Galileo 7 Convention in Goslar 29.-30.10.2001



 

Garrett Wang in Aktion

Jeffrey Combs mit blauen Zähnen
 

Als ich kurzfristig erfuhr, das Jeffrey Combs ausgerechnet dann nach Deutschland kommen würde, wenn ich in England auf Urlaub bin, um dann anschließend nach England zu fahren, wenn ich schon wieder zu Hause bin, hatte ich mich zunächst sehr geärgert. Nach etwas hin und her gelang es mir aber dann, meine Abreise so zu legen, daß ich zumindest die zweite Hälfte der  Con erleben durfte. Gerade noch rechtzeitig zu Garrett Wangs (aka Harry Kim) Panel erreichte ich am Samstag Abend den „Achtermann“, das altehrwürdige Kongreßzentrum von Goslar, in dem dieses Jahr die Galileo 7 Con stattfand. Es war wie ein Zeitsprung, nachdem ich vorher durch die Jahrhunderte alten Häuser der Altstadt gelaufen war.  Garrett brachten den großen Saal mit seiner witzigen Show wirklich zum kochen.  Es ist unmöglich, sein komödiantisches Talent in Worten zu beschreiben, das muß man einfach selbst gesehen und gehört haben. Die anschließende Con-Party musste noch etwas warten, denn jemand hatte unerwartet den Enterprise Pilotfilm „Broken Bow“ aufgetrieben. Was kann es schöneres geben als einen Pilotfilm in einem großen Saal zusammen mit einem johlendem Publikum zu sehen, das bereits nach dem Trailer in Beifallsstürme ausbrach? Positiv überrascht verließ ich dann nach 90 Minuten bester Unterhaltung den Saal und schloß mich der Con-Party an. 
 


Gleich fiel mir ein Herr mit merkwürdigen Blinklichtern in den Ohren auf. Als er sofort inmitten eines Blitzlichtgewitters stand, stellte ich fest, daß es sich um einen der Gaststars handelte; Bill Blair. Ihn hatte ich zwar bereits zahllose Male in Star Trek Serien gesehen, aber da er fast immer von dicken Schichten Make-up und Latex verborgen war, nicht erkannt. Bill Blair ist einfach „das Alien vom Dienst“. 

Direkt danach traf ich einen gut gelaunten Jeffrey Combs an der Bar, der bereits kräftig dem „Romulanischen Ale“ zugesprochen hatte. Infolgedessen waren seine Zähne (und auch er selbst ?) ziemlich blau. Der Rest des Abends verschwindet irgendwie in einem Dunst aus lauter Musik, Bier und Nebel, wie das bei einer gelungenen Party auch sein sollte.


 

auf der Tanzfläche

durstige Klingonen


 
 

Am Sonntag morgen quälte ich mich nach einer viel zu kurzen Nacht wieder auf’s Congelände. Es war alles noch ziemlich ruhig und ich hatte Zeit, durch die Händlerräume zu flanieren. Die gleiche Idee hatten auch Bill Blair und Ex-Borg Manu Itiraymi , die sich mit den Händlern auf ein Schwätzchen einließen. 
 
 

Bill im Händlerraum

Manu

Alt und neu ganz nah beisammen


 

Bei dem ersten Panel an diesem Morgen hatte Spice Williams, bekannt als Klingonin Vixis,  zunächst etwas Mühe, das noch immer schlaftrunkene Publikum aufzuwecken. Nach einem Sportunfall beim Kickboxen trug sie eine Schiene am Knie, hielt aber das einstündige Panel tapfer im Stehen ab. Die ehemalige Bodybuilderin, die auch als Stuntdouble bei DS9 mitgewirkt hatte, lässt sich nicht so leicht unterkriegen. Nach diesem ruhigen und eher nachdenklichen Panel trat ein vom gestrigen Abend etwas gezeichneter Bill Blair die Bühne und erzählte über dieses und jenes. Auf die Frage hin, was er gerne einmal spielen würde, sagte er, einen Borg. Leider musste ich das Panel bereits früh verlassen, weil ich einen Interviewtermin mit Jeffrey Combs hatte (siehe Interview: „Ein Andorianer packt aus“). 

