Lehnswesen bzw. Feudalismus (engl.: feudalisms, frz.: feodalite) hat nach Ansicht der Historiker heute zwei Bedeutungen für die Gesellschaftsform in West-Europa im 10., 11. und 12. Jahrhundert.
Gesellschaftsform mit
1.
stark ausgeprägten Abhängigkeitsverhältnissen zwischen den einzelnen
Gesellschaftsschichten,
einer spezialisierten Kriegerkaste,
äusserster Zerstückelung der Eigentumsrechte,
einer aus dieser Zerstückelung hervorgegangene Hierarchie der Grundbesitzrechte, die
der.. Hierarchie der persönlichen Abhängigkeitsverhältnisse entspricht,
und
2.
einer Aufspaltung der öffentlichen Gewalt, aus der.. eine Hierarchie autonomer Instanzen
hervorgeht, die im eigenen Interesse jene Gewalten ausüben, die normalerweise
dem Staat zugeordnet sind und oft aus dem Machtbereich des Staates einer vorangegangenen
Zeit stammen.
(Lehnswesen, frz.: feodalite).
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Bei der ersten Umschreibung wird das Lehnswesen in seiner allgemeinen politischen und sozialen Wirkung betrachtet (Lehnswesen, frz.: feodalite);
während die letzte Umschreibung das Lehnswesen viel enger und mehr in seiner technischen, juristischen Bedeutung erfasst (Lehnsordnung, frz.: regime feodal).
Lehnsordnung (frz.: regime feodal)
Die Lehnsordnung umfasst alle Einrichtungen und Regeln, die zwischen einem Freien, genannt "Vasall" (frz.: vassal), und einem anderen Freien, genannt "Herr" (frz. seigneur), Verbindlichkeiten zweierlei Art schaffen und regeln: der "Vasall" ist dem "Herrn" gegenüber zu Gehorsam und Dienst (vor allem Waffendienst) verpflichtet, und der "Herr" ist dem "Vasallen" gegenüber zur Gewährung von Schutz und Unterhalt verpflichtet, letzteres meistens durch die Verleihung eines Gutes, "Lehen" genannt (frz.: fief).
In Deutschland versuchte Friedrich Barbarossa, den Staat auf lehnrechtlicher Grundlage zu reorganisieren. Gelegenheit dazu bot ihm.. 1180 die Verurteilung des Welfen Heinrich der Löwe ..zum Verlust seiner Reichslehen, weil er.. gegen seine Vasallenpflichten verstossen hatte.
Adelige und Ritter bildeten als stehendes Heer im Mittelalter eine wichtige Stütze des Staates und gelangten als solche Ansehen, Macht und Grundvermögen. Letzteres wurde ihnen leihweise - als Lehen - für ihre Dienste überlassen, wurde aber durch jahrhundertelange Nutznießung allmählich zu privatem eigentum.
Wie die Fürsten, die ihre Länder immer mehr aus der Bindung an Kaiser und Reich gelöst hatten, strebeten auch Ritter und Adel danach, sich zu Minipotentaten zu machen. Sie nutzten z.B. den Lüneburger Erbfolgekrieg im 14.Jahrhundert tdazu und erreichjten nahezu durch ihre Ritterbünde die Gleichstellung mit den Fürsten.
Sie nutzten das Fehderecht, um ihre Unabhängigkeit und Macht zu vergrössern und sich zu bereichern auf Kosten der unteren Standes insbesondere der Landbevölkerung:
"Schlägst du meinen Bauern, schlag ich deinen Bauern".
Als die Herzöge wieder die Macht im Staate rückgewannen, versuchten sie, die inzwischen eingeführten Vorrechte des Adels zu beschneiden und Verwaltung und Rechtsprechung wieder ganz in ihre Hände zu bekommen.
So kam es zu Plänkeleien der Ämter mit dem Adel; beide Seiten nutzten die Bauern dafür aus.
noch: Gogräfe + Link dahin
(HHz Heimatseite)
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