Verliebt in den Entführer - Teil 4
by Tia



Der Flug nach Washington ging nicht sehr lange. Am Flughafen wartete eine ganze Eskorte von Wagen und Polizisten auf sie. Es war richtig aufregend. Noch nie sah sie so viele Polizisten, die allein für ihren Schutz hier waren. Die Freude wurde ein wenig gedämpft, als sie merkte, dass es nicht allein ihrer Anwesenheit zu verdanken war, dass alle hier waren.
Beim Wagen mit den Fähnchen der Vereinigten Staaten stand eine Frau. Sie war etwa fünfzig Jahre alt, genau wie John. Ihre Haare waren gefärbt, um die grauen Strähnen zu verbergen und hatten nun einen rötlich-braunen Schimmer. Sie trug sie sehr kurz, wie es in Mode war, für Frauen ihres Alters.
Lee ging zögernd auf sie zu. Während dem ganzen Flug hatte sie überlegt, was sie zu ihr sagen konnte, doch jetzt wusste sie auf einmal nichts mehr. Sie war nicht nur ihre Mutter. Sie war auch die First Lady, ein Vorbild für viele Frauen. Es war nicht ganz einfach, ‚Hallo‘ zu sagen.
„Ich freue mich so, dich kennenzulernen“, ergriff nun Michelle das Wort und umarmte sie ganz spontan.
Verblüfft liess sich Lee drücken. Sie hatte einen herzlichen Empfang erwartet, aber dass sie gleich umarmt wurde, hatte sie nicht geglaubt. Zuerst wäre ihrer Meinung nach ein vorsichtiges Annähern nötig gewesen. Doch sie erwiderte die Umarmung.
„Komm, Lee, John hat mir erklärt, warum du hier bist. Wir gehen jetzt ein bisschen shoppen, einverstanden?“
Lee nickte lachend. Ihre Mutter war ein richtiges Energiebündel. Das überraschte sie. Wenn sie im Fernsehen kam, war sie zwar auch immer aufgestellt und energiegeladen, aber dass sie im Privaten auch so war, hätte sie nicht gedacht.
Sie stiegen in die Limousine ein. „Ich habe mir erlaubt, ein Einkaufszentrum zu mieten, damit wir ungestört einkaufen können.“
Lee nickte. Natürlich, einfach schnell ein Einkaufszentrum mieten. Das hatte sie zu Hause auch immer gemacht.
Das Zentrum war nicht so gross wie amerikanische Einkaufszentren normalerweise waren, aber für eine Person sollte es eigentlich doch reichen. Die Verkäufer, die man nicht nach Hause geschickt hatte, waren überaus freundlich und stellten keine Fragen, warum die First Lady mit einer jungen Frau, die nicht aus ihrem Bekanntenkreis stammte, Einkäufe machte.
Zuerst sorgten sie dafür, dass Lee ein paar Kleider bekam, die sie für Zuhause - wo immer das dann auch war - anziehen konnte. Danach suchten sie sich ein Partykleid aus. Michelle drängte sie, nicht nur eines zu kaufen, so dass sie gleich mehrere hatte. Die Kleider waren ziemlich teuer. So teure Kleider hatte Lee noch nie gekauft, noch nicht einmal anprobiert.

Der Bus kam gegen vier Uhr abends in Washington an. Unterwegs hatte er immer wieder kleine Zwischenstops eingelegt, damit sich die Insassen die Beine hatten vertreten können.
Von einer Raststätte aus hatte Donnie einmal einen Freund angerufen. Dieser organisierte für sie einen Wagen und ein Hotelzimmer, in dem sie für einen Weile bleiben konnten. Der Wagen stand auf einem abgemachten Parkplatz und der Schlüssel lag in einem speziell angefertigten Fach über dem linken Hinterrad. Auf dem Fahrersitz lag die Adresse des Hotels.
„Ihre Freunde sind sehr fleissig“, bemerkte Reggie und stieg neben ihm ein.
Donnie nickte nur und fuhr auf die Strasse. „Wir fahren jetzt zuerst einmal zu einem Einkaufszentrum. Wir brauchen noch ein Kleid für Sie. Oder wollen Sie in diesen Kleidern zu Party?“
Er kannte sich in der Stadt gut aus, und wusste, wo die Einkaufszentren standen. Sie nahmen das Nächstbeste. Reggie hoffte, dass niemand sie erkannte. Doch die Leute interessierten sich nicht für die anderen, und sie wurden nicht gestört.
Sie nahmen sich Zeit, denn bis die Party anfing, waren es noch knapp drei Stunden. Zuerst schlenderten sich einfach den Schaufenstern entlang, bis Reggie etwas fand, das ihr gefiel. Sie probierte es an und Donnie gab sein Urteil ab. Mit dem ersten war er nicht so zufrieden, aber das zweite, dass sie anprobierte, gefiel ihm besser.
Nach dem Einkauf setzten sie sich an einen Tisch in einem Restaurant und assen etwas. Reggie sah sich immer wieder um und fragte sich, ob niemand sie bemerkte, aber Donnie war ruhig und gelassen.
„Haben Sie keine Angst, dass wir erkannt werden?“ fragte sie leise.
Donnie lachte und schüttelte den Kopf. „Nein. Ihr Gesicht ist einmal in der Zeitung erschienen, vor zwei Tagen. Das merkt sich niemand.“
„Und Ihres?“
„Mein Gesicht kennt niemand, der es nicht kennen sollte. Ich halte mich meistens im Hintergrund“, antwortete er und schien nicht weiter auf dieses Thema eingehen zu wollen.
Sie fuhren in das Hotel. Dort wurden sie mehr als höflich behandelt, denn ihre Unterkunft war nicht einfach ein Motel, sondern ein Hotel der höheren Klasse. Das Zimmer war auch dementsprechend gross. Es bestand eigentlich aus zwei Zimmer, je mit einem Bett versehen, die mit einer Verbindungstür verbunden waren.
„Ich habe meinen Freund gebeten, zwei Zimmer zu mieten. Ich habe gedacht, Sie fühlen sich dadurch etwas wohler“, erklärte Donnie.
Reggie dankte ihm und lächelte. Ihr Gewissen fühlte sich dadurch wohler, das stimmte, aber ihr Herz wollt etwas ganz anderes. An und für sich war sie dankbar, dass es zwei Zimmer waren. Dann kam wenigstens niemand von ihnen in Versuchung, etwas zu tun, was er später vielleicht bereuen würde.
Sie duschte sich zuerst einmal ausgiebig und zog sich danach für die Party um. Die neuen Kleider gefielen ihr sehr gut, doch als sie auf den Preis geschaut hatte, war sie doch ein bisschen erschrocken gewesen. Donnie hatte es nichts ausgemacht und hatte ohne mit den Wimpern zu zucken bezahlt.
Sie brauchte eine Weile, bis sie ihr Haar gebändigt und zu einer anständigen Frisur gebunden hatte. Um halb sieben fing Donnie sie langsam an zu drängen, und meinte immer wieder, dass sie jetzt dann gehen müssten. Reggie liess sich nicht stressen. Sie wusste, dass es um Eindruck zu schinden besser war, wenn man zu spät kam. Dann hatte der Mann, den man beeindrucken wollte, nicht das Gefühl, als könne man es kaum erwarten, ihn zu sehen.
Als sie dann endlich fertig war, blieb Donnie einen Moment lang staunend stehen und liess seinen Blick immer wieder über sie gleiten.
„Sie sehen ... phantastisch aus“, brachte er schliesslich heraus und versuchte, sich wieder zu fassen. Sie lächelte und liess sich von ihm die Tür aufmachen. Im Lift spürte sie immer wieder seine Blicke, verbot sich aber ein Lächeln.
Sie fuhren schweigend zum Haus, in dem die Party sein sollte. Es standen schon ziemlich viele Wagen am Strassenrand. Die meisten davon waren Cabriolets, die Lieblingsmodelle für Teenager mit reichen Eltern.
„Der Mann, mit dem Sie hineinkommen werden, wartet am Eingang. Er kennt Sie, keine Sorge. Ausserdem wird er Sie dem jungen Leard vorstellen. Ich hole Sie dann gegen elf Uhr wieder hier ab, einverstanden?“
Reggie überlegte kurz. Elf Uhr war ziemlich früh. „Ich würde sagen, Sie kommen gegen ein oder zwei Uhr. Vielleicht komme ich bis elf gar nicht an ihn heran.“
Donnie wollte protestieren, erinnerte sich aber noch rechtzeitig daran, dass er nicht ihr Vater war und nickte. „Ich warte um zwei hier. Wenn Sie früher ins Hotel wollen, fragen Sie meinen Freund.“
Sie nickte und stieg aus. „Äh, Reggie?“ sagt er da noch aus dem Wagen.
Sie beugt sich hinunter und sieht ihn fragend an.
„Beachten Sie einfach nicht, wenn Bobby sich aufdrängt. Bleiben Sie höflich, aber achten Sie darauf, dass er nicht zu weit geht.“
Sie bestätigte leicht verwirrt. Donnie fuhr wieder davon, während sie sich auf den Eingang zu wagte, zu dem die anderen, die ebenfalls erst jetzt ankamen, hinströmten.
„Reggie?“ fragte plötzlich jemand. Die Stimme gehörte einem jungen Mann. Er war nicht älter als sie selbst, doch man spürte, dass er von reichen Eltern war. Seine Verhalten zeugte von einer Erziehung, die nur den Reichen zugute kam.
