...by Erich Kassing  

DIE SCHLACHT UM VERDUN - EIN BEITRAG ZUR MILITÄRGESCHICHTE DES ERSTEN WELTKRIEGES 1914 - 1918  

Verdun > Kampfhandlungen > 1914 - Die ersten Kriegstage

                  

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DIE SCHLACHT UM VERDUN 
KAMPFHANDLUNGEN
1914 - DIE ERSTEN KRIEGSTAGE
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Am 1. August 1914, um 17 Uhr, wurde in Deutschland die allgemeine Mobilmachung verkündet. Reservisten und Freiwillige eilten zu Fuß oder mit der Bahn mit ihren Koffern in die Kasernen.

Deutsche Soldaten auf dem Weg zur Westfront, 1914

Mit Beginn des Ersten Weltkrieges in Europa endete eine lange Zeit eines brüchigen Friedens. Für den Ausgang der Kämpfe war die Westfront entscheidend, denn hier standen sich die Armeen der beiden Großmächte Frankreich und Deutschland gegenüber. Die Franzosen konnten die Deutschen aber nicht besiegen, da diese über ein wesentlich größeres Menschenpotential verfügten. Die Deutschen vertrauten ihrem Schlieffenplan mit dem sie ihre Feinde schnell überwältigen wollten, "doch kein Plan überlebt die erste Feindberührung" (Helmuth von Moltke).

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Helmuth von Moltke (1848-1916)

Der neue Generalstabschef änderte 1909 den Schlieffenplan, indem er das Verhältnis der Kräfte des linken zum rechten Flügel veränderte. Ein militärischen Erfolg wurde damit noch unwahrscheinlicher.

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DER SCHLIEFFENPLAN

Nach einer Denkschrift des früheren Generalstabschefs, des Grafen Alfred von Schlieffen (1833-1913), vollzog sich im Westen der enorme Aufmarsch des deutschen Heeres, das so stark war wie das französische. Den Kriegsplan hatte von Schlieffen zwischen 1891 und 1906 entwickelt. Der Plan war eine Antwort auf den drohenden Zweifrontenkrieg gegen Frankreich und Russland: 

Der deutsche vom Schlieffenplan abweichende Vormarsch im August-September 1914. Die deutsche 7. Armee sammelte sich in der Gegend um Straßburg.
  • Da Deutschland einen Zweifrontenkrieg auf Dauer nicht führen konnte, mußte es auf einem der Kriegsschauplätze kurzfristig siegen. Da das russische Heer eine längere Mobilmachung benötigte und den Raum für einen strategischen Rückzug hatte, sollte der Sieg zuerst an der Westfront errungen werden. Noch vor der russischen Mobilmachung mußte also Frankreich geschlagen werden! Eine gewaltige Schwenkbewegung deutscher Armeen mit Drehpunkt Metz/Diedenhofen an der belgisch-französischen Grenze entlang nach Westen, dann nach Südwesten, mit dem rechten Flügel westlich an Paris vorbei, nach Südosten einschwenkend, sollte die französische Armee vernichten.

Ziel der militärischen Besetzung im Westen sollte sein:

  • Langfristige Sicherung der politischen und ökonomischen Herrschaft über Belgien und Frankreich.

  • Im vorgesehenen Aufmarschgebiet sammelten sich sieben deutsche Armeen. Der deutsche Aufmarsch war am 16. August vollzogen, allerdings unter Verstoß gegen die Grundsätze des  Schlieffenplans (u.a. durch die Schwächung der Stoßkraft für eine offensive Bewegung).

Zur neueren Diskussion über den Schlieffenplan:

  • Vgl. Terence M. Holmes: Der Schlieffen-Plan des Friedrich von Bernhardi: Zur Beilegung eines mythischen Streitfalls, in: Militärgeschichtliche Zeitschrift (MGZ) 63 (2004), Heft 2.

  • Der Schlieffenplan. Analysen und Dokumente. Im Auftrag des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes und der Otto-von-Bismarck- Stiftung hg. von Hans Ehlert, Michael Epkenhans und Gerhard P. Groß, Paderborn 2006.

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   DIE DEUTSCHEN VOR VERDUN

Seit dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 hatte man die französische Festung Verdun systematisch ausgebaut. Die neue Grenze zum jungen Deutschen Reich wurde mit modernen Festungsanlagen gesichert. Zuletzt besaß Verdun, das als neuer militärischer Pfeiler für das verloren gegangene Metz galt, u.a. 20 Sperrforts und 40 Zwischenwerke. 1914 war Verdun die stärkste Verteidigungsanlage Frankreichs.

