....by Erich Kassing  

DIE SCHLACHT UM VERDUN - EIN BEITRAG ZUR MILITÄRGESCHICHTE DES ERSTEN WELTKRIEGES 1914 - 1918  

Verdun > Kampfhandlungen > 1917 - Das lange Jahr

                  

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DIE SCHLACHT UM VERDUN 
KAMPFHANDLUNGEN
1917 - DAS LANGE JAHR
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Deutsche Soldaten beim Handgranatenwurf, 1917

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.Deutsche Gasmaske GM 17

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Nach der erbitterten Zermürbungsschlacht um Verdun wurde es ab 1917 an diesem Frontabschnitt ruhiger. Es gab zwar noch einige kleinere Auseinandersetzungen, Vorstöße und Begradigungen eigener Positionen, doch blieb die Lage stabil.

Auf dem östlichen Maas-Ufer versuchten im Frühjahr 1917 die Deutschen mittels mehr oder weniger großer Unternehmungen strategisch wichtige Vaux-Kreuz-Höhe, 1916 Positionen wieder einzunehmen, die sie Ende 1916 an die Franzosen verloren hatten. So starteten die 28. Infanterie-Division, die 7. Reserve-Division und die 10. Ersatz-Division am 4. März einen Angriff auf den Raum zwischen dem Bois de Fosses und den französischen Stellungen südlich des Dorfes Ornes, wobei die Vaux-Kreuz-Höhe wieder zurückerobert wurde. Ein Stoßtrupp erreichte am 11. März sogar die Brûle-Schlucht und machte Gefangene. 

Auf Grund der ungünstigen Frontlinie nahmen die Deutschen ihre Stellungen auf die Kuppe der Côte 344 zurück, die einen sehr günstigen  Beobachtungspunkt bot: Zum Schutz der Soldaten gegen das massive Toter Mann, Rabenwald, 1917 französische Artilleriefeuer bauten deutsche Pioniere sechs große Stollenkasernen in den Hügel.

Ende Juni 1917 kam es auf dem westlichen Maas-Ufer zu neuen heftigen Kämpfen. Zwischen dem Avocourt-Wald und der Côte 304 stießen deutsche Truppen. Schließlich konnten am 1. August die französischen Stellungen erobert werden. Doch führten ab dem 20. August starke französische Artillerie- und Gasangriffe zur endgültigen deutschen Räumung der Höhe 304 und des Toten Mannes. In der Nacht auf den 22. August zogen sich die restlichen deutschen Truppen auf die Linie jenseits des Forges-Baches zurück. Im Zuge ihres schweren Angriffes konnten die französischen Sturmtruppen bis zum Dorf Béthincourt vordringen. Die Deutschen mußten außerdem die Dörfer Cumières, Champneuville und Champ räumen.

Auf dem östlichen Ufer fielen das Dorf Samogneux, die Côte de Talou, die Höhe Vaux-Kreuz, Teile des Fosses-Waldes und des Chaume-Waldes den Franzosen zu. Kleinere deutsche und französische Vorstöße lösten sich ab.

Ende August 1917 zog sich die deutsche Frontlinie auf dem westlichen Maasufer vorbei an Gallwitz-Tunnel nach der französischen Einnahme, 1917den nördlichen Ausläufern der Côte 304 und des Mort-Homme (Toter Mann), weiter nördlich entlang des Forges-Baches hinüber zum östlichen Ufer nach Beaumont, durch den Fosses- und Chaumewald und die Ornes-Schlucht westlich des Ruinendorfes Ornes.

Im Zuge einer Änderung ihrer Taktik (Tiefzonentaktik statt Linientaktik) unternahmen die deutschen Truppen, besonders auf dem östlichen Maasufer, wiederholt enorme Anstrengungen das verlorene Gelände zurückzuerobern. So wurde am 29. Oktober von der Garde-Ersatz-Division die Vaux-Kreuz-Höhe wieder besetzt. Südliche Teile des Chaume-Waldes wurden am 9. November genommen. Deutsche Anstrengungen, die wichtige Kuppe der Höhe 344 wiederzugewinnen, gab es ebenfalls. Schließlich mußte die deutsche Frontlinie auf die alten Stellungen nahe des Dorfes Brabant zurückgenommen werden.

Die französische fortschrittliche ARS Gasmaske mit Dichtrahmen und Ventilatmung, 1917Bis zum Herbst des Krisenjahres 1917 gab es bei Verdun Kämpfe in wechselnder Stärke und unterschiedlichen Einsätzen. Die Franzosen konnten durch Vorverlegung ihrer Verteidigungslinie die Festungsstadt endgültig sichern. Verdun blieb jedoch ein zweitrangiger Frontabschnitt: Von der Höhe Toter Mann bis in die Woevre-Ebene herrschte Ende des Jahres Totenstille in den Schützengräben.
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VERDUN-CHRONIK 1917

28./29.06.

Die Deutschen erobern die Höhe 304 vollständig.

17.07.

Die Franzosen erkämpfen den Pommerieux-Sattel zurück.

20.-22.08.

Die Höhen 304 und "Toter Mann" werden von den Franzosen endgültig zurückerobert.

12.10.

General Nivelle wird Oberbefehlshaber der französischen Armee von Verdun.
Quellen und Literatur:
  • Ettighoffer, Paul: VERDUN. Das große Gericht, München 1992. 
  • Fischer, Kurt/Klink, Stephan: Spurensuche bei Verdun, Bonn  2000.  
  • Keegan, John: Der Erste Weltkrieg. Eine europäische Tragödie, Reinbek bei Hamburg 2000.  
  • Werth, German: Verdun. Die Schlacht und der Mythos, Bergisch Gladbach 1979.

Weiterführende Literatur:
  • Beil, Christine u.a.: Der Erste Weltkrieg, Berlin 2004.
  • Berghahn, Volker: Der Erste Weltkrieg, München 2003.
  • Falkenhayn, Erich von: Die Oberste Heeresleitung 1914-1916 in ihren wichtigsten Entschließungen, Berlin 1920.
  • Ferguson, Niall: Der falsche Krieg. Der Erste Weltkrieg und das 20. Jahrhundert, München 2002.
  • Fischer, Fritz: Griff nach der Weltmacht. Die Kriegspolitik des kaiserlichen Deutschland 1914/ 18, Düsseldorf 1977 (Nachdruck von 1967).
  • Fromkin, David: Europas letzter Sommer, München 2005.
  • Hirschfeld, Gerhard u.a. (Hg.): Enzyklopädie Erster Weltkrieg, Paderborn 2003.
  • Tuchmann, Barbara: Aufgust 1914, Taschenbuch, Ffm. 2001.
  • Wehler, Hans-Ulrich: Das Deutsche Kaiserreich 1871-1918, Göttingen 1983.
Das Schlachtfeld vor Verdun, 1918weiter mit Kriegsverlauf:

Letzte Kämpfe

Mitte August 1918 drängten amerikanische Truppen die Deutschen aus Verdun zurück, denn ihre Kampfmoral befand sich in einer großen Krise. Die Stimmung war bedrückt, Urlaub gab es nicht, die Strapazen nahmen weiter zu. Die Oberste Heeresleitung bekannte sich zur Niederlage der deutschen Armee. Am 11. November 1918 Waffenstillstand. Der Krieg war zu Ende!

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