der Kommunikation ihres Projekts zu erobern: sich auf autonome Weise zu organisieren und durch diese bestimmte Organisation die Totalität ihres Projekts zu begreifen und ausdrücklich in den Kämpfen zu formulieren , die sie bereits führt11. Denn in diesem zentralen Punkt des spektakulären Monopols des sozialen Dialogs und der sozialen Aufklärung, der als letzter fallen wird, gleicht die ganze Welt Polen: wenn sich die Arbeiter frei und ohne Vermittler versammeln können, um ihre wirklichen Probleme zu erörtern, beginnt der Staat sich aufzulösen. Die Kraft der proletarischen Subversion, die seit vier Jahren überall wächst, läßt sich auch an dieser negativen Tatsache ablesen: sie bleibt weit unterhalb der ausdrücklichen Forderungen, die einst proletarische Bewegungen aufstellten, die weniger weit gingen, und die ihre Programm zu kennen glaubten, sie jedoch als geringere Programme kannten. Nicht irgendein intellektuelles Talent oder irgendeine ethische Berufung oder die Lust an der Verwirklichung der Philosophie bringt das Proletariat dazu, die „Klasse des Bewusstseins" zu sein, sondern ganz einfach die Tatsache, daß es keine andere Lösung hat, als sich der Geschichte in der Epoche zu ermächtigen, in der sich die Menschen „gezwungen sehen, ihre Lebensstellung, ihre gegenseitigen Beziehungen mit nüchternen Augen anzusehen" ( Kommunistisches Manifest).Was die Arbeiter zu Dialektikern macht, ist nichts anderes als die Revolution die sie diesmal selbst führen müssen.