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Die Umgebung Trutnov |
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Im malerischen Tal des Gebirgsflusses Upa (Aupa) und auf den anliegenden Hügeln, im Riesengebirgsvorland, welches reich mit Wäldern bedeckt ist, und am Horizont mit dem Wall des Riesengebirges und der 1602 Meter hohen Snezka (Schneekoppe) umgeben ist, streckt sich in 427 Metern ü.d.M. die Bezirksstadt Trutnov mit dreiundreißigtausend Einwohnern aus.
An die Sage über die Gründung der Stadt - vom Ritter Albrecht Trautenberger mit dem Lindwurm, wie sie auf seiner Lünette im Interieur des Prager Nationaltheaters MikolaS Ales dargestellt hat - erinnert das Wappen von Trutnov. Es zeigt auf einem blauen Schild ein silbernes Tor mit zwei silbernen Türmen. Der dazwischen fliegende schwarze Rabe mit einem goldenen Fingerring im Schnabel symbolisiert mit dem grün gefärbten Lindwurm vor dem Tor die Macht der Dunkelheit und die Schätze, die das Riesengebirge verbergt.
Wie und wann ist der sagenhafte Lindwurm, in Wirklichkeit handelte es sich um ein Krokodil, dem erst die Phantasie unserer Vorfahren in der Sage von der Gründung der Stadt die schreckliche Lindwurmgestalt eingeprägt hat, bis nach Trutnov gekommen? Dieses Tier haben wohl in den Zeiten der Kreuzzüge irgendwelche Feudale aus Trutnov oder die Mitglieder des Kreuzherrenordens (er ist in Jerusalem gegründet worden) hierher mitgebracht. Sie haben gemeinsam mit dem mährischen Geschlecht der Schwabenitzer die Trutnover Gegend kolonisiert.
Die Anfänge von Trutnov sind unmittelbar mit dem Upa-Fluß verbunden. Der Fluß war für die Stadt lebenswichtig, im Tal führten Wege und das Wasser, welches teilweise in den Mlýnsky nahon (Mühlgraben) geleitet wurde, hatte vier Mühlen, eine Papierfabrik, die ersten Fabriken und Wasserelektrizitätswerke betrieben. Der Fluß hat auch einst ihren Namen der slawischen Siedlung, die im 12. Jahrhundert entstanden ist, dem Vorgänger der heutigen Stadt Trutnov, gegeben. Den Namen "Trautenau" - "lieber Ort an der Au - traut der Au" - haben dem Ort die Ansiedler, die hierher während der letzten Premysliden aus dem benachbarten Schlesien kamen, gegeben und so die Stelle umbenannt.
Die ersten schriftlichen Dokumente über die Stadt sind aus dem Jahr 1260 in der Urkunde des Ägydius aus Schwabenitz und in der Urkunde des Prager Bischofs Johannes, wo die Stadt noch als zweite Upa zum Unterschied von der früher entstandenen Siedlung erste Upa auf der Stelle der heutigen eingemeindeten Ortschaft Horni Staré Mesto (Ober-Altstadt) genannt wird. Der Name "Trautnaw" erscheint zum erstenmal in der Urkunde von Wenzel dem II. im Jahr 1301. Ab Ende des 14. Jahrhunderts ist Trutnov schon eine königliche Leibgedingstadt.
Die Stadtmauern, deren kleiner Teil sich noch hauptsächlich in der Vodni ulice (Wassergasse) und in der Straße Na struze (Rinnelstraße) befindet, haben vom 14. Jahrhundert bis in die Hälfte des 19. Jahrhunderts die Innenstadt umklammert. Heute erinnern sie an die ehemalige steinerne Kraft und Stolz der mittelalterlichen Stadt, die in ihrer Geschichte nur wenige Male vom Feind erobert wurde.
Mittelpunkt des Geschehens in Trutnov war der Marktplatz mit einem rechteckigen Grundriß von 98 x 82 m, aus dessen Ecken zwei Paar Gassen herausführten. Die Straßen kamen im Osten vor dem Niedertor und im Westen vor dem Obertor zusammen. Aus der Mitte der Ringplatzes ging in Richtung Norden die Horska ulice (Gebirgsstraße). Über diese Straße wölbte sich in der Nähe der heutigen Post das Mitteltor.
Eine Rarität des Trutnover Obertores waren im 16. Jahrhundert dessen zwei Bierglocken. Das Läuten der Glocken bedeutete, daß man sich in den Kneipen vom Tisch mit dem Bierkrug verabschieden mußte. Falls iemand nicht gehorchen wollte, folgte dann Strafen, zum Beispiel das Wirtshausverbot für ein ganzes Jahr.
Die Gasthäuser von Trutnov (im Jahre 1900 werden 76 genannt) wurden ausgiebig von zwei örtlichen Bierbrauereien beliefert. In einer davon aus dem Jahr 1582 in der Horska ulice wird bis heute Bier gebraut. Eine der Dominanten auf dem Krakonosovo namesti (Rübezahl - Ringplatz) ist die barocke elf Meter hohe Säule der heiligen Dreifaltigkeit aus dem Jahr 1704 mit tschechischen, deutschen und lateinischen Aufschriften (ein Kryptogramm in lateinischer Sprache - die größeren lateinischen Buchstaben muß man als römische Nummern lesen - gibt die Jahreszahl ihrer Erbauung an). Um die Säule herum, die dort stehen, wo die ehemalige Hinrichtungsstätte war, finden wir noch einen Teil der ursprünglichen Ringplatzpflasterung mit sogenannten Katzenköpfen. Es handelt sich um Steine aus dem Flußbett der Upa.