Ein weitere Gaststar an diesem Vormittag war Mary Kay Adams, die als Klingonin Grilka Quark das Leben auf DS9 ziemlich schwer gemacht hatte. Mit ihrer charmanten und lockeren Art fand sie einen guten Draht zum Publikum. Auch hier waren eher leise Töne gefragt. Etwas schwermütig erzählte sie von ihrer Mutter, die vor kurzem verstorben war und wie sehr sie sie vermisse. Die alte Dame hatte sie stets auf Conventions begleitet. Über Mittag versteigerte Richard Arnold  im Hauptsaal Sammlerstücke rund um Star Trek zu Gunsten der Opfer des Zusammensturzes des World Trade Centers.  Eine gute Geste in diesen Zeiten und ein Zeichen der Solidarität mit Amerika, das gerade bei den Gästen aus der USA gut ankam. Viele von ihnen hatte es große Überwindung gekostet, ausgerechnet jetzt ihr Land zu verlassen, um an einer Unterhaltungsveranstaltung mitzuwirken.

Die politischen Ereignisse wurden auch von der zauberhaften Robin Curtis angesprochen, die in Star Trek 3 und 4 die Vulkanierin Saavik gespielt hatte.  Es ein sehr persönliches, nettes Panel, mit dem diese mutige und engagierte Frau  die Herzen der Zuschauer für sich gewinnen konnte.

Beim folgenden Panel sollte eigentlich Ex-Borg Manu Itiraymi alias „Icheb“ zusammen mit Marc Allen Shepherd auf der Bühne stehen, doch der Darsteller des schweigsamen „Morn“ aus ST-DS9 war nicht aufzutreiben. Gerüchte, daß dies mit seinen gestrigen Alkoholgenüssen bei der Party zusammenhängen könne, wurden weder bestätigt noch dementiert. Jedenfalls musste Manu das Publikum zunächst alleine unterhalten . Unter anderem stellte er klar, dass Mark Shepherd nicht identisch sei mit dem Schauspieler , der Ichebs Vater in Voyager Episode „Child’s Play“ gespielt hatte. Da ist bei der Recherche wohl etwas schief gelaufen, liebes Galileo Team.  Nach ein paar Minuten bekam Manu dann doch noch Unterstützung von einem etwas leidend dreinblickenden Mark (oder sieht er immer so aus?).  Es folgte ein Q&A Session, bei der vor allem der schweigsame Morn zum sprechen gebracht werden sollte.

Mark und Manu

Jeffrey Combs auf der Bühne...

... und danach
 

Gegen 16h, eine Stunde später als geplant, füllte sich der Saal deutlich, denn es wurde Jeffrey Combs erwartet. Nach einem packenden Videointro stellte er sich den zahlreichen Fragen aus dem Publikum.  Immer wieder ging es um seine Rolle als Weyoun, das Thema Klonen, seine zahlreichen Tode und wie er die Vorta als Rasse etabliert hat. So hatte er beispielsweise die typische Verbeugung der Vorta entwickelt. Oft hatten die Produzenten selbst noch keine so rechte Vorstellung, wie eine Szene werden sollte, dann wurde viel vor Ort improvisiert. Bei der Sterbeszene in „Treachery, Faith, and the great River“ sagte sie beispielsweise einfach: „Du bringst Dich um“. Er fragte „Ja, aber wie?“ – „Du hast einen Selbszerstörungsknopf implantiert“. „Und wo?“ – „Keine Ahnung“.  Ein aufmerksamer Fan fragte schließlich noch, wozu die Vorta eigentlich Frauen bräuchten, da sie doch geklont werden. Jeffrey meinte dazu grinsend: „Weil es sich gut anfühlt“.

Immer wieder gab es während des Panels auch lustige spontane Interaktionen mit „Klingonen“, die mit Zwischenrufen wie „Worf ist keine Klingone, sondern ein Feigling“, „Q’aplagh“ oder „Klar mögen wir Vorta – zum Frühstück“ die Lacher auf ihrer Seite hatten.

Natürlich kam Jeffrey auch auf seine neue Rolle als Andorianer bei „Enterprise“ zu sprechen. Er ist voll des Lobes über die geradlinige Art der Serie und Scott Bakula als Captain. Er hofft natürlich, daß er als Andorianer noch öfter zu sehen sein wird. Schließlich gehören die Andorianer ja zu den Gründungsvätern der Föderation, obwohl sie zunächst noch Gegner der Vulkanier sind. Hier steckt seiner Meinung nach noch viel Potential für weitere Geschichten.

