Leseprobe

Die Königinnen von Kungahälla

Ausschnitt aus der Novelle „Margareta Fredkulla"

Aber da saß am grünen Wegesrand ein kleiner Hirtenbube. Der war so froh wie nur irgendeiner, und er wollte der Prinzessin das Beste geben, was er hatte. So fing er an, ihr ein kleines Liebesliedlein vorzusingen, von einem König hoch oben im Norden, der sich nach der Königstochter im Morgenlande sehnte.
Und wieder saß Fredkulla stille auf dem Pferde und horchte dem Knaben, der mit hoher und klarer Stimme sang:


"Eine gibt es, die mich bindet,
Tag und Nacht an sie zu denken.
Und sie wird doch nimmer, nimmer
mir ihr Herz in Liebe schenken.
Die holde Maid im Osten
hat kriegerischen Mut;
Mathilda, Kaisertochter,
dir weih´ ich Gut und Blut.


Nichts köstlicher auf Erden
als stolz-vielliebe Fraue.
Ach, nun folgt mir mein Sehnen
wohl über Feld und Aue.
Vom Thing die Sorge reitet
still neben mir zu Pferde,
die Sorge, daß ich niemals
der Schönen Liebster werde."


© Simone Pohlink
zuletzt erneuert: 01.09.01