....by Erich Kassing 

DIE SCHLACHT UM VERDUN - EIN BEITRAG ZUR MILITÄRGESCHICHTE DES ERSTEN WELTKRIEGES 1914 - 1918  

Verdun > Kampfhandlungen > 1915 - Die große Illlusion

                  

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DIE SCHLACHT UM VERDUN 
KAMPFHANDLUNGEN
1915 - DIE GROSSE ILLUSION
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Französischer Soldat gräbt Stollen zur deutschen Linie auf der Anhöhe von Vauquois, 1916 .

Für den Stellungskrieg wurde eine neue Kampfmethode entwickelt: die Unterminierung der feindlichen Stellungen mit anschließender Besetzung.

 

Französischer Soldat gräbt einen Stollen zur deutschen Linie auf der Anhöhe von Vauquois, 1916

Anfang des Jahres 1915 entwickelten sich in Nähe des Dorfes Cuisy, westlich der Maas, heftige Kampfhandlungen. Am 8. Januar 1915 erfolgte der deutsche Angriff auf den Rand des Bolante-Waldes in den Argonnen

Französischen  Soldaten gelang am 17. Februar bei Les Eparges, durch eine  Übung an einem Flammenwerfer, 1915unterirdische Explosion, der Einbruch in die erste deutsche Linie.

Am 26. Februar erfolgte im Zuge eines Angriffes des Reserve-Infanterie-Regiments 10 im Malancourt-Wald vor Verdun der erste Einsatz einer neuen grauenhaften Pionierwaffe: des Flammenwerfers. Die in Panik geratenen französischen Soldaten verließen fluchtartig ihre Schützengräben. Noch im März wurde ein erstes Flammenwerfer-Bataillon aufgestellt. Am selben Tag Kämpfe um die Anhöhe Vauquois am Ostrand des Argonnerwaldes.

Bis in den Mai 1915 französische Vorstöße überwiegend auf der Deutsche Soldaten auf dem Marsch zur FrontCombres-Höhe. Starke französische Gegenangriffe bei Thiaumont und Fleury am 20. Juni des Jahres und der deutsche Angriff im Gruerie-Wald in den Argonnen. 

Am 30. Juni erfolgte die Ausdehnung des deutschen Vorstoßes bis nördlich von Four-de-Paris. Im Oktober schließlich Stillstand des Krieges in den Argonnen. 

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Im Dezember 1915 erfolgten durch die Oberste Heeresleitung (OHL) die ersten Vorbereitungen der Deutschen für einen Angriff auf die Festung Verdun.

Mit einem massiven Artilleriefeuer von nicht gekanntem Ausmaß sollte der Angriff großer deutscher Verbände vorbereitet und die Festung Verdun eingenommen werden. Der strategische Plan bekam den Namen Chi 45, nach dem damals gültigen Geheimschlüssel war dies die Bezeichnung für Gericht. Den Angriff sollte die deutsche 5. Armee unter der Führung des Kronprinzen durchführen. 

Mit einer Ermattungsstrategie, die den Gegner ausbluten sollte, wollte der Oberkommandierende Erich von Falkenhayn an der Nordfront von Verdun als einen entscheidenden Kriegsschauplatz mit relativ geringen Kräften und einem gewaltigen Geschützeinsatz die materielle und moralische Durchhaltekraft des französischen Gegners prüfen und die Kriegswende im Westen herbeiführen. Nach Falkenhayn konnte der deutsche Sieg aber nur noch politisch errungen werden. Militärisch hielt er den Krieg an der Westfront schon für verloren.

Um über die Vorbereitungen für einen Großangriff auf die Festung Verdun seine Vorstellungen darzustellen, traf Falkenhayn am 23. Dezember in Stenay mit General Schmidt von Knobelsdorf (Stabschef der 5. Armee vor Verdun), Groener und Tappen zusammen. Während Falkenhayn letztlich einen längeren Stellungskrieg kalkulierte, bevorzugten Knobelsdorf und Kronprinz Wilhelm (Führer der 5. Armee vor Verdun) die schnelle Eroberung Verduns.

DEUTSCHE PROTAGONISTEN DER SCHLACHT BEI VERDUN

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Hinter dem französischen Abschnitt der Westfront gibt es in Reichweite Ziele, für deren Behauptung die französische Führung gezwungen ist, den letzten Mann einzusetzen.Tut sie es, so werden Frankreichs Kräfte verbluten, da es ein Ausweichen nicht gibt, gleichgültig, ob wir das Ziel erreichen oder nicht. Tut sie es nicht und fällt das Ziel in unsere Hand, dann wird die moralische Wirkung in Frankreich ungeheuer sein ... Die Ziele, von denen hier die Rede ist, sind Belford und Verdun.

Literatur: Erich von Falkenhayn: Die Oberste Heeresleitung 1914-1916 in ihren wichtigsten Entschließungen, Berlin 1920.

