Leseprobe

Gösta Berling

Auszug aus dem Kapitel "Die tönernden Heiligen"

Die Svartsjöer Kirche ist inwendig und außen weiß, die Wände sind weiß, die Kanzel, die Bänke, die Pulpitur, die Decke, die Fensterkreuze, das Altartuch, alles ist weiß. In der Svartsjöer Kirche ist kein Schmuck, da sind keine Bilder, keine Wappenschilder. Über dem Altar steht nur ein hölzernes Kreuz mit einem weißen Leinentuch. Früher war es anders. Da war die Decke voll von Gemälden. Da war eine Mannigfaltigkeit von bunten Figuren aus Stein und Ton in diesem Gotteshause.
Kirche in Östra Ämtervik
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Aber im Kavalierjahr ließ der Graf Dohna die ganze Kirche weiß malen. Da wurde die Deckenmalerei zerstört. Ebenso wurden die tönernen Heiligen vernichtet.
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Denkt euch nur, da war ein St. Olaf mit Krone und Helm, einer Axt in der Hand und einem überwundenen Riesen unter den Füßen; da war an der Kanzel eine Judith in rotem Mieder und blauem Rock, einem Schwert in der einen Hand und einem Stundenglas in der anderen - an Stelle des Hauptes des assyrischen Feldherrn. Da war eine geheimnisvolle Königin von Saba mit blauem Mieder und rotem Rock, mit einem Gänsefuß an dem einen Bein und die Hand voll von sibyllinischen Büchern.
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Graf Dohna selber und seine Knechte trugen die Bilder hinab in ein Boot und versenkten sie in die Tiefe des Löfsees.
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Aber am nächsten Sonntag ... saß Graf Dohna im blumengeschmückten Lehnstuhl im Chor ... die Tür tat sich auf und die alten Heiligen kamen wieder herein in die Kirche, triefend von dem Wasser des Löfsees, beschmutzt von grünem Schlamm und braunem Morast.
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"Die Kavaliere"


© Simone Pohlink
zuletzt erneuert: 01.09.01