„Hi, ich bin Bobby. Donnie hat mir erzählt, dass du Chris kennenlernen möchtest. Glaub‘ mir, ich kann dich verstehen. Wenn ich eine Frau wäre, möchte ich ihn auch kennenlernen. Wirklich, manchmal beneide ich ihn fast ein wenig. Aber wenigstens darf ich sagen, dass ich mit einer wunderschönen jungen Frau hier war.“
Reggie errötete ein wenig, lächelt, um ihre Verlegenheit zu übertönen und sagte: „Freut mich auch, dich als Begleiter zu haben, Bobby.“
Er lächelt und legt ihr ohne Scheu den Arm um die Hüften. Sie hob erstaunt die Brauen, liess sich aber nichts anmerken. Das war wohl das, von dem Donnie gesprochen hatte. Nun, solange er seinen Arm nur dort hatte ...
Er führte sie zum Eingang, sprach ein paar Worte mit dem Türsteher und nickte ihr dann zu. „Wir können hineingehen.“
Im Innern schlug ihnen sofort die Hitze entgegen. Obwohl die Party eigentlich erst angefangen hatte, war sie schon im vollen Gang. Der Bass der Musik dröhnte ihnen in den Ohren. Um miteinander zu reden musste man schon schreien. Der Raum war riesig. Vermutlich war das ganze Untergeschoss einfach ein Zimmer.
Bobby zwängte für sie einen Weg durch das Gewimmel aus fremden Leuten und zeigte auf einen jungen Mann. „Das ist Chris. Dort, in der Mitte.“
Reggie wusste, dass das Chris war. Sie sah ihn nicht zum ersten Mal, nur zum ersten Mal richtig. Seine langen Haare fielen ihm in sanften Wellen über die Schultern. Um ihn herum stand ein Kreis aus Frauen, die alle gleichzeitig auf ihn einredeten. Nur wenn er redete, waren sie still.
„Weisst du was, ich stelle dich jetzt ein paar Leuten vor. Dann kannst du deine Zeit besser vertreiben, bis du mit ihm reden kannst“, schrie Bobby ihr über die Musik hinweg zu.
Sie nickte und folgte ihm zu einer Gruppe von Jugendlichen.

Mit mehreren Säcken mit Kleidern kamen sie beim Weissen Haus an. Der Mann, der die ganze Parade von Autos begrüsste, lächelte Lee freundlich zu und führte sie zu einem Zimmer, das eine halbe Wohnung war. Er zeigte ihr das eigene Badezimmer, das Schlafzimmer und das kleine Wohnzimmer. Lee bedankte sich und wartete, bis er wieder draussen war. Sie fühlte sich ein wenig verloren in diesem grossen Zimmer und dem noch viel grösseren Haus.
Ihre Mutter hatte ihr gesagt, dass die Party von Christopher gegen sieben anfing. Sie würden gegen acht oder halb neun gehen. Also hatte sie jetzt noch zwei Stunden Zeit, um sich bereit zu machen. Sie fing an, die neuen Kleider in dem riesigen Kleiderschrank aufzuhängen. Danach duschte sie sich und zog dann das Partykleid an, das sie für das Fest gekauft hatten.
Ungefähr eineinhalb Stunden später war sie fertig. Sie suchte sich ihren Weg durch die Gänge zu einer Tür, die ihr Michelle vorhin gezeigt hatte, wo sie sein würde. Sie klopfte zögernd und öffnete die Tür.
Ihre Mutter sass an einem Schreibtisch und sah lächelnd auf, als sie eintrat. Ihre Blicke glitten musternd über Lee. Sie stand auf.
„Du siehst bezaubernd aus“, sagte Michelle beeindruckt. Ihr Lächeln wurde zu einem Grinsen und Lee konnte sich vorstellen, was das bedeutete. Sie dachte gerade daran, was Chris tun würde, wenn er erfuhr, dass sie seine Schwester war. Er würde in ihr vermutlich nur eine schöne, junge Frau sehen, die er unbedingt erobern wollte. Es war bestimmt eine grosse Überraschung, wenn er die Wahrheit hörte.
Sie gingen zusammen aus dem Haus. Ein schwarze Limousine wartete schon. Der Fahrer hielt die Tür für Lee auf. Michelle küsste sie auf die Wange. Ihr Grinsen war noch nicht verschwunden.
„Ich liebe meinen Sohn genauso sehr wie dich, Lee, aber eine kleine Abreibung wird ihm nicht schlecht tun“, flüsterte sie, damit der Fahrer sie nicht hörte.
„Wie komme ich wieder hierher?“ fragte Lee.
„Wenn du willst, kann unser Fahrer dich wieder abholen. Allerdings muss ich dir sagen, dass Chris ab und zu mit einem Mädchen nach Hause kommt, wenn es ihm gefällt. Ich glaube, du bist voll sein Typ“, sagte Michelle und sah sie geheimnisvoll und vielsagend an.
„Okay, dann werde ich anrufen, wenn Chris nicht mich mitnimmt“, grinste Lee und stieg in den Wagen ein.
Der Fahrer brachte sie zu einem grossen Haus. Die Musik tönte schon ziemlich laut hinaus und die meisten Parkplätze am Strassenrand waren besetzt. Der Fahrer öffnete ihr die Tür.
„Hier ist eine Einladung für Sie, Miss Peterson, ohne kommen Sie nicht hinein“, sagte er und drückte ihr ein Blatt Papier in die Hand.
Sie dankte ihm und ging auf den Eingang zu. Ein mit Muskeln besetzter Mann verlangte ihre Einladung und sie streckte sie ihm hin. Er musterte zuerst sie und dann die Einladung, aber er liess sie durch.
Die Luft war erhitzt von den vielen Leuten. Der ganze Raum war voll. Viele hielten ein Glas in der Hand, in dem vermutlich kein Wasser war. Lee ging langsam durch die Menge und fragte sich, wie sie in diesem Gewimmel Chris je finden sollte. Sie wusste zwar, wie er aussah, aber wenn er sich gestylt hatte, irgend eine komische Frisur gemacht hatte oder so etwas, dann erkannte sie ihn vielleicht gar nicht.
Sie ging zur Bar und musterte die Getränke, die dort serviert wurden. Das einzige nichtalkoholische Getränk war eine Cola, also nahm sie diese. Sie wusste, dass sie nicht viel Alkohol vertrug, und wenn sie sich betrank, vergass sie vielleicht, warum sie hier war.

Reggie hatte mit Bobby getanzt, mit fremden jungen Männern und mit solchen, die sie als Söhne Berühmtheiten erkannt hatte. Aber an Chris war sie noch nicht herangekommen. Er hatte immer seine Mädchen um sich, und sie wollte mit ihm reden, ohne dass alle zuhörten.
Bis etwa gegen elf Uhr hatte sie ihn nicht aus den Augen gelassen. Ein paar Mal hatte sie seinen Blick eingefangen und ihm zugezwinkert. Er hatte ihr jedesmal zugelächelt und ihr zu verstehen gegeben, dass sie zu ihm kommen soll, doch sie verschwand wieder in der Menge. Wenn er auf sie warten musste, würde er schneller bereit sein, irgend etwas für sie zu tun.
Chris‘ Glas leerte und füllte sich wieder, und meistens nicht mit Cola. Er hatte schon ziemlich viel getrunken, aber man merkte es ihm nicht an. Vielleicht, überlegte Reggie sich, war er es gewöhnt, soviel zu trinken, so dass er länger nüchtern blieb als andere.
Ziemlich genau um elf Uhr entschuldigte er sich bei seinen Anhänger, um aufs Klo zu gehen. Reggie drückte sich durch die Menge und wartete bei der Tür. Als er wieder heraus kam, bemerkte er sie sofort und kam auf sie zu. Sie lehnte sich gegen die Wand und musterte ihn.
„Hallo, ich bin Chris. Ich habe dich noch nie gesehen. Bist du mit einem Freund hier, den ich kenne?“ fragte er sofort und kam ziemlich nahe an sie heran.
„Ich bin mit Bobby hier“, antwortete sie und hoffte, dass er ihn kannte.
„Ah, Bobby, den ich kenne ich, ja. Ich hoffe du weisst, dass er nicht sehr treu ist? Ich meine, bis jetzt ist er noch nie auf zwei Partys mit der gleichen gekommen.“
Reggie hatte sich so etwas schon gedacht. So wie Bobby mit Frauen umging, konnte er sie bestimmt nicht lange halten. Chris drückte es zwar ein wenig anders aus, denn er war ein Mann.
„Ich bin nicht wegen ihm hier“, antwortete sie und liess dabei durchklingen, was er hören wollte.
Chris lächelte und lauschte einen Moment auf die Musik. „Willst du tanzen?“ fragte er höflich und bot ihr seinen Hand an. Sie nahm sie und sie gingen auf die Tanzfläche.
Die Musik war ausnahmsweise ziemlich langsam. Chris legte seine Arme und sie, während sie die ihren um seinen Hals schlang. Reggies Herz klopfte heftig, doch sie hoffte, dass er es nicht bemerkte.
Sie überlegte sich, wann sie mit ihm reden sollte. Der geeignetste Zeitpunkt wäre wohl jetzt.
„Chris, ich möchte dir ein Angebot machen“, flüsterte sie in sein Ohr. Er lächelte und sah sie fragend an.
„Weisst du, wer ich bin?“ Chris musterte sie kurz und schüttelte den Kopf. „Sollte ich dich kennen?“
Sie antwortete: „Nicht unbedingt. Aber ich weiss, wer du bist und was für Vorlieben du hast. Ich könnte ein Treffen mit jemanden arrangieren, der dich sicher interessieren wird, wenn du mir hilfst.“
Er blieb stehen und musterte sie interessiert. Reggie sah ihn auffordernd an. Er war ein Geschäftsmann, genau wie sein Vater. Doch wenn sie ihm das sagten, würde er sie sofort wegschicken.
