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Als Sonderfall der vorherigen Begründungen soll diese Form der doppelten Indizierungs- ursache nur kurz anhand weniger exemplarischer Beispiele erwähnt werden. Sowohl wegen der englischsprachig gesungenen Texte von Stücken wie "St. Maria Magdalena's corridor of flashing lights" oder "Psychedelic Terrorist", als auch wegen des Cover-Photos, das in psychedelischen Violettönen eine Art surreal verfremdetes Suchbild mit einem Arrangement von Kinderspielzeug, einer Handgranate und einem Totenkopf zeigt, das um die größtenteils dadurch verdeckten, gespreizten Beine einer Frau gruppiert wurde, in deren Scham ein Glasauge steckt, wurde die LP "Child" der deutschen Rockband "Haunted Henschel" (Abb. 30) 1990 indiziert.

Cover und Stücke auf der Platte "AB 18" von der Berliner Fun-Punk-Gruppe "Die Ärzte" wurde ebenso wie ihr Tour-Poster und die Entrittskarten wegen des 'Gwendoline'-Motivs, das eine gefesselte weibliche Comic-Figur des amerikanischen Underground-Zeichners John Willie zeigt, indiziert, wobei die Abbildung auf der "Ab 18"-Platte lediglich zwei Zentimeter groß ist. Als weiterer Grund darf der Abdruck der Texte und einiger faksimilisierter Auszüge von BPS-Briefen auf der Innenhülle angenommen werden. Denn außerdem können auch Beilagen indiziert werden und zunächst zu einer Verbannung des gesamten Produktes führen. Um dies zu vermeiden, müssen die Hersteller und Händler die beanstandeten Teile entfernen.

So fehlt seit der Indizierung 1986 das Poster "Penis Landscape" (Abb. 31) von H. R. Giger als Beigabe der LP "Frankenchrist" der US-Punk-Band "The Dead Kennedys", auf das ich später noch zurückkommen werde, oder seit 1990 die Beilage "Die Form - Archives & Doküments" [sic!]. Da die hier erwähnten Produkte vorzugsweise auf eine jüngere Klientel abzielen und auf die Werbung und den freien Verkauf angewiesen sind, kommt das Jugendverbot der BPS in den meisten Fällen einem Totalverbot gleich, nicht zuletzt, da auch die Hersteller und Händler sie zur Risikovermeidung aus ihrem Programm nehmen. Bei 10 Tonträgern bilden sowohl Text als auch das Cover-Motiv zusammen den Indizierungsgrund (Stand: August 1997). 7.5.2 Gerichtliche Totalverbote: Einem gerichtlichen Totalverbot nach § 131 unterliegen in Deutschland im Herbst 1997 meines Wissens acht Tonträger.

Die umfassendsten Indizierungs- und Verbotsmaßnahmen konzentrieren sich auf folgende drei Werke: die LP "Der nette Mann" der - zumindest seinerzeit - der rechtsradikalen Szene zuzurechnenden Band "Die Böhsen Onkelz" (am 30.6. 1986 indiziert, am 5.12.1986 durch das AG Brühl beschlagnahmt, am 22.4.1987 durch das LG Köln bestätigt und am 6.5.1993 vom AG Schwäbisch Hall als CD eingezogen), die LP/CD "Butchered at birth" der US-Death-Metal-Combo "Cannibal Corpse" und "I wanna make Love to Steffi Graf" der Comedy-Band "Die Angefahrenen Schulkinder". Das Album "Der nette Mann" gilt in entsprechenden Fachkreisen "als das bedeutendste in der deutschen Skinheadszene" (FARIN/SEIDEL-PIELEN 1993, S. 86). Insbesondere der Titelsong ihres Debutalbums, in dem es u.a. heißt: "Kleine Kinder habe ich gern zerstückelt und in Scheiben, warmes Fleisch, egal von wem, ich will's mit allen treiben, ob Tiere oder Menschen, ich seh' gern alles leiden, blutverschmiert und mit großer Lust wühl ich in Eingeweiden" (zit. nach DIES., S. 88) führte nicht nur zur Indizierung, sondern zum ersten bundesweiten Totalverbot einer Schallplatte in der Bundesrepublik. Auch die Wieder-veröffentlichung von dessen wegen gewaltverherrlichender Texte verbotenen Erstlingswerks der "Böhsen Onkelz" auf CD (inkl.

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Vgl. Der SPIEGEL 46/93, S. 278f. 1996 untersagte das LG Göttingen hingegen einer Zeitschrift die polemische Berichterstattung über die braune Vergangenheit der Band als Schmähkritik; vgl. NJW 1996, S. 1138ff. Aktuell wurden zwei CDs der dänischen Nazi-Bands "Open Seasons" und "A.d.F." verboten. Vgl. dort auch die Indizierungsbegründung vom 15.8.1986, wo es u.a. heißt: "Dieses Lied stellt nicht nur Grausamkeiten dar, es predigt auch eine gefühllose Gesinnung gegenüber kleinen Kindern [...] Es ist zu befürchten, daß sich insbesondere junge Leute durch das Rezipieren dieses Liedes zu Gewalttätigkeiten hinreißen lassen [...] Die Lieder der vorliegenden Schallplatte sind für die pluralistische Gesellschaft ohne jede Bedeutung. Weder die Stilrichtung der Musik, noch die Inhalte der Texte sind so bedeutsam bzw. von derart hohem künstlerischem Gewicht, daß sie der Kunst dienen würden."