Kirchdorf (T)

Pfarrkirche hl. Stephanus.

Apsidensaal, 7./8. Jahrhundert.

Romanischer Bau


Das Gebiet um Kirchdorf war schon im 8. Jahrhundert missioniert, wie aus der Nennung der umliegenden Orte im Güterverzeichnis des Salzburger Bischofs Arno von 788 hervorgeht. Der Ort selbst wird erst zwischen 1125 und 1147 in einem Stiftungsbrief erstmals erwähnt. 1197 erfolgt die Schenkung der Pfarre an das Augustiner-Chorherrenstift St. Zeno in Reichenhall. Das Stephanuspatrozinium der Kirche ist ab 1289 nachweisbar.

Der heutige Bau stammt im Kern aus der Gotik und wurde in einen barocken Umbau von 1752 - 54 einbezogen. Grabungen von W. Sydow (1986) ergaben drei Bauphasen: einen frühmittelalterlichen Apsidensaal unmittelbar über den Resten einer kaiserzeitlichen villa rustica, einen romanischen und einen hochgotischen Kirchenbau.

Die frühmittelalterliche Saalkirche mit leicht verschobenen Grundriß hat als Ostabschluß eine eingezogene, gestelzte Apsis. W. Sydow verweist auf verwandte Bauten des 7. - 9. Jahrhunderts, die in der Schweiz ergraben wurden (Einigen, Messen, Räzuns und Pfäfers), und ebenfalls oblonge Apsiden aufweisen. Als österreichisches Beispiel für eine oblonge Apsis ist der Grundriß der ersten Kirche von Eisenreichdornach (NÖ.) aus dem 9. Jahrhundert zu nennen, jedoch ist dort die Apsis gegenüber dem Saalraum nicht eingezogen. Neben diesen typologischen Übereinstimmungen wäre es denkbar, daß der erste Kirchenbau noch aus der Zeit vor 788 (Indiculus Arnonis) stammt.


Literatur: Sydow, Kirchdorf, 1985, 127 - 138. - Czerwenka, Architektur, 1992, 139f.


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