Fjorde

Eiskappen entstehen zunächst in Hochgebirgen, aus denen das Eis dann durch bereits bestehende Täler in tiefergelegene Gebiete strömt, wie heute z.B. die Gletscher in den Alpen und den Rocky Mountains. Während einer Eiszeit werden diese Hochgebirgsgletscher immer größer und bedecken schließlich auch die tiefergelegenen Gebiete. Eis lagert nicht nur Sedimente ab, sondern wirkt auch erosiv, d.h., es zerstört das Material, über das es strömt. Die Täler, durch die das Eis sich seinen Weg nach unten sucht, werden dann vom Eis ausgeschliffen und umgeformt. Täler, die von Flüssen geformt wurden, haben eine typische V-Form, die das Eis in eine U-Form verändert. Deutlich ist dies z.B. in Alpentälern zu sehen. Gletscher entstehen, wenn Niederschlag, der auf die Gletscher fallt, langsam zu Eis wird. Dieser Niederschlag kommt aus dem Ozean, was bedeutet, daß die Meereshöhe während der Eiszeiten viel niedriger war als in den warmen Zeiten. Eine Senkung des Meeresspiegels um bis zu 130 m konnte die Folge sein. In Norwegen und Schweden bestand bereits zu Beginn der letzten Glaziale ein Gebirge, aus dem die Gletscher wachsen konnten, als die letzten Eiszeiten begannen. Im Lauf der Eiszeit entstand hier ein Eispaket von bis zu 3000 m Dicke.

Diese Eismassen haben die Landschaft und auch die Küsten von Norwegen und Schweden zu einem großen Teil geformt. Eis fließt genauso wie Wasser von oben nach unten, und unter dem Einfluß des
gigantischen Gewichts des Eises bewegt ein Gletscher sich langsam, aber sicher nach unten. Das Eis fließt durch die bereits vorhandenen Täler und schleift diese dabei weiter aus, so daß sie eine U-Form erhalten. Fjorde entstehen auf die gleiche Art und Weise. Die meisten Fjorde sind 300 m tief oder noch tiefer, haben aber an der Meeresseite eine untiefe Schwelle. Sie wurden von Gletschern ausgeschliffen, die ins Meer flossen.

Der Sognefjord in Norwegen ist an der tiefsten Stelle sogar 1.300 m tief, am Ausgang zum Ozean beträgt die Tiefe lediglich 130 m. Fjorde werden so tief, weil der Gletscher seine erosive Wirkung behält, auch, wenn er ins Meer mündet. Bei einer bestimmten Wassertiefe, die von der Dicke der Eiskappe abhängt, beginnt diese Eiskappe zu treiben, und die erosive Wirkung entfällt. Ein Gletscher von 300 m Dicke beginnt erst zu treiben, wenn das Wasser mehr als 270 m tief ist. Die Schwelle an der Meeresseite eines Fjords entstand u.a. dadurch, daß der Gletscher, als er diese Stelle erreichte, seine erosive Kraft verloren hatte. Außerdem lagern Gletscher an ihrem äußeren Ende das Geröll ab, das sie mit sich mitführen, die sog. Endmoräne. Dies alleine erklärt jedoch nicht die Tatsache, daß Fjorde so tief sind. Als die Eiskappen gegen Ende der letzten Eiszeit schmolzen, stieg auch der Meeresspiegel um etwa 100 m. Fjorde sind in der Regel ideale Häfen, nicht nur wegen ihrer Tiefe, sondern auch, weil die Talwände aufgrund ihrer U-Form so steil sind. Mit großen Schiffen, die entsprechend großen Tiefgang haben, kann man das Festland erreichen. Dies bedeutet jedoch auch, daß im Tal eines Fjords wenig bewohnbares Gebiet übrigbleibt.

Zu den spektakulären Phänomenen eines Fjords zählen auch die Wasserfälle an seinen Seiten. Sie entstehen dadurch, daß die Täler, die in einen Fjord münden, weit über dem Boden oder dem Wasserspiegel enden, weil die Gletscher, die früher die Täler füllten, die Erosionsbasis der Schmelzwasserflüsse bildeten, die ins Tal führten. Als der Gletscher schmolz, blieben hängende Täler übrig.