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Neueste Forschung bezweifeln allerdings die Existenz der Weihnachtsdenk- schrift des deutschen Generalstabschefs Erich von Falkenhayn. Die Memoiren des Kronprinzen Wilhelm, des Oberkommandierenden der 5. Armee, bezeugen, daß der Kronprinz und Knobelsdorf diejenigen waren, die sich für Verdun als Angriffsziel entschieden haben. Falkenhayn war wohl eher der Meinung, daß ein Angriff auf Verdun zuviel deutsche Truppen binden könnte. In der nachfolgenden Zeit verweigerte dann auch Falkenhayn der 5. Armee die notwendigen Verstärkungen, so daß der deutsche Angriff auf die Stadt Verdun nur östlich des Maasufers stattfinden konnte. Die Nichteinnahme des Westufers aber sollte für die deutschen Truppen noch weitreichende negative Folgen haben, da starke Artilleriekräfte der Franzosen das Westufer vereinnahmten und den deutschen Angriff schwächten.

Ein Grund für das Patt an der Westfront war, daß die Offensivwaffen noch in den Anfängen steckten. Gräben und Bunker schützten die französischen Verteidiger, geführt von General Deutsche Schützengräben von 1915 nahe Forges-Wald im Jahre 1917Philippe Pétain, der zum Nationalhelden aufstieg. Die modernen Artillerie- und Infanteriewaffen gaben den Franzosen die notwendige Treffsicherheit und Feuerkraft, um den deutschen Angreifer erfolgreich bekämpfen zu können. 

Die deutschen Schützengräben zogen sich vor Verdun von Malancourt nördlich an Bethincourt vorbei, zwischen dem Forges-Wald und dem Dorf Forges entlang bis zur Maas. Zwischen den Dörfern Consenvoye und Brabant gegen Osten auf Flabas. Die Gräben durchzogen weiter den Caures-Wald und vom Kap der Guten Hoffnung gen Südosten Richtung Ornes. Vom Dorf Ornes zur Combres-Höhe Richtung Woêvre-Ebene.

Bis Ende 1915 erfolgte keine kriegswendende Entscheidung an der westlichen Front. Franzosen und Deutsche: beide waren gescheitert. Eine eigentliche Verdunfront gab es noch nicht. Der Krieg wurde an anderen Frontabschnitten ausgetragen.
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VERDUN-CHRONIK 1915

Januar

Um Jahresanfang heftige Kämpfe in Nähe der Ortschaft Cuisy.

08.01.

Deutscher Angriff auf den Rand des Bolante-Waldes in den Argonnen.

17.02.

Französischen Soldaten gelingt bei Les Eparges durch eine unterirdische Explosion der Einbruch in die erste deutsche Linie.

26.02.

Angriff des R.I.R. 10 im Malancourt-Wald. Erster Einsatz eines Flammenwerfers. Kämpfe um die Anhöhe Vauquois am Ostrand des Argonnerwaldes.

20.06.

Deutscher Angriff im Gruerie-Wald in den Argonnen. Starke französische Gegenangriffe bei Thiaumont und Fleury.

30.06.

Ausdehnung des deutschen Angriffs bis nördlich von Four-de-Paris in den Argonnen.

Oktober

Stillstand des Krieges in den Argonnen.

Dezember

Die Deutschen bereiten den Angriff auf Verdun vor.
Quellen und Literatur:
  • Afflerbach, Holger: Falkenhayn. Politisches Denken und Handeln im Kaiserreich, Beiträge zur Militärgeschichte, Bd. 42, München 1996. 
  • Chickering, Roger: Das Deutsche Reich und der Erste Weltkrieg, München 2002. 
  • Ettighoffer, Paul: VERDUN. Das große Gricht, München 1992. 
  • Falkenhayn, Erich von: Die Oberste Heeresleitung 1914-1916 in ihren wichtigsten Entschließungen, Berlin 1920. 
  • Hirschfeld, Gerhard (Hg.): Enzyklopädie Erster Weltkrieg, München 2003. 
  • Werth, German: Verdun. Die Schlacht und der Mythos, Bergisch Gladbach 1979. 
  • Wilhelm, Kronprinz: Meine Erinnerungen aus Deutschlands Heldenkampf, Berlin 1923

Weiterführende Literatur:
  • Beil, Christine u.a.: Der Erste Weltkrieg, Berlin 2004.
  • Berghahn, Volker: Der Erste Weltkrieg, München 2003.
  • Falkenhayn, Erich von: Die Oberste Heeresleitung 1914-1916 in ihren wichtigsten Entschließungen, Berlin 1920.
  • Ferguson, Niall: Der falsche Krieg. Der Erste Weltkrieg und das 20. Jahrhundert, München 2002.
  • Fischer, Fritz: Griff nach der Weltmacht. Die Kriegspolitik des kaiserlichen Deutschland 1914/ 18, Düsseldorf 1977 (Nachdruck von 1967).
  • Fromkin, David: Europas letzter Sommer, München 2005.
  • Hirschfeld, Gerhard u.a. (Hg.): Enzyklopädie Erster Weltkrieg, Paderborn 2003.
  • Tuchmann, Barbara: Aufgust 1914, Taschenbuch, Ffm. 2001.
  • Wehler, Hans-Ulrich: Das Deutsche Kaiserreich 1871-1918, Göttingen 1983.
weiter mit Kriegsverlauf:

Der industrielle Krieg

Am 21. Februar 1916 griffen die bei Verdun stehenden deutschen Truppen die stärkste Festung Frankreichs an. Nach zehn Monaten war der Kampf vorbei. Über 200.000 Tote lagen auf dem Schlachtfeld. Am Frontverlauf hatte sich fast nichts geändert. So wurde Verdun zum Inbegriff für den Stellungskrieg und das sinnlose Sterben deutscher und französischer Soldaten.

    

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