Schon im August 1914 operierte in Lothringen im Zuge des deutschen Vormarsches die deutsche 5. Armee unter ihrem Führer Kronprinz Wilhelm von Preußen im Sektor Verdun, nur 5 Kilometer nordöstlich der Stadt. Der 5. deutschen Armee stand die französische 3. Armee unter General Sarrail gegenüber. Am 28. August wurde das nicht weit entfernte nördlich von Verdun liegende Montmédy von den Deutschen besetzt. Der erste deutsche Angriff auf Verdun blieb jedoch ohne Erfolg.

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Joseph Joffre (1852-1931) 

führte die französischen Soldaten in den Ersten Weltkrieg.

Nach dem Sieg in der Schlacht an der Marne wurde Joffre als Retter Frankreichs bejubelt. 1915 blieb er aber ohne militärische Erfolge.

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Erich von Falkenhayn (1861-1922)

Moltke wurde am 14. September 1914 durch den Kriegsminister Generalleutnant Erich von Falkenhayn (1861-1922) abgelöst.

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DER AUFMARSCH DER DEUTSCHEN 5. ARMEE

Die deutsche 5. Armee, unter dem Oberbefehl des Kronprinzen Wilhelm von Preußen (1882-1951), hatte man auf die Festung Verdun angesetzt. Ende August 1914 traf die Kronprinzen-Armee vor Verdun mit dem Befehl ein, die Festung einzukreisen. Am 30. August erreichte die 5. Armee, bestehend aus dem Schlesischen V., dem Württembergischen XIII. und dem XVI. Armeekorps, dem Westpreußischen V. und dem Schlesischen VI. Reservekorps die Frontlinie Stenay-Dun-sur-Meuse-Sivry-sur-Meuse- Flabas-Romagne-sous-les-Côtes-Gincrey und Etain.

V. Armeekorps

Bahnfahrt: Posen-Cottbus-Darmstadt-Gerstlingen (3 Tage). Ausgeladen: 9.-15. August

XIII. Armeekorps

Bahnfahrt: Ulm-Diedenhofen-Metzerwiese (1 Tag). Ausgeladen: 7.-9. August 

XVI. Armeekorps

War schon im Aufmarschgebiet stationiert.

V. Reservekorps

Bahnfahrt: Posen-Heidelberg-Eiweiler (3 Tage). Ausgeladen: 10.-16. August

VI. Reservekorps

Bahnfahrt: Breslau-Bayreuth-Saarbrücken (2,25 Tage). Ausgeladen: 11.-17. August

Bis zum 11. September konnten die Franzosen mit Hilfe ihrer Festungsbauten einen deutschen Durchbruch nach Verdun verhindern. Hinzu kam, daß sich im Zuge der Marne-Tragödie auch die 5. deutsche Armee bis in die Argonnen zurückziehen mußte.

Zwischen dem 12.-15. September rückte die deutsche 5. Armee auf die Frontlinie Apremont-Baulny-Montfaucon-Gercourt-nördlicher Argonnerwald zurück. Es begannen die Frontflügelkämpfe bei Les Eparges und Vauquois.

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Der deutsche Vormarsch war somit endgültig gescheitert. Die von den Deutschen abgebrochene Marneschlacht hatte eine weitere Einkreisung der Festung Verdun verhindert! Vom alten Schlieffenplan war nur wenig geblieben!

Der Armeeabteilung Strantz gelang zwischen dem 18. und dem 25.  September in  Begleitung des III. Bayerischen Armeekorps St. Mihiel zu erreichen und einen weiten Bogen in die französische Front zu treiben.

Am 21. September wurde die Höhe Les Eparges von deutschen Truppen Am 1. September 1914 erreichten die ersten deutschen Soldaten das kleine Dorf Azannes vor Verdun. eingenommen. Die 10. Reserve-Division nahm dann am 24. September die wichtigen Höhen 307 und 310 nördlich von Ornes bei Verdun ein. Ende des Monats September erreichten I.R. 22 und I.R. 156 die Dörfer Malancourt und Haucourt bei Verdun.

In Westbelgien und Nordfrankreich erstarrte im November die Front. Auch in den Argonnen begann endgültig der Anfang Oktober 1914 besetzte das Infanterie-Regiment 19 kampflos das Dorf Brabant vor Verdun, 1916 Stellungskrieg. Auf Grund der defensiven Kriegsführung beider Parteien entstand von der Schweizer Grenze bis zur Nordsee auf einer Länge von fast 700 Kilometern ohne ein strategisches Konzept ein endloses System von Schützengräben ohne Aussicht auf besonders nennenswerte Geländegewinne.