„Lass uns woanders hingehen“, meinte er und zog sie mit sich. Sie gingen die Treppen hinauf, wo einige Leute standen und miteinander redeten. Die meisten grüssten Chris und machten sich ihre Gedanken, wo er mit Reggie hinging.
Er öffnete eine Zimmertür und schloss sie hinter sich ab. Für einen Moment dachte sie, dass er wolle, dass sie nicht mehr hinauskam, dann würde ihr bewusst, dass er wollte, dass niemand hineinkam.
„Also, was ist das für ein Angebot?“ fragte er.
„Mein Name ist Reggie McGowan. Ich wurde vor ein paar Tagen mit einer Freundin entführt“, begann sie, als Chris schon zu lachen anfing.
„McGowan hat keine Tochter, Reggie. Und ausserdem siehst du nicht so aus, als seist du entführt“, lachte er laut und konnte sich kaum mehr erholen.
Diese Reaktion hatte Reggie erwartet. Sie wartete, bis er wieder still war und fuhr dann ungerührt fort: „Meine Freundin konnte fliehen, ich nicht. Die Übergabe hätte gestern abend stattfinden sollen, doch einer der Entführer befreite mich. Sonst wäre ich jetzt tot. Das Problem ist jetzt, dass ich mich verstecken muss, weil es einen Spion im Weissen Haus gibt.“
Donnie runzelte die Stirn. Die Geschichte war viel zu märchenhaft, um wahr zu sein. Allerdings, wenn sie wollte, dass er ihr mit einer erfundenen Geschichte glaubte, hätte sie bestimmt eine bessere gewählt. Also musste sie stimmen.
„Die Zeitungen schreiben aber, dass die Entführer die Übergabe haben platzen lassen, weil Polizisten an Ort und Stelle waren“, widersprach er.
„Das stimmt auch. Die Entführer wissen vielleicht noch nicht, dass einer der ihren sie hereingelegt hat. Auf jeden Fall kommen wir nicht an den Spion im Weisen Haus heran. Und solange er nicht aus dem Weg ist, muss ich mich verstecken.“
Chris verschränkte die Arme. „Ich soll ihn also auffliegen lassen. Und was bekomme ich dafür?“
Reggie lächelte. „Ich kann ein Treffen mit Marcano, dem Unterwelt-Boss arrangieren“, antwortete sie und beobachtete seine Reaktion. Zuerst wollte er ihr nicht glauben. Dann wurde er blass, danach rot und schliesslich brach ihm der Schweiss aus. Ungefähr das hatte sie erwartet. Kaum zu glauben, dass der Präsidentensohn den Unterwelt-Boss als Idol hatte.
„Marcano? Bist du sicher, dass du nicht etwas verwechselst wie das mit deinem Namen?“ fragte er und versuchte, seine Unsicherheit zu übertönen.
Sie schüttelte lächelnd den Kopf. „Ich bin wirklich Skeet McGowans Tochter. Vielleicht weisst du es noch nicht, aber du hast ...“
Jemand klopfte heftig an die Tür und schrie dabei Chris Name. Reggie runzelte die Stirn und Chris machte auf. Ein Sohn einer Berühmtheit warf erstaunt einen Blick auf Reggie - vermutlich weil sie beide noch vollkommen angezogen waren - und deutete dann auf eine Person, die Reggie von ihrem Platz aus nicht sehen konnte.
„Du hast gesagt, wenn sie auftaucht, soll ich dich rufen. Sie ist hier, dort unten“, sagte der fremde Mann.
Chris sah seinem Arm nach und lächelte erfreut. Er winkte der Person, dass sie zu ihm kommen soll, wie er es auch schon bei Reggie getan hatte.
„Hi, ich bin Lee. Du bist Chris, nicht?“ fragte eine Stimme, die Reggie mehr als nur bekannt vorkam.
Als der Körper zu dieser Stimme in Reggies Blickfeld kam, verschlug es ihr schier den Atem. Sie starrte die junge Frau in dem teuren Partykleid an und konnte nicht glauben, was sie sah.
„Lee?“ fragte sie leise und trat einen Schritt nach vorne.
Lee wandte sich von Chris ab, starrte sie ebenfalls an und lachte dann vollkommen erleichtert. „Reggie! Geht es dir gut? Was machst du hier? Haben sie dir nichts getan? Wie bist du hierher gekommen?“ entfuhr es ihr und sie umarmte freudig ihre Freundin.
Reggie konnte Chris‘ verwirrten Blick sehen, doch irgendwie bemerkte sie ihn doch nicht. Sie traf Lee hier, ausgerechnet hier, wo sie sie am wenigsten erwartet hätte.
„Ich bin so froh, dich zu sehen, Reggie. Ich dachte eine Weile, du seist tot. Dann erfuhren wir, dass du mit Donnie zusammen bist, freiwillig und dann ...“ Sie holte tief Luft und Reggie unterbrach sie.
„Ich muss dir alles erklären. Aber warum stellt du dich Chris vor? Ich meine, er ist -“
Lee legte ihr sofort den Finger auf den Mund und flüsterte ihr ins Ohr: „Meine Mutter Michelle und ich wollen ihn überraschen. Ich mache ihn an und danach, im Weissen Haus, sagen wir, dass ich seine Schwester bin. Es soll eine Abreibung sein.
Reggie sah sie erstaunt an. Sie vergass einen Moment, warum sie hier war. Es war wie in alten Zeiten, als sie beide über Jungs redeten und sich fragten, wie sie ihnen am besten Zeigen konnten, dass sie nicht alles auf der Welt waren. Bei einigen war das manchmal ziemlich nötig gewesen.
Sie lösten sich von einander und sahen zu Chris. Er musterte sie verwirrt und straffte sich sofort, als sie ihn ansahen.
„Ich sehe, ihr kennt euch. Ich euch aber nicht. Also Lee, ich habe dich in der Zeitung gesehen. Dein Foto war darin abgebildet. Ich wusste, dass du irgend wann einmal zu meinem Vater kommen würdest und da habe ich immer gehofft, dass du auch auf meine Partys kommst.“
Lee lächelte erfreut. Reggie konnte sehen, dass das alles geplant war. Vermutlich hatte ihre Mutter sie aufgeklärt, dass sie voll Chris‘ Typ war und sie dementsprechend eingekleidet. Das Kleid, das trug, musste ja ein Vermögen gekostet haben. Aber wenn man es genau nahm, ihres war auch nicht viel billiger gewesen.
„Und Reggie, du hast mir ein Angebot gemacht, dass ich kaum abschlagen kann“, er holte tief Atem und fuhr sich mit der Hand über die Stirn. Er wirkte sehr aufgewühlt.
„Was für ein Angebot?“ fragte Lee.
„Es gibt einen Spion im Weissen Haus. Er wird dir nichts tun, aber mich wird er versuchen zurück zu bringen und zu töten, wenn ich dort auftauche. Donnie hat den Vorschlag gemacht, dass ich Chris dazu überrede, ihn aufzuspüren, weil wir es nicht können. Dafür habe ich ihm ein Treffen mit dem Marcano angeboten. Das ist der Mann im Verbrechermilieu.“
Lee runzelte die Stirn und musterte Reggie intensiv. Diese hielt ihrem Blick nicht stand und sah statt dessen auf Chris. „Wirst du mir helfen?“
Dieser atmete wieder tief ein. „Es wird meinem Vater nicht gefallen ... Also mache ich es“, fügte er mit einem breiten Grinsen hinzu. Reggie lächelte.
Lee stellte sich an Chris‘ Seite und sagte bestimmt: „Ich werde dir auch helfen. Vielleicht kann ich mehr herauskriegen als Chris, weil er nicht ein so gutes Verhältnis zum Präsidenten hat.“
Reggie unterdrückte ein Grinsen. Wenn Chris wüsste ... Sie stand auf und wollte sich schon verabschieden, als Lee sie zurückhielt.
„Du musst mir ganz genau erzählen, was passiert ist“, verlangte sie. Reggie warf einen Blick auf Chris, worauf Lee sofort reagierte. „Das ist ein Gespräch unter Frauen“, sagte sie zu ihm.
Er zog die Stirn zusammen und erholte sich langsam von seinem Schock. Er lächelte verführerisch und flüsterte: „Ich hoffe, du verschwindest nicht einfach.“
Lee schüttelt den Kopf und stiess ihn dann hinaus. Sie schloss die Tür ab und setzte sich dann neben Reggie auf das Bett im Zimmer.
„Also, was ist mit dir und Donnie? Du hast voll verliebt, was? Mann, Reggie, er könnte dein Vater sein! Ausserdem hätte er uns fast umgebracht.“
Reggie sah auf ihre Hände und spürte, wie sie errötete. „Donnie hätte uns nie etwas getan, Lee. Du hast ihn nur kurz gesehen, aber nachdem du fliehen konntest, hat er sich um mich gekümmert. Die Männer hätten mich umgebracht, wenn er mich nicht gerettet hätte. Sie hatten nie vor, einen Handel zu machen. Sie wollten nur ihr Geld, danach wäre ich überflüssig gewesen, also hätten sie mich beseitigen müssen.“
Lee betrachtete sie traurig lächelnd. „Es hat dich wirklich voll erwischt“, stellte sie zum zweiten Mal fest. „Was ist mit ihm? Liebt er dich auch? Oder spielt er nur mit dir? Hat er schon versucht, mit dir zu schlafen?“
Reggie lachte. „Nein, natürlich nicht. Er ist ein total anständiger Mensch. Er ist durch seinen Vater in diesem Milieu aufgewachsen. Sonst wäre er nicht anders als du und ich“, verteidigte sie ihn.