Da  Jeffrey Combs nicht nur als Star Trek Schauspieler bekannt ist, sondern auch in zahlreichen Filmen mitgewirkt hat, wurden von fachkundigen Fans viele Fragen zu „Re-Animator“, „The Pit and the Pendulum“ und „From Beyond“ gestellt. Gerade bei dem letzteren Horrorfilm gab er einige witzige Details aus dem Bereich der Spezialeffekts zum besten, zum Beispiel wie ein angreifender Bieneschwarm mit Styroporkügelchen simuliert werden konnte oder wie schwer es ist, ein „Gehirn“ zu verspeisen, wenn die rosige Masse in Wirklichkeit aus Haftcreme besteht – na dann, guten Appetit! Während der Dreharbeiten zu seinen Filmen ist Jeffrey viel herumgekommen, von Neuseeland, Australien, Hawai oder Italien bis hin zu Luxemburg, wo er gerade den Film „Parallax“ abgedreht hat. 

Voller Lob äußerte er sich immer wieder über die Dreharbeiten zu „The Frighteners“, sowohl was Regisseur Peter Jackson angeht als auch seinen Kollegen, den parkinsonkranken Michael J. Fox. Für Jeffrey Combs ist „The Frighteners“ sein bisher bester Film. Das beste, was ihm in seinem Leben aber je gelungen ist, sind aber seine kleinen Töchter, meinte er lachend und nicht ohne Stolz. 
 


 

Gefolgt wurde dieses informative und lebhafte Panel von Garrett Wangs letztem Auftritt. Erneut lieferte er eine hinreißende Show, wurde aber etwas ärgerlich, als er auf das Thema Regie angesprochen wurde. „Ich habe die Produzenten gefragt, ob ich Regie führen  dürfte. Jeder andere Star Trek Schauspieler, der diesen Wunsch geäußert hatte, hatte seine Chance bekommen, doch bei mir sagten sie einfach Nein“.  Zum Schluß erzählte er aber noch einige witzige Anekdoten von den Dreharbeiten zu Voyager. So hatten Robert Beltrane, Robbie McNeill und er im Laufe der Zeit stark an Gewicht zugenommen. Als kleiner Seitenhieb schrieben die Autoren daraufhin in der Episode „Demon“, in der Chakotay Kim zum Schiff zurücktragen muß, folgenden Satz in’s Skript: „Harry, versprich  mir, wenn wir zurück auf der Voyager sind, fängst Du im Fitnessstudio an“. Garrett fragte Brannan Braga, was diese Anspielung solle, und der meinte: „Wenn ihr Jungs nicht bald schlanker werdet, müssen wir die Serie in Star Trek – Pigs in Space“ umbenennen.   Sehr zum Lachen war auch Garretts plastische Schilderung von den Dreharbeiten zu einer Captain Proton Episode, bei der der Raketenrucksack von Robbie McNeill verrutschte und er sich furchtbar den Hintern verbrannte.  Zum Schluß schilderte Kim noch seine Version einer perfekten Harry Kim Episode: In Anlehnung an die Ereignisse in der Episode „Deadlock“, wo Kim’s Double aus der Luftschleuse geschleudert wird, entwickelte er folgende Geschichte: Kim 2 stirbt nicht, sondern wird von den Borg aufgenommen und assimiliert. Als perfekte Waffe und mit allen taktischen Information über die Voyager ausgestattet wird er von der Borgqueen zurückgeschickt, um Seven zurückzuholen. Er überwältigt einen nach dem anderen und bedroht Seven, wird aber im letzten Moment von dem echten Kim überwältigt. Daraufhin verliebt Seven sich in ihn und sie lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Ende.


 
 

 

Nach Garretts Auftritt folgte direkt die Closing Ceremony. Zunächst dankten die Organisatoren den Sponsoren, dem ganzen Team und den Gaststars. Anschließend wurde eine Schweigeminute für die Opfer der Katastrophe von New York eingelegt, untermalt von dem Song von Enya „Only Time“. Es war ein bewegender Augenblick, vor allem in Gegenwart der amerikanischen Gästen, und so manch einer musste sich danach eine Träne aus den Augen wischen. So ging in melancholischer Stimmung eine tolle Con zu Ende.


Ein Andorianer packt aus - Interview mit Jeffrey Combs

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