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Zephyr 750
Aus: Kawasaki Historie Modelle Technik 1961 bis 1991 von Nitschke
/ Barke erschienen im Motorbuchverlag
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Auf der '90er Ausgabe der Kölner IFMA, der größten Zweiradmesse
der Welt, bildeten sich riesige Menschen-Trauben um ein Motorrad,
das auf den ersten Blick wie ein Relikt aus längst vergangenen Motorradzeiten
wirkte - die Kawasaki 750 Zephyr. Und die frappierende Ähnlichkeit
der neuen Maschine mit der legendären 900 Z 1 war ganz sicher kein
Zufall, sondern pure Absicht.
So antiquiert die große Zephyr auf den ersten Blick auch erscheinen
mochte - tatsächlich war an ihr fast alles neu. Fast - denn der Motor
hatte schon 1976 in der Z 650 seine Premiere gefeiert. Schon damals
machte der luftgekühlte Reihenvierzylinder selbst hubraumstärkerer
Konkurrenz mächtig Beine. Im Laufe seiner Karriere mauserte sich der
650er zu einem etwas kleingeratenen 750er - auch die Zephyr verfügt
> nur« über echte 739 Kubik - und trieb zuletzt die GPZ 750 von 1982
an. In dieser bislang letzten Version leistete der Reihenvierer 87
PS.
Doch da die Zephyr sowieso kein sonderlich sportliches Motorrad werden
sollte, legte Kawasaki bei der fälligen Überarbeitung des Triebwerks
- inzwischen galten ja neue Abgas- und Geräuschvorschriften - vor
allem Wert auf eine kraftvolle Leistungsentfaltung im unteren und
mittleren Drehzahlbereich. Mit Hilfe modernerer Vergaser, neuer Nockenwellen
und einer ebenfalls neuen Auspuffanlage stimmten die Kawa-Techniker
den Vierzylinder auf satten Durchzug ab. Die Nennleistung von 72 PS
lag nun bei 9.500, das maximale Drehmoment von 59 Nm schon bei 7.300
Touren an. Als letzte Neuerung verbaute man eine leistungsfähige Elektronikzündung.
Ansonsten blieb das als zuverlässig bekannte Triebwerk unverändert.
Alles beim alten also. Und das galt auch für das Startverhalten des
Vierzylinders. Trotz des mittlerweile an das linke Lenkerende verlegten
und somit gut dosierbaren Chokes drehte das Triebwerk beim Kaltstart
immer noch ungebührlich hoch. Begeistern konnte die Leistungsentfaltung
des Zephyr-Triebwerks: Bereits ab 2.500 Umdrehungen zog der 750er
wie der vielzitierte Traktor, leistete sich über den ganzen Drehzahlbereich
hinweg keine Schwäche und trieb die immerhin 217 Kilo schwere Maschine
zu der beachtlichen Höchstgeschwindigkeit von 203 km/h.
Rund 6,5 Liter Normalbenzin verbrauchte die 750er Zephyr im Schnitt
pro 100 Kilometer, nur selten bei Vollgas auf der Autobahn zum Beispiel
- genehmigte sie sich schon mal acht Liter. Der Vorrat im 17-Liter-Tank
reichte für rund 250 Kilometer entspanntes Fahrvergnügen.
Ein klassischer Doppelschleifenrahmen aus rundem Stahlrohr, eine normale
U-Schwinge, zwei einzelne Federbeine hinten, eine Telegabel ohne Verstellmöglichkeiten
- nostalgischer kann ein Fahrgestell kaum sein. Und dennoch - das
Chassis der 750er war eine komplette Neukonstruktion und hatte mit
seinen Ahnen in der Z 650 nur die Optik gemein. Schon ein Blick auf
die aufwendig verstrebte Steuerkopfpartie, auf die solide Aluminium-Rechteckschwinge,
die dicke 41-mm-Telegabel, die breiten Dreispeichen-Gußräder zeigte
den Fortschritt auf, den die Fahrwerkstechnik seit 1970 gemacht hatte.
So konnte denn auch das Fahrverhalten der 750er Zephyr absolut überzeugen.
Lediglich die weiche Telegabel-Abstimmung stieß bei den Testredakteuren
der Fachzeitschrift > Motorradfahrer« auf Kritik. Die beiden konventionellen
Federbeine hingegen funktionierten sogar besser als manches hochgelobte
Hebelsystem. Mit Hilfe des breiten Lenkers ließ sich die Zephyr recht
locker um die Ecken treiben. Nur bei sehr hohem Tempo oder in ganz
engen Kurven forderte die breite Bereifung - vorn 120/70-17, hinten
150/70-17 - ihren Tribut: Die Maschine wurde ein bißchen schwerfällig.
Dafür entschädigt sie mit einem Sitzkomfort, von dem die Eigner vieler
Motorräder dieses Jahrgangs nur träumen konnten. Fahrer und Sozius
saßen betont aufrecht, die Sitzbank war nur leicht gestuft und straff,
aber sehr bequem gepolstert.
Die Zephyr-Modelle dürfen ruhig als Beweis für die Behauptung herhalten,
dass vernünftige Motorräder auch im Zeitalter techniküberladener Superbikes
nicht ohne Ausstrahlung sein müssen. Das Gegenteil ist der Fall.
Aus: Kawasaki Historie Modelle Technik 1961 bis 1991 von Nitschke
/ Barke erschienen im Motorbuchverlag |
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