Lee nahm ihr das nicht ganz ab, aber wenn Reggie verliebt war, konnte man nicht mit ihr streiten. Sie fand immer wieder Argumente, um ihren Liebling zu verteidigen. Also liess sie dieses Thema fallen.
„Erzähl‘ mir jetzt alles von Anfang an. Was ist passiert, nachdem ich fliehen konnte?“ fragte sie und Reggie erzählte alles. Lee hörte stumm zu und unterbrach sie nicht. Es war interessant eine Geschichte zu hören, die sie aus einem ganz anderen Sichtwinkel mitbekommen hatte.
Sie redeten über eine Stunde lang miteinander. Alles, was passiert war, erzählten sie sich, mit allen Details. Es schien so, als hätte die Entführung niemals stattgefunden, als sei es nur ein phantastisches Gerücht, dass Reggie gehört hatte.
Lee musste Reggie versprechen, zu niemandem ein Wort zu sagen, dass sie sich getroffen hatten. Doch sie bestand darauf, Chris bei seiner Suche zu helfen, auch wenn Reggie sie überreden wollte, das zu lassen. Es war zu gefährlich für sie. Wenn der Spion merkte, dass Lee hinter ihm her war, würde er ihr vielleicht etwas tun. Doch Lee liess sich nicht abbringen, also musste Reggie nachgeben.
Gegen zwei Uhr verabschiedete sich Reggie. Lee wollte sie nicht gehen lassen, doch sie sah ein, dass sie es musste. Sie selbst ging zu Chris zurück, der sich fast sofort an sie heranmachte. Genau wie Michelle es gesagt hatte. Die Menge wurde, je näher sie dem Morgen kamen, immer kleiner. Um sechs oder sieben Uhr waren es nur noch ganz wenige, die miteinander herum schmusten oder sich noch einen Drink genehmigten. Niemand war mehr richtig nüchtern.
Lee hatte auf Chris‘ Wunsch hin ein bisschen getrunken, doch das war schon zuviel gewesen. Sie wusste, dass sie betrunken war, und konnte sich darum beherrschen, irgend etwas zu tun, was sie hinterher bereuen würde, aber ihre Gedanken waren trotzdem nicht mehr ganz so klar.
Christophers Chauffeur fuhr sie zum Weissen Haus zurück, wo sie durch einen Hintereingang hineinkamen. Lee hatte sich anstrengen müssen, um nicht zu sagen, dass sie seine Schwester sei. Jetzt wartete sie nur noch darauf, dass sie es endlich aussprechen konnte.
Das Zimmer von Chris lag am gleichen Ort wie das ihrer Eltern. Es war nicht besonders erstaunlich, als auf einmal Michelle herauskam, sie beide kurz musterte und dann lächelte.
„Guten Morgen, Chris“, sagte sie und lächelte Lee zu. „Guten Morgen, Lee.“ Ihr Augenzwinkern blieb von ihm unbemerkt.
„Du kennst Lee? Woher?“ fragte er. Wäre er ein bisschen nüchtern gewesen, hätte er vielleicht gedacht, da Lee ja eine Staatsangelegenheit war, hätten sie sich schon kennengelernt, aber in seinem Zustand dachte er nicht mehr soweit.
Michelle lächelte und unterdrückte nur knapp einen Lachanfall. „Das ist eine lange Geschichte. Lee wird sie dir bestimmt zum geeigneten Zeitpunkt erklären.“
Sie nickte zu und den Gang entlang die Treppe hinunter. Chris runzelte kurz die Stirn, vergass aber fast augenblicklich, über was er sich gewundert hatte. Er zog Lee in sein Zimmer und küsste sie heftig. Fast hätte Lee vergessen, was sie tun musste.
„Chris, ich muss dir unbedingt etwas sagen“, flüsterte sie in sein Ohr.
Er nickte, hörte aber nicht auf, sie zu küssen.
„Ich bin deine Schwester, Chris.“
Zuerst reagierte er fast gar nicht. Er blieb mit seinem Kopf auf ihrer Schulter, doch seine Lippen bewegten sich nicht mehr. Dann, langsam, als habe er Schmerzen, hob er seinen Kopf und sah sie an. Sein Gesicht war erbleicht und zeigte mehr als Erstaunen. Er öffnete ein paar Mal den Mund und schloss ihn wieder, bis er schliesslich etwas herausbrachte. „Das ist ein Witz, oder?“
Lee lächelte leicht und löste sich aus seiner Umarmung. Beiläufig bemerkte sie, dass sein Zimmer vollkommen ordentlich war. Das hätte sie nicht von ihm erwartet. Es aber vermutlich, dass er eine Putzfrau hatte, die ihm alles immer wieder aufräumte.
„Nein, das ist kein Scherz. Ich bin wirklich deine Schwester. Darum wurde ich ja entführt“, erklärte sie und beobachtete weiter seine Reaktion.
Er musterte sie genau. In ihren Augen lag kein Spott oder ein verstecktes Lachen, weil sie mit ihm ihre Scherze trieb, nur die Freude über sein Gesichtsausdruck. Er atmet laut die Luft auf und machte ein paar Schritte rückwärts zu einem Stuhl.
„Das haut mich voll vom Hocker“, erklärte er und versuchte - allerdings mit ziemlich wenig Erfolg - sich wieder zu fassen. Er atmete tief durch. Seine Stimme war zittrig, genauso wie seine Hände. Auf einmal waren sie ganz feucht. Von der Erregung, die sie vorhin bei ihm gespürt hatte, sah sie jetzt nichts mehr. Die Reaktion wäre nicht besser gewesen, wenn sie ihm einen Eimer mit kaltem Wasser über den Kopf geleert hätte.
„Okay, lass mich mal nachdenken. Du und meine - unsere - Mutter, ihr habt das abgemacht? Du hast dich an mich 'rangemacht, obwohl du wusstest, dass du meine Schwester bist?“ fragte er, auf einmal ziemlich nüchtern.
Sie nickte grinsend. „Michelle meinte, es würde dir gut tun. Aber eigentlich hat John mich geschickt. Er versteht dich nicht und hat gedacht, ich könne ihm dabei ein wenig helfen.“
Chris verdrehte die Augen. „Mein Vater! Ich hätte es wissen müssen.“ Er stand wieder auf, wischte sich seine nassen Hände an der Hose ab und musterte sie erneut. Er fasste es immer noch, dass sie seine Schwester.
Lee verzichtete darauf, die Friedensstifterin zwischen den beiden zu spielen. Sie war sicher, dass sie sich irgendwann aussprechen würden. Schliesslich hatten sie sich beide durch ihre Anwesenheit hier schon fest verändert. Chris würde vielleicht als erster nachgeben, wenn er sah, dass seine Schwester sich prächtig mit seinem Vater verstand.
Er stand auf und ging in einem Halbkreis vor ihr hin und her. Die Farbe kam langsam wieder in sein Gesicht zurück. „Ich kann’s nicht fassen. Ich habe eine Schwester! Einfach unglaublich. Wo hast du vorher gelebt? Hast du etwas gewusst? Was habt ihr über die Präsidentenfamilie gehört? Wer waren deine Eltern? Wie ist es, ein ‚gewöhnlicher‘ Mensch zu sein, ohne immer im Mittelpunkt zu stehen?“
Lee lachte auf und hob protestierend die Hände. „Nicht so schnell. Ich kann doch nicht alles auf einmal beantworten“, prustete sie vor Lachen. Zuerst sagte er kein Wort, und danach kam er kaum nach mit Reden.
„Soll ich dir etwas sagen? Ich stand voll auch dich. Ich fand es super, wie du dich deinem Vater widersetzt. Ich habe gewünscht, ich könnte das auch“, sagte sie und fürchtete gleich danach, dass damit sein Ego wieder zu gross würde.
Doch er lächelte nur dankend. „Vielen Dank für das Kompliment. Es ist mir eine grosse Ehre, von meiner Schwester geliebt zu werden.“
Sie grinste und gab ihm einen Schlag auf die Schulter. Er lachte und wich zurück. „Hast du gewusst, dass deine Eltern nicht deine Eltern sind?“
Lee schüttelte den Kopf. „Nein, ich habe überhaupt nichts gewusst. Wir hatten in der Schule mal ein adoptiertes Mädchen, und ich habe mir schon überlegt, ob ich auch so ein Kind sein könnte, aber ich kam zum Schluss, wenn man ein Kind adoptiert, liebt man es mehr als ein normales. Allerdings hatte ich nie das Gefühl, als ob meine Eltern mich irgendwie besonders geliebt hätten.“
Er grinste wieder und setzte sich auf das Bett. Das Kopfweh eines Katers plagte ihn schon jetzt. Ausserdem war er schrecklich müde. Lee musterte ihn. Sie sollten jetzt beide schlafen gehen. Dann konnte er sich auch noch von seinem Schock erholen.
„Ich denke, ich gehe jetzt in mein Zimmer. Schlaf gut, Bruderherz“, sagte sie und ging zur Tür. Sie sah gerade noch, wie er die Stirn runzelte, bevor er kapierte.
Leise schloss sie die Türe hinter sich und begegnete Michelles grinsenden Augen. Sie lehnte sich im Morgenrock an die Wand und musterte sie fragend.
„Er hat seine Abreibung bekommen, glaube ich. Jedenfalls war er ziemlich blass, als ich es ihm sagte“, antwortete Lee auf die stumme Frage und wünschte ihrer Mutter dann eine gute Nacht, beziehungsweise einen guten Morgen. Bevor sie in ihr Bett fiel, hatte sie gerade noch genug Zeit, um die Kleider auszuziehen.