Am 14. Dezember drangen die Franzosen vor Verdun gegen die Höhen 307 und 310 vor. Am 20. eroberten sie in den Consenvoye-Wald bei Verdun. Am 22. Dezember vertrieben französische Soldaten des R.I.R. 7 die Deutschen kampflos aus dem Dorf Haumont vor Verdun.

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   DER GESCHEITERTE BEWEGUNGSKRIEG

Die Zeit schneller militärischer Erfolg war endgültig vorbei. Die französische Armee hatte sich stabilisiert und leistete auch vor Verdun erbitterten Widerstand. Der anfängliche Angriffsschwung der deutschen Armeen war verlorengegangen.

Die Festung Verdun blieb als Frontausbuchtung bestehen. Verdun stellte einen markanten Eckpunkt dar, von dem aus die Front durch den westlich liegenden Argonnerwald in Richtung Westen verlief.

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Mit Beginn des harten Winters waren große Operationen nicht mehr möglich. Alle beteiligten Armeen glaubten, den Krieg im Frühjahr erfolgreich wieder aufnehmen zu können!
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 VERDUN-CHRONIK 1914

27.08.

Befehl zur Einkreisung Verduns.

September

Vor Verdun bleibt der deutsche Angriff stecken. Beginn der Frontflügelkämpfe bei Les Eparges  und Vauquois.

08.09.

Die Deutschen beginnen mit dem Beschuß des Forts Troyon.

21.09.

Die Deutschen nehmen die Höhe Les Eparges ein.

24.09.

Die 10. Reserve-Division nimmt die wichtigen Höhen 307 und 310 nördlich von Ornes ein.

September

Ende des Monats besetzen I.R. 22 und I.R. 156 die Dörfer Malancourt und Haucourt.

Oktober

Zu Anfang des Monats besetzt das I.R. 19 kampflos das Dorf Brabant. Beginn des Stellungskrieges in den Argonnen.

14.12.

Die Franzosen gehen gegen die Höhen 307 und 310 vor.

20.12.

Die Franzosen dringen in den Consenvoye-Wald ein.

22.12.

Die Franzosen vertreiben die Soldaten des R.I.R. 7 kampflos aus dem Dorf Haumont.
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Quellen und Literatur:  
  • Chickering, Roger: Das Deutsche Reich und der Erste Weltkrieg, München 2002. 
  • Fischer, Kurt/ Klink, Stephan: Spurensuche bei Verdun, Bonn 2000. 
  • Keegan, John: Der Erste Weltkrieg. Eine europäische  Tragödie, Reinbek bei Hamburg 2000. 
  • Knipping, Andreas: Eisenbahnen im Ersten Weltkrieg, Freiburg 2004.  
  • Werth, German: Verdun. Die Schlacht und der Mythos, Bergisch Gladbach 1979.

Weiterführende Literatur:
  • Beil, Christine u.a.: Der Erste Weltkrieg, Berlin 2004.
  • Berghahn, Volker: Der Erste Weltkrieg, München 2003.
  • Der Schlieffenplan. Analysen und Dokumente Im Auftrag des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes und der Otto-von-Bismarck-Stiftung hg. von Hans Ehlert, Michael Epkenhans und Gerhard P. Groß, Paderborn 2006.
  • Ferguson, Niall: Der falsche Krieg. Der Erste Weltkrieg und das 20. Jahrhundert, München 2002.
  • Fischer, Fritz: Griff nach der Weltmacht. Die Kriegspolitik des kaiserlichen Deutschland 1914/ 18, Düsseldorf 1977 (Nachdruck von 1967).
  • Fromkin, David: Europas letzter Sommer, München 2005.
  • Hirschfeld, Gerhard u.a. (Hg.): Enzyklopädie Erster Weltkrieg, Paderborn 2003.
  • Tuchmann, Barbara: Aufgust 1914, Taschenbuch, Ffm. 2001.
  • Wehler, Hans-Ulrich: Das Deutsche Kaiserreich 1871-1918, Göttingen 1983.
weiter mit Kriegsverlauf:

Die große Illusion

Schon Anfang des Jahres 1915 entwickelten sich in Nähe des Dorfes Cuisy, westlich der Maas, heftige Kampfhandlungen. Für den Stellungskrieg wurde eine neue Kampfmethode entwickelt: die Unterminierung der feindlichen Stellungen mit anschließender Besetzung. 

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