









Mein Gästebuch (aufs Kätzchen klicken!) 
|
Geschichten 3

Katzenfreundschaften (von
Alfred Brehm)
Meine wilde Falbkatze (von
Alfred Brehm)
Wer hängt der Katze die
Schelle an
Die Teufelskatze
mehr

Katzenfreundschaften
Alfred Brehm (1829-1884)
Es
gibt Katzen, und ich kannte selbst solche, die schon
mehrere Male mit ihren Herrschaften von einer Wohnung in
die andere gezogen sind, ohne daß es ihnen eingefallen
wäre, nach dem alten Haus zurückzukehren. Sie urteilen
eben, daß der Mensch in diesem Fall mehr wert sei als
das Haus. Andere Katzen kommen, sobald sie ihren Herrn
von weitem sehen, augenblicklich zu ihm heran,
schmeicheln und liebkosen ihn, spinnen vertraulich und
suchen ihm auf alle Weise ihre Zuneigung an den Tag zu
legen. Sie unterscheiden dabei sehr wohl zwischen ihnen
bekannten und fremden Personen und lassen sich von
ersteren, zumal von Kindern, unglaublich viel gefallen,
freilich nicht soviel wie alle Hunde, aber doch
ebensoviel wie manche. Andere Katzen begleiten ihre
Herrschaft in sehr artiger Weise bei Spaziergängen durch
Hof und Garten, Feld und Wald. Ich selbst kannte zwei
Kater, welche sogar den Gästen ihrer Gebieterin in
höchst liebenswürdiger Weise das Geleit gaben, 10-15
Minuten weit mitgingen, dann aber mit Schmeicheleien und
wohlwollendem Schnurren Abschied nahmen und
zurückkehrten.
Katzen befreunden sich aber auch mit Tieren. Man kennt
viele Beispiele von den innigsten Freundschaften zwischen
Hunden und Katzen, welche dem lieben Sprichwort gänzlich
widersprechen. Von einer Katze wird erzählt, daß sie es
sehr gern gehabt habe, wenn sie ihr Freund, der Hund, im
Maule in der Stube hin und her trug; von anderen weiß
man, daß sie bei Beißereien unter Hunden ihren Freunden
nach Kräften beigestanden, und ebenso auch, daß sie von
den Hunden bei Katzenbalgereien geschützt wurden.
Manche Katzen liefern außerordentliche Beweise ihrer
Klugheit. Solche von echten Vogelliebhabern werden nicht
selten so weit gebracht, daß sie den gefiederten
Freunden ihres Herrn nicht das geringste zuleide tun.
Giebel beobachtete, daß sein schöner Kater, Peter
genannt, eine Bachstelze, welcher genannter Naturforscher
im Zimmer hielt, wiederholt mit dem Maul aus dem Hof
zurückbrachte, wenn der Vogel seine Freiheit gesucht
hatte - natürlich, ohne ihm irgendwie zu schaden.
Ein ganz gleiches Beispiel ist mir aus meinem Heimatdorf
bekannt geworden. Dort brachte die Katze eines
Vogelfreundes zur größten Freude ihres Herrn diesem ein
seit mehreren Tagen schmerzlich vermißtes Rotkehlchen
zurück, welches sie also nicht nur erkannt, sondern auch
gleich in der Absicht gefangen hatte, ihrem Gebieter
dadurch eine Freude zu bereiten!
Gestützt auf diese Tatsachen, glaube ich, daß auch
folgende Geschichte buchstäblich wahr ist: Eine Katze
lebte mit dem Kanarienvogel ihres Herrn in sehr
vertrauten Verhältnissen und ließ sich ruhig gefallen,
daß dieser sich auf ihren Rücken setzte und förmlich
mit ihr spielte. Eines Tages bemerkt ihr Gebieter, daß
sie plötzlich mit großer Hast auf den Kanarienvogel
losstürzt, ihn mit den Zähnen faßt und knurrend ein
Pult erklettert, den Kanarienvogel dabei immer fest in
den Zähnen haltend. Man schreit auf, um den Vogel zu
befreien, bemerkt aber gleichzeitig eine fremde Katze,
welche zufällig in das Zimmer gekommen ist, und erkennt
erst jetzt Miezchens gutes Herz. Sie hatte ihren Freund
vor ihrer Schwester, welcher sie nicht trauen mochte,
schützen wollen.
Weitere Beweise für den Verstand des vortrefflichen
Tieres lieferte unsere eigene Hauskatze. Im schönen
Monat Mai hatte sie auf dem Heuboden vier allerliebste
Junge geworfen und dort sorgfältig vor aller Augen
verborgen. Trotz der größten Mühe konnte die
Lagerstätte erst nach zehn bis zwölf Tagen entdeckt
werden. Als dies aber einmal geschehen war, gab sich Miez
auch weiter gar keine Mühe, ihre Kinder zu verstecken.
So mochten ungefähr drei oder vier Wochen hingegangen
sein, da erscheint sie plötzlich bei meiner Mutter,
schmeichelt und bittet, ruft und läuft nach der Tür,
als wollte sie den Weg weisen. Meine Eltern folgen ihr
nach, sie springt erfreut über den Hof weg, verschwindet