Reggie stieg schnell zu Donnie ins Auto. Er fuhr los und sah sie fragend an. Sie nickte leicht und zog ihre Jacke enger um ihre Schultern. Es war ziemlich kalt, obwohl es mitten in der Nacht war.
„Er wird es tun.“ Sie zögerte einen Augenblick. Sollte sie ihm sagen, dass sie Lee getroffen hatte?
„Aber?“ fragte er, als er ihr Zögern bemerkte.
„Nichts aber“, erwiderte sie und sah aus dem Fenster. Gelbe Lichter zogen leise an ihnen vorbei.
Er warf ihr einen Blick zu. In seinem Leben als Gangster hatte er schon viele Menschen lügen sehen. Auch wenn die einen es ziemlich gut machten, irgend etwas verriet sie doch. Reggie hatte sich durch ihr Zögern verraten. Etwas war passiert, das sie ihm nicht sagen wollte. Er hatte keine Ahnung, was es war. Doch er fragte auch nicht weiter. Sie würde es ihm sagen, wenn es wichtig wäre.
„Er war ziemlich überrascht, als ich ihm ein Treffen mit Marcano vorgeschlagen habe“, versuchte Reggie ihn von seinem Verdacht abzulenken, „Er hat mir zuerst nicht geglaubt, weil er dachte, ich lüge ihm irgendeine Geschichte zusammen, wegen meinem Namen und so. Aber ich denke, jetzt glaubt er mir. Er wird es mit Freuden tun.“
Donnie nickte und ging auf ihr Ablenkungsmanöver ein. Er tat so, als habe er nichts bemerkt. „Das ist gut. Wie schätzen Sie ihn ein? Wie lange braucht er?“
Reggie lachte. Sie glaubte, dass seine Zweifel wieder verstreut waren. „Keine Ahnung, darin sind Sie der Experte. Er wird es bestimmt so schnell wie er es kann, machen. Wie lange braucht man, um einen Spion zu entlarven?“
Donnie machte eine unbestimmte Geste. Der Schatten, der über ihrem Gesicht gelegen hatte, als sie eingestiegen war, war fast verschwunden. Sie dachte noch immer daran, was auf der Party passiert war, doch nun versuchte sie mit mehr oder weniger Erfolg, es zu unterdrücken, um ihn nichts merken zu lassen. „Es kann unter Umständen Wochen oder sogar Monate dauern. Ich weiss, dass der Spion, den wir suchen, sehr gut ist, also müssen wir mit mindestens ein paar Wochen rechnen.“
Sie stiess einen Seufzer aus, zum Teil aus Schock, zum Teil aus Erleichterung, dass er nichts bemerkt hatte. „Und was machen wir in dieser Zeit? Wir müssen immer für Chris erreichbar sein, damit er uns sofort anrufen kann, wenn er etwas herausgefunden hat.“
Er nickte ruhig. „Für so etwas gibt es ja Handys, oder? Ich denke, wir mieten uns irgendein abgeschiedenes Haus und warten dort. Irgendwo in den Bergen oder so. Dort gibt es keine Polizisten, die nach uns suchen.“
Reggie lächelte bei der Vorstellung, mit ihrem Schwarm allein in einem einsamen Berghütte zu leben. Es war richtig romantisch. Mit einem Feuer und Kerzen und einem gutem Essen ... So liess es sich bestimmt gut leben, sei es auch nur für ein paar Wochen.
Ihren Gedanken nachhängend fuhren sie zu ihrem Hotel zurück. Der Concierge, der dort Nachtwache hielt, begrüsste sie mit einem unterdrückten Gähnen. Er sah ziemlich gelangweilt aus und vermutlich hielt ihn nur noch die Aussicht auf einen guten Lohn wach.
Im Zimmer wünschte Reggie Donnie eine gute Nacht und legte sich hin, doch schlafen konnte sie nicht. Sie versuchte es, doch ihre Gedanken wirbelten noch immer durcheinander. Sie war erleichtert, dass Lee wusste, dass es ihr gut ging. Aber wenn sich einer von ihnen verplapperte? Wenn sie etwas verrieten? Dann würde das Ganze auffliegen. Vielleicht konnte der Spion sie finden, wenn er die Wahrheit erfuhr.
Sie beschloss, sich mit diesen Sorgen nicht wahnsinnig zu machen. Lee würde sie nie verraten und Chris war mit der Aussicht auf ein Treffen mit Marcano bestimmt stumm wie ein Grab. Und wenn doch es passierte, konnte sie nichts daran ändern.
Seufzend drehte sie sich auf die andere Seite und schlief nun fast sofort ein.

Gegen zwölf Uhr wurde Chris von dem schrecklichen Lärm von draussen geweckt. Er wollte aufstehen, fiel aber fluchend zurück ins Bett. Sein Kopf explodierte fast, wenn er sich auch nur einen Millimeter bewegte. In den Jahren, in denen er schon solche Partys feierte, hatte er nie auf den Kater hinterher geachtet. Doch er wünschte sich jedesmal, er würde es tun, aber er vergass es immer wieder.
Schwach erinnerte er sich an eine Frau, die mit ihm hierher gekommen war. Wo war jetzt? War sie schon wieder nach Hause gegangen? Er glaubte sich daran zu sich entsinnen, dass sie irgend etwas gesagt hatte, was ihn ziemlich überrascht hatte. Was war es gewesen? Er konnte sich nicht einmal mehr an ihr Gesicht erinnern, so betrunken musste er gewesen sein.
Kurz schloss er die Augen und startete einen erneuten Versuch. Der Kopf begann sofort wieder zu pochen, doch er verdrängte den Schmerz. Er stellte fest, dass er in den Kleidern, die er in der Nacht angehabt hatte, geschlafen hatte. Seufzend zog er sie aus und zog ein paar normale Jeans und ein Hemd an. Dann ging er hinaus, um zu sehen, was passiert war.
Auf dem Flur sass ein Dienstmädchen auf den Knien auf dem Boden und sammelte das heruntergefallene Geschirr auf. Sie sah erschrocken auf, als sie ihn bemerkte.
„Oh, es tut mir leid, Sir. Habe ich Sie geweckt? Ich wollte wirklich nicht, aber es hatte einen Rumpf im Teppich und da bin ich gestolpert und ...“
Er winkte ihr ab und meinte, dass es schon in Ordnung sei. Sie entschuldigte sich noch einmal, doch er ging schon die Treppe hinunter, um sich in der Küche nach etwas Essbarem umzusehen. Gerade, als er den Kühlschrank durchstöberte, kam seine Mutter hinein.
Sie sah lächelnd und fragte: „Gut geschlafen?“
Er wollte zuerst mit mieser Laune nicken, bevor er sich plötzlich an alles erinnerte, was gestern - heute morgen geschehen war. Das Mädchen - Lee - hatte gesagt, sie sei seine Schwester. Sie und Michelle hatten alles abgesprochen, um ihm einen Schrecken einzujagen.
Seine Laune verschlechterte sich noch mehr. Seine Mutter hatte ihn angelogen. Sie hatte ihm nie gesagt, dass sie schon einmal ein Kind geboren hatte. Genau wie sein Vater. Jetzt hatte er noch einen guten Grund, um ihm nicht zu gehorchen. Er starrte seine Mutter an, fixierte sie einen Moment lang und gab keine Antwort. Sie lächelte noch mehr und setzte sich an den Tisch.
„Wie gefällt sie dir?“ fragte sie und musterte ihn dabei genau. Ihr entging nicht, dass er kurz zusammen zuckte, als sie ‚sie‘ erwähnte.
„Wen meinst du?“ fragte er mürrisch und wandte sich der Kaffeemaschine zu.
„Du weisst genau, von wem ich rede. Was sagst du zu Lee?“ antwortete Michelle und versuchte, keinen aggressiven Ton anzuschlagen. Manchmal, wenn er ihr in diesem Ton antwortete, wurde sie richtig wütend. Am liebsten gäbe sie ihm eine Ohrfeige, aber er wäre imstande und würde sie dafür anklagen.
„Sie gefiel mir besser, als ich noch nicht wusste, wer sie war“, gab Chris zurück und sah dabei konzentriert auf das Glas, das langsam mit der schwarzen Flüssigkeit gefüllt wurde.
Michelle lächelte. Das war schon ein guter Anfang. Er antwortete ihr wenigstens. Er sprach von Lee, auch wenn es nicht unbedingt positiv war. Doch sie kannte ihn nun schon ganze sechzehn Jahre lang, und sie hatte gelernt, aus seinem Gesicht und seinen Bewegungen zu lesen. In Wirklichkeit fand er sie gar nicht so schlimm. Im Gegenteil, eigentlich freute er sich darüber, eine Schwester bekommen zu haben.
„Sie hat eine schwere Zeit hinter sich. Ich möchte, dass du nett zu ihr bist. Ich weiss, dass sie sich in der Gegenwart eines Gleichaltrigen wohler fühlt“, sagte sie und sah ihn erwartungsvoll an.
Er nahm seinen Kaffee aus der Maschine und trank einen Schluck. Seine Brauen zogen sich zusammen, als er sich dabei fast den Mund verbrannte. Eigentlich machte es ihm nichts aus, sich ein wenig um Lee zu kümmern. Sie gefiel ihm, mehr als sie es sollte, schliesslich war sie seine Schwester. Aber das würde vergehen, wenn er den Schock überwunden hatte, den sie ihm gestern abend bereit hatte.