Zu den erhaltenen Barockdenkmälern von Trutnov gehören auch die Statue des heiligen Johannes von Nepomuk und die Statue der heiligen Familie vom Anfang des 18. Jahrhunderts. Sie stammen aus der Werkstätte der Gebrüder Pacak (Patzak), welche Schüler des berühmten Mathias Braun waren.
Den Ringplatz ziert ein Brunnen, wovon die Stadt ab 1892 der Geist der Berge - Rübezahl - übersieht. Die Stadt ist ja das Tor zu seiner Heimat, das Riesengebirge. Zuvor hatte hier hundert Jahre der Lindwurmbrunnen mit dem sagenumwobenen Untier gestanden.
Das alte Rathaus hat sein neugotisches Antlitz nach der Feuerbrunst im Jahr 1861 erhalten. Damals brannte bis auf 18 Häuser die ganze Innenstadt aus. Nach der Sgraffitoverzierung, die in den 80-iger Jahren dieses Jahrhundertes an der Seiten- und Hinterwand des Gebäudes erneuert wurde, können wir uns eine Vorstellung machen, wie es im 16. Jahrhunderts ausgesehen hat. Es ist ein Bauwerk des italienischen Baumeisters Valmadi.
Ein architektonisch wertvolles Gegenstück zum Rathaus ist das Haase-Palais aus dem Jahr 1885, ein Repräsentationsgebäude einer reichen Fabrikantenfamilie. Heute ist hier eine Volkskunstschule untergebracht.
Der Rübezahl-Ringplatz mit schön renovierten Häusern, die Barock-, Empire- und Klassizismusmerkmale haben, erinnert an vieles aus der Geschichte der Stadt. Im Jahr 1775 gärte er mit aufrührischen Untertanen, im Revolutionsjahr 1848 ordneten sich da unter Leitung von Uffo Horn einhundertsechzig Nationalgardisten, um den Kämpfenden in Prag Hilfe zu leisten. Während dem Krieg zwischen Preußen und Österreich im Jahr 1866 war der Ring ein Schauplatz von einem blutigen Gefecht. Eine Gedenktafel mit dem Datum 27. 6. 1866, die im Pflaster in der südwestlichen Ringplatzecke eingelassen ist, bezeichnet die Stelle, wovon als Geiseln der Bürgermeister Roth und achtzehn Bürger wegen angeblichem Verrat und der Beschuldigung, daß sie an der Schlacht in der Stadt teilgenommen haben, in die preußische Festung nach Glogau mitgeschleppt wurden.
Zu den Denkwürdigkeiten von Trutnov gehören auch Gotteshäuser. Das geschichtlich älteste ist die Sankt-Wenzels-Kirche in Horni Staré Mesto, die schon 1313 erwähnt wird. Deren wertvollstes Grabmal ist ein Renaissanceepitaph aus dem Jahr 1606, das die zahlreiche Familie des Trutnover königlichen Forstmeisters Nuss darstellt.
Die Jungfrau-Maria-Geburts-Kirche ist ein spätbarockes Gotteshaus aus dem Jahr 1782, geschaffen von Leopold Niederöcker, der nach Trutnov aus Wien umgezogen ist. Der Hochaltar ziert ein Gemälde der Geburt Jungfrau Maria von dem Maler J. Q. Jahn aus dem Jahr 1784.
Ein neugotisches Bauwerk aus unserer Zeit ist die Sankt Peter und Paul-Kirche in Porici aus dem Jahr 1903. Die evangelische Kirche im neugotischen Stil aus dem Jahr 1900 an der Upicka-Straße (früher auch Rognitzer Straße) ist im Jahr 1980 renoviert und in den Bohuslav Martinu-Konzertsaal umgewandelt worden
Ein großes Stück der Stadtgeschichte verbergt der Friedhof aus dem Jahr 1875, wo an den Außenwänden der Heiligen-Kreuz-Kapelle, die im neuromanischen Stil gebaut wurde, einige alte Grabsteine vom alten Friedhof und von der Kirche übertragen und angebracht sind.
Ein sehr wertvolles künstlerisches Denkmal am Friedhof sind geschmiedete Eisengitter bei den Gräbern von früheren Fabrikanten mit seltsamen Drachen- und Vogelfiguren, Blumen-ornamenten und Plastiken, die Engel, die Jungfrau Maria und Christus darstellen. Am Friedhof ruhen der Dichter Uffo Horn und weiter Wilhelm Kiesewetter, der sich für die Arbeiter von Trutnov eingesetzt hat. Wir sehen hier das Grabmal zu Ehren von 334 Bürgern der Stadt, die im ersten Weltkrieg umgekommen sind. Dieses Grabmal ist von dem Bildhauer Emil Schwantner geschaffen worden. Weiter sehen wir ein Grabmal für die tschechoslowakischen Soldaten, einen Grabstein für die umgekommenen jüdischen Frauen aus dem Konzentrationslager in Porici und eine Gedenkstätte für die Opfer des zweiten Weltkrieges.
Dieser Krieg war der tragische Höhepunkt einer komplizierten Entwicklung in den 20-iger und 30-iger jahren unseres Jahrhunderts und brachte in seinen Folgen den Bewohnern unabsehbare materielle und morale Schäden. Diese zu überwinden bemüht sich unsere Zeit nach dem November 1989.