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Interview mit Herrn Hess, einem Gorillaexperten
F: Was ist ihrer Meinung nach das Faszinierendste an den Gorillas?
A: Es gibt da keine direkte Antwort. Das Faszinierendste kann immer etwas sein, von
dem, womit man
sich gerade beschäftigt. Sehr faszinierend ist zum Beispiel die
Mutter- Kind-Beziehung.
F: Haben sie schon Erfahrungen mit Aggressionen von Gorillas gemacht?
A: Nein, aber mit deren Kraft. Ein Schwarzrücken wollte einmal mit mir spielen, da
wurde mir schon mul-
mig. Diane Fossey hat mal ein Experiment durchgeführt um das
Aggressionsverhalten von Gorillas zu
erforschen. Sie beobachtete eine
dreissigköpfige Familie 2000 Stunden lang. Und dabei hat sie acht Minu-
ten lang Aggressionen feststellen können. Wenn die Gorillas auf engem Raum
zusammenleben, dann
steigt das Aggressionsverhalten, das aber immer noch
erstaunlich tief liegt. Tiefer als bei den Menschen.
F: Stimmt es dass der Gorilla und der Mensch sich zu 98% ähneln? Und was für
Faktoren zählen
denn da?
A: Ja das stimmt. Die Genetik spielt dabei eine Rolle. Ähnlichkeiten gibt es nicht nur
bei dem Körperbau,
sondern auch im Verhalten. Gorillas können auch rational
denken, allerdings nur eingeschränkt.
F: Was sind denn diese 2% Unterschiede?
A: Das kann man nicht genau aufzählen, aber einige Unterschiede sind zum Beispiel:
geschlechtliches Ver-
halten, Lebensweise und Ernährung. Sie kennen gegenüber uns
keinen Materialismus und keine Vorratshal-
tung.
Vorallem auch die Quantität der Aktivitäten ist verschieden wie die der Menschen. Gorillas können z.B.
auch
Erfindungen machen, jedoch machen sie es nur selten. Menschen erfinden andauern neue Sachen. Hier
unterscheidet sich die Quantität, die Menge, aber nicht die Qualität, die Fähigkeit.
F: Werden manchmal neue Gorillas gekauft? Wie teuer wäre denn so einer?
A: Gorillas werden nicht mehr gekauft. Man hat angefangen, Gorillas als Lebewesen
wie die Menschen zu
sehen.
Deshalb handelt man nicht mehr mit ihnen. Es gibt aber
ein weltweites Tauschsystem in den Zoos.
Wenn jemand einen neuen Gorilla
braucht, erstellt man eine Anfrage. Man sagt ob es ein Männchen oder
Weibchen
sein soll und welches genetische Material es sein soll. Falls ein Zoo den gefragten
Gorilla hat
und er einverstanden ist ihn abzugeben und wenn das genetische Material
nicht schon in den Gorillas des
suchenden Zoos ist, wird er abgegeben und dem
suchenden(jetzt fündigen) Zoo zugeschickt. Das gene-
tische
Material darf nicht
gleich sein, da es sonst zu genetischen Fehlern bei den Jungtieren führen kann,
wegen Inzucht.
Zahlen tut man bei Gorillas höchstens für den Versand.
F: Hat die Gefangenschaft Auswirkungen auf das Verhalten der Gorillas?
A: Ihre Aggressionsrate steigt ein wenig an. Sie sind mit ganz anderen Situationen
konfrontiert. Der Zoo-
gorilla wird zum Beisüiel nie eine Pflanze schälen zur
Nahrungsaufnahme. Jedoch haben Gorillas, die in
der Wildnis leben, nicht so engen
Kontakt mit Menschen wie Zoogorillas. Auch die Häufigkeit ihrer Hand-
lungen ist
total anders als die ihrer freilebenden Artgenossen.
F: Können Gorillas Krankheiten bekommen, die Menschen auch haben und wie
bedrohlich sind
diese
Krankheiten?
A: Ja es gibt sie, wegen der Verwandtheit zwischen Mensch und Menschenaffe. Zum
Beispiel gab es
einmal einen Fall von Masern bei Berggorillas, wegen Touristen. Das
Risiko bei Krankheiten ist grösser
als beim Menschen, weil das Immunsystem der
Gorillas nicht auf Krankheiten vorbereitet ist, die für
Menschen harmlos sind.
F: Welcher ist der Hauptgrund für die Gründung des Basler Zoos?
A: Ich denke man wollte den Leuten die Tiere aus der Umgebung näher bringen, aber
schnell nahm man
auch internationale Tiere dazu.
Herr Hess zeigte uns dann noch verschiede Mitglieder der Gorillafamilie hinter der Glasscheibe. Er zeigte
auf ein Gorilla-Weibchen und sagte, das dies das Oberhaupt der Familie sei. Darauf kam
uns noch die
Frage:
F: Sie haben gesagt, dieses Gorilla-Weibchen ist das Oberhaupt, kommt es mehrmals vor, dass
ein Weibchen das Oberhaupt der Familie ist?
A: Es gibt immer ein weibliches und männliches Oberhaupt. Es herrscht eine
Altershierarchie,
das
heisst
das älteste Männchen und das älteste Weibchen regiert.
Und das tun sie bis sie sterben. Es
gibt keinen
Streit zwischen Männchen und
Weibchen in der Rangordnung.