Also nickte er seiner Mutter zu und ging dann aus der Küche. Mit dem Kaffee in der Hand schlenderte er durch das Weisse Haus, als hätte er es noch nie gesehen. Aus der Sicht eines Bruder - nicht aus der eines Sohnes - war alles irgendwie anders. Er konnte es nicht beschreiben, doch es schien schöner zu sein.
Er lächelte zu sich selbst. Diese Sicht war nur, bis sie den ersten Streit miteinander hatten. Diejenigen seiner Freunde, die Geschwister hatten, sagten, dass sie am liebsten auch ein Einzelkind wären. Vielleicht hatten sie recht, vielleicht lag es aber auch daran, dass sie schon ihr ganzes Leben lang Geschwister gehabt hatten.
Nach einer Weile kehrte er in sein Zimmer zurück und setzte sich an den Computer. Lees Freundin Reggie hatte ihm ein Angebot gemacht, dass er nicht ausschlagen konnte. Nur schon bei dem Gedanken an ein Treffen mit Marcano klopfte ihm das Herz bis zum Hals. Schnell klinkte er sich in das Netzwerk ein und ging in die Akten seines Vaters. Nur die wenigsten waren nicht abgesichert, doch bei vielen war der Code ziemlich einfach zu knacken. Er hatte von einem Freund ein Programm bekommen, das ihm dabei behilflich war.
Eigentlich wusste er nicht genau, was er eigentlich hier drinnen wollte. Der Spion war ziemlich schlau, hatte Reggie erzählt. Er verriet sich bestimmt nicht in Dokumenten, an die jeder zweitklassige Hacker kam.
Ein Lächeln schlich um seine Lippen, als ihm eine Idee kam. Er musste sich mit den Mitarbeitern seines Vater unterhalten. Er konnte als Ausrede vorgeben, dass er sich anfing, für Politik zu interessieren. Mit ein bisschen Geschick kamen sie bestimmt vom Thema ab zu seinem Vater und zu der Entführung.
Bevor er diese Idee verwirklichte, untersuchte er die Personalakten der Angestellten, die hier arbeiteten. Viele waren schon über fünfzehn Jahre hier, die schloss er gleich aus. Solange wollte sich doch nicht einmal der beste Spion verstecken. Einige der Angestellten waren erst seit ein paar Jahren dabei, die schloss er auch aus. Es war zuwenig, um eine wichtige Position einnehmen zu können.
Das Weisse Haus war nicht besonders klein, und der Regierungsstab auch nicht. Es blieben immer noch viel zu viele, um alle befragen zu können. Es war ziemlich auffällig, wenn auf einmal der Rebell sich an Politik interessierte. Also schloss er die Frauen auch noch aus. Reggie hatte erzählt, dass die Entführer alle Männer gewesen waren. Warum sollte dann ausgerechnet der Spion im Weissen Haus eine Frau sein? Er druckte sich die Liste, die nun auf etwa auf zwanzig Personen geschrumpft war, aus.
Die meisten der Personen kannte er zumindest vom Sehen her. Alle tauchten irgendwann einmal im Weissen Haus auf, auch wenn sie ihr Büro eigentlich ganz woanders hatten.
Chris fuhr den Computer herunter. In diesem Augenblick ging die Tür auf. Er sah sich um. Eigentlich war er sicher gewesen, dass er klargemacht hatte, dass niemand in sein Zimmer kam, ohne geklopft zu haben. Doch bei der Person, die hereinkam, war das ein wenig anders.
„Guten Morgen, Bruderherz. Wie geht es dir?“ fragte sie mit einem süssen Lächeln.
Das kurze dunkle Haar stand leicht vom Kopf ab. Der Morgenrock, den sie trug, gehörte eigentlich Michelle. Er war Lee ein bisschen zu gross. Die Ärmel kamen ihr über die Hände und liessen sie so ein wenig drollig aussehen.
„Vor zwölf Stunden ging es mir noch wesentlich besser“, antwortete er lächelnd.
Er stand auf, ging zur Tür, sah sich kurz um und schloss die Tür wieder. Lee runzelte die Stirn.
„Ich habe eine Liste der Personen, die hier arbeiten, untersucht und einige schon ausgeschieden. Das sind die, die noch übriggeblieben sind. Vielleicht könntest du mir helfen, sie zu befragen“, erklärte Chris und zeigte ihr die ausgedruckten Namen.
Lee sah sich die Liste an. „Und wie willst du etwas aus ihnen heraus bekommen? Willst du einfach fragen, ob er der Spion ist?“ fragte sie leicht spöttisch.
Er sah sie künstlich lächelnd an. „Halte mich nicht für blöder, als ich wirklich bin, Schwesterherz. Es ist ganz einfach. Wir gehen hin, unterhalten uns und kommen ganz zufällig auf diese Entführung zu sprechen. Der Spion wird anders reagieren als die anderen.“
Lee fragte ein bisschen besorgt: „Und wenn er nur wirklich so gut ist und sich nichts anmerken lässt?“ Chris‘ Plan tönte einfach, aber logisch, aber es war ein hoher Risikofaktor dabei. Sie konnten den Spion vielleicht erkennen, an dem, wie er sich verhielt, vielleicht konnten sie es aber auch nicht.
„Dann müssen wir eine andere Möglichkeit finden. Du kannst dir ja schon etwas einfallen lassen“, meinte er mit einem fröhlichen Lächeln. Sie schlug nach ihm, wie sie es schon am frühen Morgen getan hatte, doch diesmal wich er aus und grinste frech.

„Es tut mir leid, aber ich kann dir nicht helfen. Die Polizei ist hinter uns her und wir müssen uns verstecken. Ich weiss nicht, wie nahe sie uns schon sind, doch ich vermute, ziemlich nahe.“
Reggie erwachte von dem Gemurmel, das durch die geschlossene Tür zu ihr herüber drang. Sie war noch immer müde und wollte weiter schlafen, darum drehte sie sich auf die andere Seite. Doch die Stimme tönte noch immer zu ihr hinüber.
„Nein, es geht nicht! Wir müssen bald abhauen. Ich muss allen Kontakt abbrechen ... Ja, mein Vater weiss davon. Er hilft uns ... Was? Nein, er steht auf unserer Seite ... Nein, vergiss es. Du musst sofort von dort verschwinden. Wir sehen uns, sobald das alles hier vorbei ist ... Es wird nicht mehr lange gehen. Wir haben den jungen Leard auf unserer Seite ... Ja, bestimmt.“
Donnie sprach mit jemandem am Telefon. Reggie zog sich das Kissen über den Kopf. Sie war erst spät eingeschlafen und sollte jetzt schon wieder aufstehen? Es war erst zehn Uhr morgens.
„Wir müssen jetzt aufhören ... Geh dorthin, wo ich es gesagt habe. Ich komme, sobald ich kann ... Ja, ich weiss, dass ich es dir versprochen habe ... Aber ich kann jetzt nicht ... Okay, also dann bis bald.“
Er hängte den Hörer auf. Reggie drehte sich wieder um und setzt sich im Bett auf. Mit wem hatte er gesprochen? Was bedeutet ‚Bis bald‘? Wollte er sie verlassen?
Sie stand auf und zog schnell ein paar Jeans und ein Hemd an. Zögernd klopfte sie gegen die Verbindungstür. Donnie öffnete sie sofort und sah sie an. Nur schon an ihrem Blick schien er zu erkennen, dass sie mitgehört hatte.
„Wir haben ein Problem“, sagte er und setzte sich in einen Stuhl. Reggie ging langsam in das Zimmer hinein. Die Pistole lag unverdeckt auf einer Kommode und daneben lag das Handy, mit dem er vorher telefoniert hatte.
„Ist das etwas Neues?“ fragte Reggie und setzte sich so weit wie möglich von der Waffe entfernt auf das Bett.
„Ein Freund hat mich eben angerufen. Er steckt in Schwierigkeiten und leider hat er vor ein paar Jahren einmal einen Gefallen getan. Ich muss ihm helfen“, erklärte Donnie. Er klopfte mit seinen Fingern auf die Lehne des Stuhles und dachte nach. „Ich bringe Sie zu meinem Vater. Er wird sich um Sie kümmern, bis ich wieder zurück bin“, sagte er plötzlich und stand wieder.
Verwirrt erhob sich Reggie ebenfalls. „Aber was soll ich bei Ihrem Vater? Ich kann doch auch hier auf Sie warten, oder?“ fragte sie und bemerkte nicht, dass das Gesagte zweideutig war.
„Wenn Sie zur Polizei wollen, brauchen Sie das nur zu sagen. Ich werde Sie nicht daran hindern. Ich will Ihnen nur helfen, aber wenn Sie das nicht wollen, ist es mir auch egal, verstanden?“ reagierte er plötzlich sehr gereizt.
Reggie zuckte zusammen und schüttelte den Kopf. „Ich habe es nicht so gemeint. Ich sagte nur, dass ich nicht zu Ihrem Vater will. Ich kenne ihn nicht und ...“ Sie stockte, atmete tief und sagte dann ruhig: „Ich würde lieber bei dir bleiben.“
Donnie starrte sie erschrocken an. Sie hatte auf das ‚Du‘ gewechselt und gleichzeitig ein versteckte Geständnis abgelegt. Er öffnete den Mund, um etwas zu sagen, doch er schloss ihn wieder, ohne es getan zu haben.
„Es tut mir leid“, reagierte Reggie automatisch, als sie sein erschrockenes Gesicht sah. Für sie sah es aus, als würde er gleich ausrasten.
Er fasste sich wieder und wehrte ab. „Ist schon in Ordnung. Du kannst mitkommen, wenn du wirklich willst“, sagte er lächelnd.