auf dem Heuboden, kommt über die Treppe zum Vorschein,
wirft von oben herab ein junges Kätzchen auf ein
Heubündel, welches unten liegt, springt ihm nach und
trägt es bis zu meiner Mutter hin, zu deren Füßen sie
es niederlegt. Das Kätzchen wird freundlich auf- und
angenommen und geliebkost. Mittlerweile ist die Katze
wieder auf dem Heuboden angelangt, wirft ein zweites
ihrer Kinder gleicherweise herab, trägt es aber bloß
einige Schritte weit und ruft und schreit, als verlange
sie, daß man es von dort abhole. Diese Bitte wird
gewährt, und jetzt wirft die faule Mutter ihre beiden
andern Kinder noch herab, ohne sich aber nur im
geringsten mit deren Fortschaffung zu befassen, und erst
als ihr ganz entschieden bedeutet wird, daß man die
Kleinen liegenlasse, entschließt sie sich, dieselben
fortzuschleppen. Wie sich ergab, hatte die Katze fast gar
keine Milch mehr, und klug genug, wie sie war, sann sie
deshalb darauf, diesem Übelstand so gut als möglich
abzuhelfen, brachte also ihr ganzes Kindernest jetzt zu
ihrem Brotherrn.
Dieselbe Katze bekundete eine Anhänglichkeit an meinen
Vater, welche von der des treuesten Hundes nicht hätte
übertroffen werden können. Sie wußte, daß sie dieses
ausgezeichneten Tierkenners und Tierfreundes Liebling
war, und bemühte sich, dankbar zu sein. Jeden Vogel,
welchen sie gefangen hatte, brachte sie, und zwar kaum
oder nicht verletzt, ihrem Herrn, es ihm gleichsam
anheimgebend, ob er ihre Beute wieder in Freiheit setzen
oder für seine Sammlung verwenden wollte; niemals aber
vergriff sie sich, was andere Katzen nicht selten tun, an
den ausgestopften Stücken der Sammlung, durfte deshalb
auch unbedenklich im Zimmer gelassen werden, wenn alle
Tische und Bänke voller Bälge lagen. Auf den ersten Ruf
meines Vaters erschien sie sofort, schmeichelnd oder
bettelnd, je nachdem sie erkannt hatte, ob sie bloß zur
Gesellschaft dienen oder einen ihr aufgesparten Bissen
erhalten sollte. Schrieb oder las mein Vater, so saß sie
meist behaglich spinnend auf seiner Schulter; verließ er
das Haus, gab sie ihm das Geleit.
Während der letzten Krankheit ihres Gebieters, dessen
reger Geist bis zum letzten Augenblick tätig war,
besuchte sie ihn täglich stundenlang, versuchte auch
noch außerdem, ihm Freude zu bereiten. An den mit
Vogelbälgen angefüllten Kistchen und Schachteln fanden
wir fast täglich frisch gefangene und getötete Vögel,
welche sie zu den ausgestopften gelegt hatte. Nenne man
dies Eitelkeit, sage man, daß sie dafür gelobt sein
wollte: Verständnis für die Wünsche ihres Herrn und
guten Willen, letztere zu erfüllen, wird man solchen
Handlungen nebenbei doch zusprechen müssen. Ich will es
als einen Zufall gelten lassen, daß dieses treffliche
Tier von der Leiche und von dem Sarg meines Vaters
gutwillig nicht weichen wollte und, weggenommen, immer
wieder zurückkehrte; erwähnenswert scheint mir die
Tatsache aber doch zu sein.
"Als ich am Nervenfieber krank lag", berichtete
eine Frau, "vermißte mich meine Katze sofort,
suchte mich und setzte sich so lange an die Tür des
Krankenzimmers, bis sie Gelegenheit fand,
hereinzuschlüpfen. Hier tat sie nun ihr Bestes, mich
nach ihren Kräften zu unterhalten und zu erheitern. Da
sie jedoch merkte, daß ich zu krank war, um mit ihr
spielen zu können, setzte sie sich an meine Seite und
schwang sich förmlich zu meiner Krankenwärterin auf.
Auf alles, was mit mir geschah, gab sie genau acht, und
sobald ich mich nach ihr umsah, erschien sie
augenblicklich mit freundlichem Schnurren bei mir.
Niemand hätte größere Wachsamkeit oder zärtlichere
Sorgfalt für mich bekunden können. Sehr bald wußte sie
Bescheid über die verschiedenen Stunden, um welche ich
Arznei oder Nahrung nehmen mußte. Wenn meine Pflegerin
nachts zuweilen in Schlaf verfiel, weckte die achtsame
Katze sie regelmäßig zur bestimmten Zeit dadurch auf,
daß sie ihr ganz sanft in die Nase biß. Geradezu
wunderbar erschien mir die Tatsache, daß sich das Tier,
trotzdem sich in meinem Zimmer keine Uhr befand, bei Tag
wie bei Nacht kaum um fünf Minuten in seinen
Berechnungen irrte."
Aus all dem geht hervor, daß die Katzen die Freundschaft
des Menschen in vollstem Maß verdienen.
Seitenanfang

