Leseprobe
Gösta Berling
Auszug aus dem Kapitel "Alte Lieder"
Auf dem Kiesweg auf
Björne
gerade vor der Treppe lag ein großer
Stein, der zu vieler Mühe und Ärgernis war. Wagen stürzten darüber,
und Menschen fielen darüber, Mädchen, die mit schweren Milchbottichen kamen,
strauchelten und verschütteten die Milch, aber der Stein blieb doch liegen, weil
er so viele Jahre da gelegen hatte. Er hatte dort zur Zeit der Eltern des Gutsherrn
gelegen, noch lange ehe jemand daran dachte, Björne zu erbauen. Der Gutsherr
konnte nicht einsehen, warum er den Stein aus dem Wege räumen sollte.
Aber an einem der letzten Tage im August geschah es, daß zwei Mädchen,
die einen schweren Wasserkübel tragen sollten, über den Stein fielen; sie
verletzten sich arg, und der Unwille über den Stein war groß.
Das war um die Frühstückszeit. Der Gutsherr war auf seinem Morgenspaziergang,
aber da die Leute gerade auf dem Hof zwischen acht und neun Uhr zu Hause waren, stellte
Frau Gustava einige Knechte an, die den Stein ausgraben sollten. Sie kamen mit Spaten
und Hacken, gruben und mühten sich ab, und endlich bekamen sie den alten
Friedensstörer aus seinem Loch heraus. Sie trugen ihn dann auf den Hinterhof,
das war eine Arbeit für sechs Knechte.
Kaum war der Stein fort, als der Gutsherr nach Hause kam, und gleich gewahrte er die
Zerstörung. Wurde er böse! Es sei ja nicht mehr der Hof, sagte er. Wer
hatte er gewagt, den Stein fortzuschaffen? Nun, Frau Gustava hatte Order dazu gegeben.
Diese Frauenzimmer hatten auch kein Herz im Leibe. Wußte seine Frau denn nicht,
daß er den Stein liebte?
Da ging er geradewegs auf den Stein zu, hob ihn in seine Arme und trug ihn vom Hinterhof
fort über den Hofplatz wieder an den Platz, wo er gelegen hatte. Da warf er ihn
hin. Und es war ein Stein, den sechs Knechte mit Mühe hatten bewältigen
können. Diese Tat wurde in ganz Wärmland höchlich bewundert.