Sie nickte. „Und wohin gehen wir?“
„Nicht weit von hier gibt es ein Lagerhaus. Mein Freund versteckte sich dort vor jemandem, dem er auf die Füsse getreten ist. Doch dieser scheint ihn jetzt gefunden zu haben, also musste er abhauen. Wir treffen uns an einem geheimen Treffpunkt.“
„Und wie willst du ihm helfen? Willst du die, die ihn verfolgen, töten?“ fragte Reggie spöttisch und verschränkte die Arme vor der Brust.
Donnie stand auf, nahm die Waffe von der Kommode und sagte: „Nein, ich werde ihnen nur drohen. Sie werden es nicht wagen, sich mit mir anzulegen.“
Reggie hob die Brauen. „Ach ja? So furchterregend siehst du aber nicht aus.“
Donnie lachte und versorgte die Waffe unter seiner Schulter. „Ich selbst vielleicht nicht. Doch mein Name sagt einiges.“
Sie sieht ihn fragend an. Warum sollte sein Name soviel sagen? Vielleicht hatte er ihr ja verschwiegen, dass er sich einen Namen als Mörder oder Killer gemacht hatte, um sie nicht zu erschrecken.
„Ich bin Donnie Franco Marcano, der Sohn von Franco Marcano“, erklärte er leicht entschuldigend blickend.
Reggie öffnete erstaunt den Mund. Er war der Sohn von dem Marcano, den Chris unbedingt treffen wollte. Kaum zu glauben. Sie hätte sich den Sohn eines Unterwelt-Bosses irgendwie anders vorgestellt. Ausserdem hätte sie nicht geglaubt, dass der Unterwelt-Boss gegen das Töten sei. Im Fernsehen wurde die Mafia und die Kriminellen immer ganz anders dargestellt, viel brutaler und mörderischer.
„Vielleicht solltest du dich im Umgang mit einer Waffe üben“, wechselte Donnie das Thema, in dem er ihr das vorschlug, „Wenn du bei mir bleiben willst, wirst du noch ein paar schräge Typen antreffen, die nur auf eine Waffe reagieren.“
Reggie erschrak erneut. „Ich soll diese schrägen Typen erschiessen?“
Donnie lachte laut auf. „Nein, nicht erschiessen. Sie reagieren schon, wenn man eine Waffe in der Hand hat. Weisst du, Reggie, du siehst aus wie gewisse Undercover-Agenten von uns. Völlig unschuldig, wenn man nicht genau hinschaut, und doch stark“, sagte er und musterte sie dabei.
Reggie errötete leicht. „Ist das ein Kompliment?“
Er nickte lächelnd. „Komm jetzt, Reggie. Pack eine Jacke und etwas zum Wechseln ein. Vielleicht werden wir etwas länger weg sein.“
Sie seufzte und ging zu ihrem Zimmer zurück. Sie spielte gerne die Schurkin, aber nur in ihren Phantasien. Aber im wirklichen Leben eine Waffe auch nur anfassen, das war etwas viel verlangt. Sie würde zittern vor Angst, sich selbst zu erschiessen.
„Äh, Reggie?“ sagte da Donnie plötzlich, „Zieh irgend etwas schwarzes an. Das macht mehr Eindruck.“
Sie nickte lachend und schloss die Türe hinter sich. Sie zog schwarze Jeans und eine schwarze Bluse an. Danach nahm sie eine Tasche und stopfte ein paar Sachen hinein, vorwiegend schwarze, wie Donnie gesagt hatte.
Als sie wieder zu Donnie ins Zimmer ging, fingerte er gerade an seiner Waffe herum. Er hielt sie ihr hin. „Hier, die ist für dich.“
„Donnie, ich weiss doch gar nicht, auf welcher Seite man sie halten muss“, sagte sie und wich der Waffe aus.
„Dann werden wir das üben, sobald wir bei meinem Freund sind. Bis die kommen, die ihn verfolgen, haben wir bestimmt noch genug Zeit“, versicherte er ihr und zog die Waffe wieder zurück. Er legte sie in eine Tasche, schlüpfte in eine schwarze Lederjacke und zeigte zur Tür.
Sie gingen zu ihrem Auto und fuhren eine Weile lang durch die Stadt. Reggie hatte das Gefühl, dass Donnie im Kreis herumfuhr, aber absichtlich um potentielle Verfolger abzuschütteln. Sie sah immer wieder in den Rückspiegel, doch sie erkannte keine Beobachter. Im Fernsehen war das immer so einfach, doch jetzt nicht. Sie gab es auf und verliess sich darauf, dass Donnie sie erkennen würde, falls es überhaupt welche gab.
Sie fuhren auf einen grossen Parkplatz, der fast voll war. Donnie sagte ihr, sie solle ihm einfach folgen. Etwa fünf Minuten lang gingen sie durch die Strassen, bis sie in ein schlechtes Drittklasse - Hotel hineingingen. In den Gängen spielten ausländische Kinder mit kaputten Puppen, während aus den Zimmern das Geschrei ihrer Eltern tönte. Reggie hörte und sah nicht hin.
Donnie ging in ein Zimmer hinein. Ein Mann sprang sofort aus einem Versteck hervor und richtete eine Pistole auf ihn, die er aber sofort wieder herunter nahm.
„Ach, du bist’s, Donnie. Wie lange hast du den gebraucht? Ich habe schon gedacht, du kommst überhaupt nicht mehr.“
Sie umarmten einander. Der Mann entdeckte Reggie und lächelte. „Willst du mir deine Begleiterin nicht vorstellen, Donnie?“ fragte er mit einem Charme, der Reggie ganz und gar nicht gefiel.
Der Mann war etwa so alt wie Donnie, nur hatte er sich nicht so gut gehalten. Er hatte sich seit mehreren Tagen nicht mehr rasier oder gekämmt, genauso wenig hielt er etwas davon, sich zu waschen. Seine Kleider waren verschwitzt.
„Tommy, das ist Reggie. Reggie, das ist Tommy“, sagte Donnie und stellte sich neben sie, was so viel bedeutete wie: Lass die Finger von ihr.
Tommy gab ihr die Hand und grinste sie verführerisch an. Reggie lächelte leicht zurück und hoffte, er wurde nicht noch zu aufdringlich. Als hätte er ihre Gedanken gelesen, wandte er sich wieder Donnie zu.
„Mazzini hat mich vor ein paar Tagen aufgespürt. Ich konnte hierher flüchten, doch jetzt wird er mich nicht mehr freigeben. Du musst mir helfen, Donnie“, flehte er ihn fast an.
Donnie lächelte leicht. „Sonst wäre ich ja kaum hier, oder? Aber vergiss nicht, danach sind wir quitt, klar?“
Tommy nickte sofort. „Klar, Mann. Alles klar!“
Donnie hob die Brauen und wusste, dass Tommy wieder kommen würde, um ihn um Hilfe zu bitten. Doch das war nicht so schlimm. Er konnte Tommy gut leiden. Immerhin hatte man es bei ihm immer lustig.
„Du kannst hier schlafen, Reggie“, erklärte Tommy ihr und zeigte auf einen kleinen Raum. Er wirkte schmutzig, doch das sah nur so aus, weil der Putz von den Wänden fiel. Im Grossen und Ganzen war es sauber. Es hatte sogar frisches Bettzeug.
Reggie dankte ihm und stellte die Tasche auf das Bett. Donnie stellte seinen Rucksack auf das Sofa im Wohnzimmer, sofern man das so nennen konnte. Es hatte einen wackligen Tisch, ein paar noch wackligere Stühle und die Küche grenzte offen daran.
„Wie lange bleiben wir jetzt hier?“ fragte Reggie Donnie, als Tommy so höflich war, um ihnen etwas zu trinken anzubieten. Sie fühlte sich hier nicht besonders wohl.
„Bis Mazzini kommt. Das wird nicht sehr lange dauern. Vermutlich kommt er schon heute abend. Spätestens auf jeden Fall in zwei Tagen. Sonst enttäuscht er mich. Solange würde er nie brauchen, um Tommy zu finden.“
Reggie nickte. Aus dem Fenster sah man in einen schmutzigen Hinterhof, in dem noch schmutzigere Kinder mit einem kaputten Ball Fussball spielten. Sie wandte sich sofort wieder. Irgendwie schämte sie sich. Sie war in einem wunderschönen Einfamilienhaus aufgewachsen, das jede Woche von einer Putzfrau geputzt worden war und dessen Garten von einem Gärtner schön gehalten worden war. Nirgends war so viel Schmutz gewesen, dass es gestört hätte.
„Und was machen wir, während wir warten?“ fragte sie weiter. Sie spürte nämlich schon jetzt die Langeweile in sich hochsteigen.
„Du wirst schiessen lernen“, antwortete Donnie und plötzlich wieder eine Pistole in der Hand, die er ihr hinstreckte.
Argwöhnisch beäugte sie die Waffe. Ein mulmiges Gefühl stieg ihr in den Magen, als sie nach ihr griff. Sie lag schwer und kalt in ihre Hand. Reggie gab sich Mühe, um nicht zu zittern. Was war, wenn sie nun auf einmal losging?
„Sehr gut. Du hältst sie schon auf der richtigen Seite. Damit wäre die erste Lektion schon beendet. Wie wär’s mit der zweiten?“ scherzte Donnie. Er versuchte, sie ihre Unsicherheit vergessen zu lassen.
