Der Name Gundelwald scheint auf die selbe Wortwurzel zurückzugehen wie das Abagund, worum es sich dabei aber handeln mag, ist unbekannt. Die Bauern, Schäfer und Torfstecher aus Haagen allerdings erzählen, daß er auf eine Hexe zurückgeht, die vor zweihundert Jahren dort gehaust haben soll, Gundela Winterfeh mit Namen, die eine Vorfahrin der "Muhme" gewesen sein soll. Demnach wäre der Name also in etwa gleichbedeutend mit "Hexenwald" - da man sich aber vom Farindelwald eine ganz ähnliche Geschichte erzählt, muß man wohl davon ausgehen, daß hier eine alte Legende übertragen wurde.
Der Wald selbst durchmißt überall mindestens dreißig Meilen, an anderen Stellen gar über vierzig. Er reicht im Süden beinahe bis an den Großen Fluß und zieht sich von dort über die schroffen Hügel des Abagunds hinauf bis zur Gerspitze, der höchsten Erhebung Drausteins. Zwei Bäche verlassen den Wald auf Drausteiner Seite: die Wenge, allerdings als dünnes Rinnsal, und die Orkra, die schon ein recht ansehnliches Flüßchen ist, da wo sie in der Nähe der Stadt Draustein hervortritt. Die Crume, die auch im Gundelwald entspringt gehört bereits zum Lehen Crumold, zu dem sie auch die Grenze markiert.
Über den Verlauf der drei Flüsse innerhalb des Waldes ist wenig bekannt.
Zwar scheint es durchaus möglich, den Wald zu betreten -der alte Drausteiner
Kräuterhändler Josch tut dies jede Woche- jedoch wagt sich niemand tiefer
hinein, zu sehr fürchtet man die alten Geschichten von Waldschraten, Hexen,
Druiden, Orks und Raubrittern.
Ein mehr als 300 Jahre alter Erlaß des Barons verbietet jedenfalls das
Holzschlagen im Gundelwald, und auch den Rittern und Edlen ist dort nur
Falkenjagd erlaubt, was in einem solch dichten Gehölz nun doch etwas
schwierig erscheint.
Am Ostrand des Waldes findet man den legendären "Klobenstein", einen nahezu runden Felsblock von etwa fünfzehn Schritt Durchmesser, der wie von einem riesenhaften Axthieb in zwei Hälften gespalten ist, so daß ein Mensch zwischen den senkrechten Wänden hindurchgehen kann. Nicht weit davon liegt die sogenannte "Klobenstein-Klause", eine verfallene Einsiedlerhütte, die der Volksmund auch "Thorns Kate" nennt. Beide diese geheimnisvollen Orte sind natürlich von fantasievollen Geschichten umrankt.
"Fürderhin ist es es also dem gemeinen, freien Landmanne gestattet, im Gebiet des Waldes Kräuter, Schwammen und Bruchholz zu sammeln und zu klauben, nicht aber Hand an einen wachsend Baum zu legen, Feuer zu machen oder dort zu nächtigen. Herr und Dame von Stand mögen dortselbst Jagd machen mit dem Falken, wie es dem von Praios erwählten geziemt, doch mögen sie außer der Beize keine Art von Jagd treiben in jenem Forst, so wenig als wie der Baron allselbst." (Baron Marbodan Stepahan von Draustein, "Gundelwalderlaß", 321 v.Hal)