[ Geschichte ]

Anfang des 16. Jahrhunderts wurde La Réunion von den Europäern entdeckt. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass bereits schon früher die Insel von den Arabern ausfindig gemacht wurde. Die europäischen Kolonisatoren interessierten sich aber erst Mitte des 17. Jahrhunderts für das Eiland. Im Jahre 1642 nimmt ein Schiff der von Cardinal Richelieu gegründeten Compagnie Francaise de l`Orient offiziell von der Insel Besitz: die Flagge wird an der Stelle gehißt, sie seither La Possession heißt.

Im Jahr 1646 empfäng die Insel dann ihre ersten Siedler, zwölf exilierte Rebellen aus Fort Dauphin. Ein paradiseischer Aufenthalt für diese "Sträflinge", die sich darüber freuen können, ein gesundes Klima, fischreiche Flüsse und leicht zu fangendes Wild vorzufinden.

Zwei Jahre später lassen sich zwanzig Freiwillige, unter der Führung von Etienne Regnault, dem ersten offiziellen "Kommandanten" von Bourbon, dort nieder. Dieses Mal wird die Kolonisation gut eingefädelt. Die Kolonisatoren kommen aus Europa, aber auch aus Madagaskar und aus Indien. Man fängt an zu roden, lebt von der Obstemte und der Jagd und sorgt für Nachkommen.

Im Laufe der Jahre wird die Insel ein Versorgungsstützpunkt für vorbeifahrende Schiffe. Die Urbarmachung des Landes und die Rodungen entwickeln sich zugunsten des Kaffee- und Gwürzanbaus. Gleichzeitig beginnt man, Zwangsarbeiter auf die Insel zu holen.

1794 wird aus der Insel namens Bourbon La Reunion. Im Laufe der folgenden Jahre trägt sie dann die Namen Bonaparte, Bourbon und ab 1848 wieder und diesmal endgültig den Namen La Reunion.

Gleich nach der Proklamahon der provisorischen republikanischen Regierung unterzeichnen Arago, Lamartine und ihre Freunde unter dem Druck von Victor Schoelcher das Dekret zur Abschaffung der Sklaverei.

Seinen Erfolg verdankt dieses Untemehmen der Persönlichkeit des auf die Insel entsandten Kommissars der Republik, Sarda Garriga.

Die Abschaffung der Sklaverei hätte der Beginn einer großen sozialen und wirtschatdichen Revolution sein können. Das ist aber nicht der Fall. Die Siedler kompensieren die Einbuße an Arbeitskräften durch einen massiven Import von "Freiwilligen" und aus freien Stücken immigrierten Arbeitern aus verschiedenen Regionen Indiens und aus China.

Innerhalb von hundert Jahren, von 1848 bis 1946, verändert Reunion nur zögemd sein Gesicht. Der Zustrom vieler Menschen führt zu einer Umschichtung des sozialen Gefüges. Die Städte wachsen und werden bunter; man gewinnt den Eindruck, daß sich im Umland nichts wirklich verändert hat.Nur in den Städten bewegt sich etwas - zumindest in Saint-Denis. Mit den Jahren werden die Straßen gepflastert, später asphaltiert. Automobile lösen die Kaleschen ab.

Im Jahre 1882 leistet sich die Insel eine Schmalspur-Eisenbahn, die Saint-Pierre über Saint-Denis mit Saint-Benoit verbindet. Nach dem Zweiten Weltkrieg schließlich wird die Bahn vom Auto ihrer Vormachtstellung beraubt.

Zögerlich ist auch die konjunkturelle Entwicklung: Das beruht darauf, daß die Insel ihren Wohlstand von jeher auf die Monokultur des Zuckerrohrs gegründet hat. Der Weltpreis für Zuckerrohr sinkt jedoch in dem Maße, in dem in Europa der Anbau der Zuckerrübe an Bedeutung gewinnt.

Der Anbau von Vanille und Geranien bleibt ein Spekulationsobjekt. Die Pflanzen sind für den Außenhandelsmarkt bestimmt und unterliegen daher Fluktuationen.

Dies alles verursacht eine langanhaltenden Krise, die in breiten Schichten der Bevölkerung zu Verarmung führf, die als umso grausamer empfunden wird, da sie in krassem Gegensatz zum Reichtum der Großgrundbesitzer steht.

Zwischen den Weltkriegen kommt es dank der Bemühungen mächtiger Landwirfschaftsgesellschaften zu einem Aufschwung. 1945 aber kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, daß Reunion eine aufgegebene Kolonie ist - zu zahlreich und zu schlecht emährftist die Inselbevölkerung ...

Ein Anzeichen dafür: Als im November 1942 der "Leopard" der Freien Französischen Streitkräfte die Insel nach zwei Blockadejahren befreit, erstickt sie in Zucker, befindet sich andererseits aber am Rande einer Hungersnot.

Fast einstimmig wird politisch eine Änderung beschlossen: Die Insel wird am 19. März 1946 in ein Departement umgewandelt.

Das Ergebnis läßt nicht lange auf sich warten: Ein Präfekt ersetzt den bisherigen Gouverneur, und vielfältige "Departements-Direktionen" lassen eine wachsende Zahl von Beamten auf die Insel strömen. Parallel dazu werden wichtige Arbeiten hinsichtlich der Infrastruktur in Angriff genommen. Kurz: Man versucht, aus der vergessenen Kolonie ein Departement zu machen, das mit anderen vergleichbar ist.

Heute präsentiert sich Reunion als moderne Insel im Indischen Ozean.

[Entdeckung]
[Sklaverei]
[Zuckerrohr]
[Vergessene Kolonie]
[Dèpartement d`outre-mer]

[Réunion-Menü]-[Allgemeines]-[Verlauf/Route]-[Anreise]-[Saint-Denis & der Norden]-[Westen]-[Süden]-[Osten]-[Cirques]-[Vulkane]-[Geschichte]-[Klima]-[Tourismus]