by Erich Kassing  

DIE SCHLACHT UM VERDUN - EIN BEITRAG ZUR MILITÄRGESCHICHTE DES ERSTEN WELTKRIEGES 1914 - 1918

Verdun > Gedenken und Bewahren

                  

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DIE SCHLACHT UM VERDUN 
GEDENKEN UND BEWAHREN
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Schon während des Ersten Weltkrieges wurde die Gestaltung der Soldatenfried- höfe gesetzlich geregelt: Zuständig für die Anlagen waren die  Etappeninspek- tionen. Nach dem Krieg gründete man in Deutschland auf Grund der geringen finanziellen Mittel den Verein Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge e.V. 

Friedhof Lissey, 2003

Friedhof Azannes II, 2003

Das Bedürfnis, die Orte der Schlacht und des Schreckens zu sehen, führten zum Schlachtfeldtourismus. 

Mit dem Ersten Weltkrieg begann auch die Musealisierung. Beutestücke des Gegners wurden in Berlin oder Paris ausgestellt. Nach dem Krieg bot man Gruppenreisen nach Verdun und zahlreiche Führer über die Gedenkstätten an. Die Erinnerung an die Schlacht wurde von Verbänden und Vereinen gepflegt. Ehren- und Verdienstzeichen wurden gestiftet. Konterkariert wurde dies durch das 1925 von Ernst Friedrich gegründete Antikriegsmuseum in Berlin.

Friedhof Brieulles-sur-Meuse, 2003

Neben jenen Kriegerdenkmälern aus der Kriegszeit und Nachkriegszeit des Ersten Weltkrieges existieren heute in der Gegend um Verdun 74  Kriegsgräber- stätten: 43 französische mit 80.726 identifizierten Gefallenen, 29 deutsche mit 54.845 Gefallenen und 2 amerikanische mit 18.329 identifizierten Gefallenen. Außerdem ruhen im Beinhaus von Douaumont die nicht identifizierbaren Gebeine von über 130.000 unbekannten französischen und deutschen Soldaten.

Memorial de Verdun 1914-1918, 2003

Das Beinhaus von Douaumont, 2003

Die meisten der vor Verdun liegenden Friedhöfe sind schon während des  Ersten Weltkrieges entstanden. Zumeist wurden diese Stätten von Sanitätseinheiten angelegt, um die in den Lazaretten verstorbenen Soldaten vor Ort begraben zu können. In der Regel wurden die gefallenen Soldaten in Einzelgräbern oder Gräberfeldern auf dem Schlachtfeld bestattet. Das Grab galt als Beleg für eine nationale Gesinnung. 

Gedenkbild für Hand Staiger, gefallen am 3. Oktober 1917 auf der Höhe 344 vor Verdun.

Gedenkbild für Georg Sachseder, im Alter von 27 Jahren am 11. Juli 1916 vor Verdun gefallen.

Die zum Totengedenken und zur Trauer der vor Verdun kämpfenden Truppenteilen errichteten Denkmäler waren ein Teil der nationalen Tradition jener Zeit. In der Regel wurden die Gedenkstätten als christliches oder Eisernes Kreuz oder in klassistischer Form gestaltet. Die Gefallenen wurden dabei zu Helden verklärt und damit überhöht; zudem der Tod auf dem Schlachtfeld idealisiert. Der Totenkult war eine Reaktion auf das Massensterben an den Fronten.

Im Vordergrund des Gedenkens standen Ehrfurcht und Nationalstolz. Die Errichtung von Denkmälern zu Ehren der auf dem Schlachtfeld Getöteten, die Mehrzahl der Toten wurde im Frontbereich oder Etappengebiet begraben, erleichterte aber auch den Hinterbliebenen, den tiefen Schmerz zu ertragen.

Zum Gedenken an den 90. Jahrestag des Beginns der Schlacht um Verdun

Zum Gedenken an den 90. Jahrestag des Beginns der Schlacht um Verdun

Nach dem Krieg fanden zahlreiche Um- und Zubettungen statt. Auf einigen der später neu gestalteten und heute gut gepflegten Gräberstätten findet man in Nähe der Umfriedungshecken und -zäune noch alte individuell gestaltete Grabsteine aus der Kriegs- und Nachkriegszeit. Der Anblick einer solchen schlichten Kriegsgräberstätte stimmt den Betrachter doch sehr nachdenklich. Die endlosen Reihen von Kreuzen mahnen eindringlich zur Verständigung zwischen den Völkern.

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Quellen und Literatur:
  • - Deutsches Historisches Museum (Hg.): Der Weltkrieg 1914-1918. Ereignis und Erinnerung, hg. von Rainer Rother, Berlin 2004.
  • - Klink, Stephan: Die deutschen Soldatenfriedhöfe im Raum Verdun und die Rolle der Sanitätseinheiten zu deren Entstehung, Mscr., Ffm. 1996.

Weiterführende Literatur:  

  • - Koselleck, Reinhard: Die Transformation der politischen Totenmale im 20. Jahrhundert, in: Transit 22 (2001/ 2002).
  • - Koselleck, Reinhard: Kriegerdenkmale als Identitätsstiftungen der Überlebenden, in: Marquard, Odo/ Stierle, Karlheinz (Hg.): Identität, München 1979.
  • - Koselleck, Reinhard/ Jeismann, Michael (Hg.): Der politische Totenkult. Kriegerdenkmäler in der Moderne, München 1994. 
  • - Koselleck, Reinhard: Zur politischen Ikonologie des gewaltsamen Todes, Basel 1998. 
  • - Mosse, George L.: Soldatenfriedhöfe und nationale Wiedergeburt. Der Gefallenenkult in Deutschland, in: Kriegserlebnis. Der Erste Weltkrieg in der literarischen Gestaltung und symbolischen Deutung der Nationen, hg. v. Klaus Vondung, Göttingen 1980.
  • - Muthesius, Hermann: Kommende Krieger-Denkmäler, Potsdam 1916. 
  • -Plieninger, Konrad: Kriegerdenkmäler oder die Schwierigkeiten historisch-politischer Erinnerung, in: Lothar Schächterle (Hg.): Deutschland und Europa, Hannover 1992. 
  • - Schneider, Gerhard: Kriegstotenkult und Kriegerdenkmäler in der deutschen Kultur, in: Erinnern, vergessen, verdrängen. Politische und deutsche Erfahrungen, hg. v. Ewa Kobylinska und Andreas Lawaty, Wiesbaden 1998.
Abbildungen:
  • Erich Kassing.

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