Leseprobe
Gösta Berling
Auszug aus dem Kapitel "Die tönernden Heiligen"
Die
Svartsjöer
Kirche ist inwendig und außen weiß, die Wände
sind weiß, die Kanzel, die Bänke, die Pulpitur, die Decke, die Fensterkreuze,
das Altartuch, alles ist weiß. In der Svartsjöer Kirche ist kein Schmuck,
da sind keine Bilder, keine Wappenschilder. Über dem Altar steht nur ein
hölzernes Kreuz mit einem weißen Leinentuch. Früher war es anders.
Da war die Decke voll von Gemälden. Da war eine Mannigfaltigkeit von bunten
Figuren aus Stein und Ton in diesem Gotteshause.
...
Aber im Kavalierjahr ließ der Graf Dohna die ganze Kirche weiß malen.
Da wurde die Deckenmalerei zerstört. Ebenso wurden die tönernen Heiligen
vernichtet.
...
Denkt euch nur, da war ein St. Olaf mit Krone und Helm, einer Axt in der Hand und
einem überwundenen Riesen unter den Füßen; da war an der Kanzel eine
Judith in rotem Mieder und blauem Rock, einem Schwert in der einen Hand und einem
Stundenglas in der anderen - an Stelle des Hauptes des assyrischen Feldherrn. Da
war eine geheimnisvolle Königin von Saba mit blauem Mieder und rotem Rock, mit
einem Gänsefuß an dem einen Bein und die Hand voll von sibyllinischen
Büchern.
...
Graf Dohna selber und seine Knechte trugen die Bilder hinab in ein Boot und versenkten
sie in die Tiefe des Löfsees.
...
Aber am nächsten Sonntag ... saß Graf Dohna im blumengeschmückten
Lehnstuhl im Chor ... die Tür tat sich auf und die alten Heiligen kamen
wieder herein in die Kirche, triefend von dem Wasser des Löfsees, beschmutzt
von grünem Schlamm und braunem Morast.
...
"Die Kavaliere"