„Können wir das nicht verschieben?“
Donnie schüttelte den Kopf und nahm ihr die Waffe wieder aus der Hand. „Sieh zu. Das hier musst du zurückziehen, um sie zu entsichern. Dann musst du nur noch den Finger krümmen, um zu schiessen.“
Er führte es ihr vor, was sie tun musste. Es sah so einfach in seinen Händen aus, doch als Reggie es versuchte, klemmte es. Donnie meinte, das sei bei allen anfangs so. Er liess es sie wieder versuchen, bis es klappte. Dann musste sie den Revolver sichern und wieder entsichern und wieder sichern.
„Das machst du sehr gut. Heute nachmittag machen wir Zielübungen. Doch vorher müssen wir etwas essen gehen. Ich sterbe fast vor Hunger, du nicht?“
Reggie nickte, obwohl sie eigentlich keinen Hunger hatte. Die Waffe in ihrer Hand verdarb ihr jeglichen Appetit. Sie war von Grund auf nicht gewalttätig. Sie hatte schon Mühe damit, jemandem eine Ohrfeige zu geben, auch wenn er sie wirklich verdient hätte. Und jetzt spielte sie mit einer Waffe herum, die jemanden töten konnte.
Trotzdem gingen sie mit Tommy in ein Fast Food Restaurant. Tommy sah sich immer wieder nervös nach den Menschen um, die hereinkamen, während Donnie ganz ruhig seinen Hamburger ass. Reggie knabberte lustlos an einem Salat.
„Tommy, jetzt sitz doch endlich einmal still. Sie werden schon nicht hier hereinspazieren, dich umlegen und wieder abhauen, okay?“ bemerkte Donnie, als es ihm langsam zu bunt wurde.
Tommy nickte nur und versuchte, sich nicht mehr nach der Tür umzusehen. Seine Augen irrten jedoch immer noch im ganzen Restaurant umher, auf der Suche nach verdächtigen Bewegungen der Gäste. In seinem Gesicht glänzten Schweissperlen.
Nachdem sie gegessen hatten, fuhren sie in ein abgelegenes Gebiet der Stadt, wo es verlassene Lagerhäuser hatte, in denen man gut Zielübungen machen konnten.
Reggie bemerkte bei der Fahrt Donnies Blicke, die sich auf ein schwarzes Auto hinter ihnen geheftet hatten. Das waren bestimmt die Männer, die es auf Tommy abgesehen hatten.
Donnie sagte nichts von dem Auto zu Tommy, der viel zu nervös war, um es zu bemerken. In der Lagerhalle stellte er leere Bierdosen, die überall auf dem Boden herumlagen, auf einen Balken. Dann drückte er Reggie erneut die Waffe in der Hand und zeigte ihr, wie sie am besten zielte.
Nach mehreren Versuchen standen noch immer alle Büchsen an der gleichen Stelle. Donnie meinte, sie solle nur nicht aufgeben. Reggie wollte aber aufgeben. Sie hatte nicht vor, jemals einen Menschen mit einer Waffe umzubringen, also warum sollte sie lernen, wie man traf? Natürlich, es hatte seine Vorteile, wenn man es konnte, aber sie würde ja auch nicht ewig bei Donnie bleiben, nur solange, bis Lee und Chris den Spion gefunden hatten. Sie liebte Donnie und wünschte sich, es könnte für immer sein. Doch sie wünschte sich auch, dass sie dieses Ewig in einer kleinen Berghütte verbrachten, wo jeden Abend ein Feuer im Kamin brannte.
Sie wurde von ihren Übungen erlöst, doch anders, als sie es gewollt hatte. Mindestens ein Dutzend Männer kam plötzlich in die Lagerhalle. Alle waren mit Revolvern oder Maschinengewehren ausgerüstet. Sie stellten sich in einem Halbkreis vor ihnen auf. Dann kam der Chef, dieser Mazzini, herein. Er war nicht bewaffnet, das heisst, man konnte nicht sehen, ob er eine Waffe trug.
Donnie wandte sich ruhig von Reggie ab, die die Waffe sofort sinken liess, um nicht provozierend zu wirken. Er ging auf Mazzini zu, bis die Wachen ihre Pistolen ein wenig höher hoben.
„Wer sind Sie?“ fragte Mazzini streng.
Tommy stellte sich hinter Donnie, als wolle er sich verstecken. „Die gleiche Frage könnte ich Ihnen stellen“, antwortete Donnie, obwohl er ja wusste, wer er war.
„Mein Name ist Roberto Mazzini. Wer sind Sie?“ wiederholte er.
Donnie schien Freude daran zu haben, seinen Namen zu verheimlichen. „Was hat Tommy Ihnen getan, dass Sie ihn solange verfolgt haben?“
„Wer sind Sie, dass Sie es wagen, Fragen zu stellen? Ist Ihnen noch nicht aufgefallen, dass Sie nur ein Mann sind, der richtig schiessen kann?“
Donnie lächelte. „Von wo wollen Sie das wissen?“
Mazzini lächelte zurück „Von Tommy weiss ich, dass er kein guter Schütze ist.“ Er zeigte auf die Bierdosen. „Sie stehen alle noch“, meinte er. „Ihre kleine Freundin hat heute vermutlich zum ersten Mal eine Waffe in der Hand.“
Reggie hob reflexartig ihre Waffe und zielte damit auf die Stelle zwischen den Augen von Mazzini. „Wollen Sie darauf wetten, Mr. Mazzini?“ fragte sie. Donnie hatte ihr gesagt, sie sehe wie eine Spionin aus. Vielleicht konnte sie Mazzini überzeugen, dass sie eine Profischützin war.
Donnie musste sich beherrschen, um sich nicht überrascht zu ihr umzudrehen. Das hätte sie verraten. Mazzini starrte Reggie prüfend. Sie erwidert den Blick starr. Er machte ein kleines Zeichen mit der Hand, worauf alle Wachen ihre Gewehre auf Donnie und Reggie richteten.
„Sie können vielleicht beide gut schiessen. Doch es kommt trotzdem immer nur ein Schuss auf einmal aus der Waffe“, sagte er und wiederholte seine Frage: „Zum letzten Mal: Wer sind Sie?“
Donnie seufzte. „Ich bin Donnie Marcano.“
Mazzini reagierte zuerst nicht, bis er daran dachte, wer sonst auch noch Marcano hiess.
„Mein Vater wird es nicht gerne sehen, wenn sein einziger Sohn zusammen mit seiner Grossnichte tot in einer Lagerhalle aufgefunden wird. Glauben Sie mir, Mazzini, Sie hätten gerade noch solange zu leben, wie Sie brauchen würden, um zu verstehen, was Ihnen geschieht.“
Reggie unterdrückte ein Lächeln und versuchte, ihre Hand vom Zittern abzuhalten. Die Grossnichte vom Unterwelt-Boss persönlich. Warum eigentlich nicht? Das war doch ein schöner Titel und mit dem konnte man eine Menge machen.
Mazzini zögerte, machte dann aber wieder das Zeichen, so dass die Männer ihre Waffen herunternahmen.
„Sie sagen also, Tommy steht unter dem Schutz von Marcano?“
Donnie nickte. „Genau das wollte ich sagen. Ich würde Ihnen jetzt anraten, zu verschwinden und nie mehr in Tommys Nähe zu kommen. Krümmen Sie ihm auch nur ein Haar, sind Sie tot. Haben Sie das verstanden?“
Es war unglaublich, wie schnell sich Donnie von einem sanften, liebenswürdigen Menschen in einen kalten und erbarmungslosen Mann verwandeln konnte.
Mazzini starrte Donnie wütend an. Er war es sich nicht gewöhnt, so herum kommandiert zu werden, doch beim Sohn vom Boss persönlich musste man schon aufpassen, was man sagte. Einige böse Zungen behauptete, dass er besonders schiessfreudig war. Es war nicht gut, wenn man sich mit ihm anlegte.
Also winkte Mazzini seinen Männern zu und ging ohne ein weiteres Wort zu verlieren hinaus. Donnie drehte sich zu Tommy.
„Vielen Dank, Mann. Ich weiss nicht, was ich ohne dich getan hätte. Ich werde dir das nie vergessen“, sagte dieser und wollte Donnie umarmen.
Er wehrte jedoch ab. „Wir sind quitt, okay?“
Tommy nickte und sah zu Reggie. „Dein Auftritt war super. Mazzini ist richtig erblasst. Hast du es gesehen? Danke auch dir. Ich lasse euch jetzt alleine. Ich denke nicht, dass Mazzini wieder nach mir sucht.“
Er winkte Ihnen zu und rannte dann hinaus. Donnie sah zu Reggie und dann zu den Büchsen, die alle noch standen.
„Ich wette mit dir, dass du es nicht schaffst, vier Büchsen mit vier Schüssen hinunter zu schiessen“, sagte er.
Reggie grinste. „Und um was wetten wir?“ Sie wusste, dass sie es schaffen konnte, was sich aber auch bewusst, dass sie dazu noch mindestens ein Jahr lang üben musste.
Donnie überlegte kurz: „Um einen Kuss?“ Wenigstens war er fair. Es kam auf das gleiche heraus, ob sie gewann oder Donnie.
Sie nickte und hob die Waffe wieder hoch. Langsam kniff sie das linke Auge zu und peilte über den Lauf des Revolvers die Büchse an. Sie schoss und zu ihrer Verwunderung schepperte die Dose zu Boden. Grinsend sah sie Donnie an, der nur ‚Abwarten‘ meinte.
Sie schoss wieder, doch diesmal traf sie nicht. Jetzt grinste Donnie. Reggie seufzte. Sie ging zu ihm hin und küsste ihn fast überhaupt nicht auf die Wange.
Er protestierte sofort. „Das gilt nicht!“
Reggie küsste ihn auf den Mund. Er legte seine Arme um ihre Hüften und drückte sie fest an sich.
 
 

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