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ARCHÄOLOGISCH-KUNSTHISTORISCHE UNTERSUCHUNGEN IN DER PFARRKIRCHE ST. MARTIN IN ATTERSEE/OBERÖSTERREICH.

Von RUDOLF KOCH. Wien


I. EINLEITUNG

2. FORSCHUNGSLAGE

3. BESCHREIBUNG DER BESTEHENDEN KIRCHE

4. BEFUNDE

4.1. DAS ROMANISCHE CHORQUADRAT (ST. MARTIN I)

4.2. DER SPÄTGOTISCHE POLYGONCHOR

4.3. DER GOTISCHE ALTARSOCKEL

5. FUNDE

5.1. DAS CHRISTOPHORUS-FRESKO DES "WEICHEN STILS"

5.2. DER RENAISSANCE-BUCHEINBAND

6. ANMERKUNG ZU DEN BESTATTUNGEN

Hochmittelalterliche Bestattungen östlich des romanischen Chorquadrats

Der Großteil der Bestattungen lag außerhalb des romanischen Chorquadrates und unter dem gotischen Estrich. Daraus ergibt sich eine Datierung zwischen dem 12. Jahrhundert und der 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts. Die Toten wurden ohne Särge beerdigt, wobei die älteren Bestattungen parallel zur Chorostmauer lagen. Bestattung 2 befand sich mit dem Kopf in Südwestlage (= Kirchen-Süd).

Hochmittelalterliche Bestattung, rechts neben dem Becken Reste des Fötus

Im Beckenbereich der weiblichen Toten konnten die Reste eines Fötus im 6. Fetalmonat konstatiert werden 21). Bestattung 14 war nach Kirchen-Nord orientiert, im Bereich der unteren Extremitäten fanden sich sechs Beinringe von rund 5 mm Durchmesser in Streulage, wahrscheinlich Reste des einfachen Schmuckes der etwa 25jährigen Frau. Beide Bestattungen wurden vom gotischen Altarsockel überbaut.

Die höherliegenden, jüngeren Gräber richtete man nach der Kirchenachse aus, der Kopf der Bestatteten befand sich jeweils im Westen. Bestattung 6 hatte beiderseits des Kopfes Beinringe, obwohl es sich nach dem anthropologischen Befund um ein männliches Individuum handelte 22).

Im Inneren des Chorquadrates konnte an der Südmauer das bereits erwähnte Grab II aufgefunden werden, in der Kirchenachse lag vor dem Triumphbogen die Sargbestattung eines etwa 5 bis 6jährigen Kindes (Grab I) mit einer Gewandhaftel im Brustbereich und südlich davon die Sargbestattung von Grab IV. Diese Bestattungen dürften einem einheitlichen Zeithorizont angehören und stören mit ihren Grabschächten den teilweise noch erhaltenen gotischen Estrich. Durch die Fundumstände im Grab II können sie in die Reformationszeit datiert werden. Weiters sprechen die kistenförmigen Särge für diese Zeit, da im 18. Jahrhundert die noch heute üblichen trapezförmigen Särge Verwendung finden. Auch die ab der Gegenreformation üblichen Rosenkränze als Grabbeigaben fehlen.


Inhalt | Zusammenfassung


Letzte Aktualisierung 22.06.00