Die Literatur Skandinaviens Ende des 19. Jahrhunderts übte auf die Weltliteratur einen großen
Einfluß aus. Da gab es die Norweger Ibsen und Björnson, den Dänen Jacobsen
und die Schweden Strindberg und Lagerlöf.
Selma Lagerlöf gehört einer epischen Tradition an, die ihren Ausgangspunkt
in der isländischen Saga hat. Sie vereint auf magische Weise eine raffinierte
Erzähltechnik, eine ideologische Botschaft und eine für jedermann
zugängliche Einfachheit.
Das Übernatürliche und Mythische bricht sich bei ihr oft in Texten Bahn.
Zwischenmenschliche Beziehungen werden auf eine harte oder übermächtige
Probe gestellt.
Ihre Werke wurden bislang in vierzig Sprachen übersetzt und erscheinen in immer
neuen Auflagen.
Aus "Gösta Berling":
"Ihr Kinder späterer Zeiten! Ich habe euch nichts neues zu erzählen, nur das, was alt und fast vergessen ist. Nur Märchen habe ich aus der Kinderstube, wo die Kleinen auf niedrigen Schemeln und die weißhaarigen Märchenerzählerinnen saßen, vor dem Holzfeuer in der Hütte, wo Knechte und Häusler saßen und schwatzten, während der Dampf aus ihren nassen Kleidern rauchte, und sie Messer aus der Lederscheide am Halse zogen, um Butter auf dickes, weiches Brot zu streichen, oder aus Sälen, wo alte Herren in wiegenden Schaukelstühlen saßen und sprachen, und, angeregt durch den dampfenden Grog, von alten Zeiten plauderten." (Gespenstergeschichten)
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© Simone Pohlink
zuletzt erneuert: 17.07.04 |