Virtuose Klaviermusik von Komponisten des 19. und 20. Jahrhunderts findet sich auf dieser CD, die Marina Palmer, eine aus Mallorca stammende Pianistin, aufgenommen hat. Das breit gefächerte Spektrum dieser Abfolge bedeutender Werke von programmatischer Musik umfasst Stücke mit folkloristischen Bezügen, die von Komponisten aus verschiedenen Nationen stammen.
Den Anfang macht Frederic Chopin (1810 – 1849), der Romantiker am Klavier. Er begründete mit seinen vier Balladen, von denen die berühmte erste in g-moll op. 23 zu hören ist, eine neue Form der dramatisch-erzählenden Instrumentalmusik. Chopin, der sich in seinen Kompositionen mehr an Bach und Mozart als an dem Zeitgenossen Liszt orientierte, hat die vorgestellte Ballade, in der die Melodie wie eine Gesangsstimme hervortritt, als elegisches Werk kreiert, das eine Geschichte stimmungsvoll erzählt .
Der in Ungarn geborene Franz Liszt (1811 – 1886), ein an Beethoven geschulter europaweit gefeierter Virtuose und Schöpfer grandioser Klavierwerke, schuf mehrere "Sonette", zu denen er sich vom Begründer des italienischen Humanismus, Francesco Petrarca (1304 – 1374) inspirieren ließ. Eine dieser musikalisch ausgereiften Miniaturen mit ihren raffinierten Tongebilden findet sich ebenfalls auf dieser CD.
Die Form der Etüde von Cramer und Czerny als pianistisches Übungsmaterial komponiert, fand bei Chopin eine neue poetische Ausdrucksform, die das rein Technische zugunsten musikalischer Gestaltung zurückdrängt. In dieser Traditionslinie steht auch der 1872 in Moskau geborene Alexander Scriabin (gest. 1915), aus dessen Etüdenwerk zwei technisch und musikalisch brillante Beispiele zu hören sind. Die sogenannte "Sonate Fantasie" entstand unter dem Eindruck, den Scriabin von der bezaubernden Landschaft am Mittelmeer bei Genua gewonnen hatte. Die stille Nacht an der Küste und das Mondlicht sind der thematische Hintergrund des ersten Satzes, während der später eingefügte zweite, zugleich der Finalsatz, nach einem Urlaub auf der Krim in der Absicht komponiert wurde das wilde Meer musikalisch zu gestalten. Assoziationen an Chopins b-moll Sonate stellen sich ein, wenn dieses grandiose Werk erklingt.
Den Abschluss dieses Panoramas musikalisch ausgerichteter Klavierwerke aus dem Fundus der Nationalkultur europäischer Länder bilden vier Sätze des Kataloniers Isaac Albeniz (1860 – 1909) aus seiner "Iberia Suite", die zwischen 1905 und 1908 entstand. Sie gilt als das pianistische Hauptwerk von Albeniz, in dem die Sonatenform mit andalusischer Volksmusik kombiniert, Impressionen von Städten und Landschaften Spaniens musikalisch vergegenwärtigt.

Dr. Diethard Hennig

Musikalische Stationen unter Palmen
Von Anastasia Poscharsky-Ziegler | 02.03.2005 |
Pianistin Marina Palmer mit "Stationen - Estaciones"

Sanfte osteuropäische Romantik gepaart mit rassiger spanischer Leidenschaft: dieses genussvolle Gefühlsbad bietet die neue CD der spanisch-deutschen Konzertpianistin Marina Palmer.

Griffiges Klangbild
Die CD ist technisch brillant, vermittelt das sehr authentisch griffige Klangbild der Künstlerin. Der Tonträger wurde im letzten Jahr in den Ona Digital Studios in Palma de Mallorca, dem Geburtsort der Künstlerin, aufgenommen. Es sind Marina Palmers "Stationen" mit Werken von Chopin, Liszt, Scriabin und Albéniz.

Die Musikreise mit dem Steinwayflügel unter Palmen beginnt mit der grandios hingeworfenen berühmtesten Chopin-Ballade (Opus 23/ 1 g-moll). Sie setzt sich mit einer der klangschönsten Kompositionen der Romantik fort, einem der Petrarca Sonette von Franz Liszt, das sowohl durch zarte Poesie wie auch nachdrückliche und kraftvolle Erzählkraft besticht.

Russisches Temperament, Pathos und virtuose Technik sind dann bei Alexander Scriabins Etüden opus 42 (besonders eindrucksvoll der tondichte Klangrausch der cis-moll-Etüde) und bei seiner von Mittelmeerimpressionen inspirierten tückisch schwierigen Sonate-Fantasie gis-moll gefragt. Sie schlägt geschickt die Brücke vom Osten nach Süden.

Spanische Atmosphäre
Zu interpretatorischer Hochform mit viel Empfindung und dichter hispanischer Atmosphäre findet Marina Palmer jedoch in den vier Beispielen aus der zwölfteiligen Suite "Iberia". Der Katalonier Isaac Albéniz porträtierte hier um 1905 seine Heimat und Palmer sinniert tiefgründig in der "Evocacion", schildert lebhaft und pittoresk in "El puerto" das Treiben im Hafen, und formuliert feurige Flamencofloskeln und große Gefühle bei "Triana" und "El Albaicin", den musikalischen Reminiszensen an die Zigeunerviertel der Städte Sevilla und Granada.


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