Meine wilde
Falbkatze
Alfred Brehm (1829-1884)
Ich
war eine Zeitlang im Besitz einer Falbkatze, habe mich
aber vergeblich bemüht, ihr nur einigermaßen die
Wildheit abzugewöhnen, die sie zeigte. Das Tier war in
den Steppen Ostsudans alt gefangen worden und wurde mir
in einem Käfig gebracht, der schon durch seine
außerordentliche Festigkeit zeigte, daß man ein
bedenkliches Raubtier in ihm verwahre. Ich habe die Katze
niemals aus diesem Käfig nehmen dürfen, weil sie
überhaupt nicht gestattete, daß man ihr irgendwie sich
näherte. Sobald man an sie herankam, fauchte und tobte
sie wie unsinnig und bemühte sich nach Kräften, Unheil
anzurichten. Strafen fruchteten nichts. In unseren
Tiergärten habe ich die Falbkatze nur ein einziges Mal
gesehen, uns zwar in London. Die beiden Tiere, die man
dort geraume Zeit hielt, stammten aus Palästina und
mochten wohl jung aus dem Lager genommen worden sein,
weil sie so gesittet und ruhig sich betrugen, wie man
dies von einer Wildkatze überhaupt erwarten kann.
Außerordentlich wichtig zur Begründung der Ansicht,
daß die Falbkatze die Stammutter unserer Hauskatze ist,
sind Beobachtungen, die Schweinfurth im Lande der
Njamnjam machte. Nach mündlichen Mitteilungen des
berühmten Reisenden kommt die Falbkatze hier häufiger
vor als in irgendeinem bis jetzt bekannten Teil Afrikas,
so daß man also das tiefe Innere des Erdteils als das
eigentliche Vaterland oder den Kernpunkt des
Verbreitungskreises unseres Tieres ansehen muß. Die
Njamnjam nun besitzen die Hauskatze im eigentlichen Sinn
des Wortes nicht, wohl aber dienen ihnen zu gleichem
Zweck wie letztere halb- oder ganzgezähmte Falbkatzen,
die die Knaben einfangen, in der Nähe der Hütten
anbinden und binnen kurzer Zeit so weit zähmen, daß sie
an die Wohnung sich gewöhnen und in der Nähe derselben
dem Fang der überaus zahlreichen Mäuse mit Eifer
obliegen.
Die Mumien und Abbildungen auf den Denkmälern in Theben
und in anderen ägyptischen Ruinen stimmen mit den
Falbkatzen am meisten überein und scheinen zu beweisen,
daß sie es war, die bei den alten Ägyptern als Haustier
gehalten wurde. Vielleicht brachten die Priester das
heilige Tier von Meroë in Südnubien nach Ägypten; von
hier aus könnte sie nach Arabien und Syrien und später
über Griechenland oder Italien nach dem westlichen und
nördlichen Europa verbreitet worden sein und in neuerer
Zeit durch die wandernden Europäer eine noch größere
Verbreitung erlangt haben. Für mich erhalten diese
Mutmaßungen besonders Gewicht durch Beobachtungen, die
ich auf meinem letzten Jagdausflug nach Habesch machte.
Die Hauskatzen der Jemeniten und der Araber an der
Westküste des Roten Meeres zeigen nicht nur eine ganz
ähnliche Färbung wie die Falbkatze, sondern auch
dieselbe Schlankheit und Schmächtigkeit, die diese vor
ihren Verwandten auszeichnet. Allerdings hat dort die
Hauskatze nicht dasselbe Los wie bei uns, ihre Herrschaft
kümmert sich kaum um sie und überläßt es auch ihr
selbst, sich zu ernähren. Dies dürfte aber schwerlich
als Grund ihres schlechten Aussehens anzunehmen sein,
denn an Nahrung fehlt es einem Raubtier in dortiger
Gegend nicht. Ich glaube, daß die Katze Nordostafrikas
am treuesten sich ihre ursprüngliche Gestalt erhalten
hat. Die gewöhnliche Färbung der afrikanischen
Hauskatze kommt der ihrer wahrscheinlichen Stammutter am
nächsten, doch findet man auch hier schon ausgeartete,
nämlich weiße, schwarze, rotgelbe und sogenannte
dreifarbige Hauskatzen.
Seitenanfang

Wer hängt
der Katze die Schelle an
Die
Mäuse hielten einmal eine Volksversammlung, um sich zu
beraten, wie sie den Nachstellungen der Katzen entgehen
sollten. Da war aber guter Rat teuer, und vergebens rief
der Vorsitzer die erfahrensten Mäuse der Gemeinde auf,
bis endlich ein junger Mäuserich zwei Finger empor
streckte und um Erlaubnis bat zu sprechen.
Als diesem nun das Wort gegeben ward, hub er an und
sprach: »Ich habe lange darüber nachgedacht, warum uns
die Katzen so gefährlich sind. Das liegt nicht sowohl an
ihrer Geschwindigkeit, wovon so viel Wesens gemacht wird;
würden wir sie zur rechten Zeit gewahr, so wären wir
wohl behende genug, in unser Loch zu entspringen, ehe sie
uns etwas anhaben könnten. Ihre Überlegenheit liegt
vielmehr in ihren samtenen Pfoten, unter welchen sie ihre
grausamen Krallen so lange zu verbergen wissen, bis sie
uns in den Tatzen haben. Denn da wir den Schall des
Katzentritts nicht vernehmen, so tanzen und springen wir
noch unbesorgt über Tische und Bänke, wenn der Todfeind
schon heranschleicht und den Buckel zum Sprunge krümmt,
uns zu haschen und zu erwürgen. Darum ist meine Meinung,
man müsse den Katzen eine Schelle anhängen, damit ihr
Schall ihre Nähe verkünde, bevor es zu spät ist.«
Dieser Vorschlag fand so großen Anklang, daß er alsbald
zum Beschluß erhoben ward. Es fragte sich jetzt nur
noch, wer es übernehmen solle, der Katze die Schelle
anzuhängen. Der Vorsitzer meinte, hierzu werde niemand
geeigneter sein als derjenige, der so schlauen Rat
erdacht habe.
Da geriet der junge Mäuserich in Verlegenheit und
stotterte die Entschuldigung heraus, hierzu sei er zu
jung, er kenne die Katze nicht genug; sein Großvater,
der sie besser kenne, werde dazu geschickter sein. Dieser
erklärte aber, eben weil er die Katze zu gut kenne,
werde er sich wohl hüten, einen solchen Auftrag zu
übernehmen. Auch sonst wollte sich niemand hierzu
verstehen, und so blieb der Beschluß unausgeführt und
die Herrschaft der Katzen über die Mäuse ungebrochen.
Seitenanfang

Die Teufelskatze
Es
war einmal ein Bauer, der hatte drei schöne große
Katzen. Sein Nachbar kam und bat ihn um eine. Er erhielt
sie und setzte sie auf den Boden, um sie einzugewöhnen.
Nachts steckte die Katze den Kopf durch die Bodenluke und
fragte: "Was soll ich bringen über Nacht?"
"Mäuse sollst du bringen", antwortete der
Bauer. Da fing die Katze Mäuse und warf sie alle auf die
Diele. Am andern Morgen lag die Diele so voll, daß man
die Tür gar nicht öffnen konnte, und der Bauer fuhr den
ganzen Tag die Mäuse haufenweise weg.
Nachts streckte die Katze den Kopf wieder durchs
Bodenloch und fragte: "Was soll ich bringen über
Nacht?"
"Roggen sollst du bringen", antwortete der
Bauer. Da schüttete die Katze die ganze Nacht Roggen
hinunter, daß man morgens wieder die Tür nicht öffnen
konnte. Da merkte der Bauer, daß die Katze eine Hexe war
und brachte sie wieder zum Nachbarn. Und daran hat er
klug getan; denn hätte er ihr zum drittenmal Arbeit
gegeben, so hätte er sie niemals wieder loswerden
können. Aber daran tat er nicht klug, daß er nicht das
zweite Mal gesagt hatte: "Geld sollst du
bringen!" Dann hätte er nämlich so viel Geld
gehabt, wie er jetzt Roggen hatte.
(Sage aus Schleswig-Holstein)
Seitenanfang


|