by Erich Kassing  

DIE SCHLACHT UM VERDUN - EIN BEITRAG ZUR MILITÄRGESCHICHTE DES ERSTEN WELTKRIEGES 1914 - 1918

Verdun > Festungsbauten > Einleitung

                  

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DIE SCHLACHT UM VERDUN 
FESTUNGSBAUTEN
EINLEITUNG

Schon der Krieg 1870/71 hatte bestätigt, daß nur noch große Festungen Bedeutung hatten, die von einem Fortgürtel umgeben waren. Durch die Annektion von Elsaß-Lothringen, verloren die Franzosen einen bedeutenden militärisch-geographischen Vorteil: Die Ostgrenze des Landes konnte nicht mehr am Rhein und in den Vogesen verteidigt werden. So also griff man zu der Alternative: Sicherung der Räume zwischen den Festungen durch eine Kette von Sperrforts.

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   DIE FORTS
 

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Der südlich liegende Eingang des Forts Douaumont, 1916

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Vor Verdun begann man schon ab 1875 mit dem überstürzten Bau der ersten Forts (Redouten). Auf dem Ostufer der Maas errichtete man in zwei Jahren auf dem Höhenzug die Forts Belleville, St. Michel und Belrupt. Auf dem Höhenzug des westlichen Maasufers baute man die Forts de La Chaume, Regret und Dugny. Die Besatzung der einzelnen Forts wohnte in der Kehlkaserne. Von dort führte ein ummantelter Hohlgang zu den bombensicheren Bereitschaftsräumen unter dem Frontwall. Von diesen Ruheräumen gelangte man durch abfallende Hohlgänge zu den Grabenwehren für die Grabenbestreichung. 

  • Fort de Belleville (Redoute) 1875-1877

  • Fort de Belrupt (Redoute) 1875-1877

  • Fort de Bois Bourrus 1881-1887

  • Fort de La Chaume (Redoute) 1875-1877

  • Fort de Douaumont 1885-1886

  • Fort de Dugny (Redoute) 1875-1877

  • Fort d'Haudainville (Redoute) 1876-1879

  • Fort de Landrecourt 1883-1886

  • Fort de Marre (Redoute) 1875-1877

  • Fort de Moulainville 1883-1885

  • Fort de Regret (Redoute) 1875-1877

  • Fort du Rozelier 1877-1879

  • Fort de Saint Michel (Redoute) 1875-1877

  • Fort des Sartelles 1881-1883

  • Fort de Souville (Redoute) 1875-1877

  • Fort de Tavannes 1876-1879

  • Fort de Troyon 1878-1879

  • Fort de Vacherauville 1910-1914

  • Fort de Vaux 1881-1884

Da die Festungsanlagen bei ihrer Fertigstellung im Jahre 1877 schon technisch veraltet waren, begann man umgehend mit Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen. Die Entwicklung neuer brisanter Sprengstoffe und Hohlgeschosse ab 1886 machte es außerdem dringend notwendig, den größten Teil der Festungsanlagen mittels neuer Betonanlagen und Panzerungen auszustatten (z.B. Fort de Dugny und Fort de Regret) und weiter auszubauen.

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   DIE OUVRAGES
 

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Deutsche Eroberung des Ouvrage Bezonvaux am 25. Februar 1916

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Von 1883 bis 1893 errichteten die Franzosen im Zuge des weiteren Ausbaus der Hauptverteidigungsstellung zwischen den Forts Ouvrages d´Infanterie (Infanteriewerke), die bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges teilweise zu Ouvrages (Zwischenwerke) ausgebaut wurden (z.B. Ouvrage A de Froideterre 1887-1888) und von einem Drahthindernis umgeben waren. 

  • Ouvrage d'Infanterie J de Baleycourt 1888-1890

  • Ouvrage d'Infanterie O de Bezonvaux 1889-1891

  • Ouvrage d'Infanterie des Bois de Réunis 1878

  • Ouvrage d'Infanterie du Bois Rogé 1910

  • Ouvrage d'Infanterie M des Bruyères 1887-1888

  • Ouvrage de Chana 1883-1885

  • Ouvrage N de Charny 1887-1888

  • Ouvrage d'Infanterie G de Châtillon 1888-1889

  • Ouvrage d'Infanterie I du Bois du Chapitre 1888

  • Ouvrage d'Infanterie de la Croix Brandier 1883

  • Ouvrage de Déramé 1887-1888

  • Ouvrage d'Infanterie E d'Eix 1887

  • Ouvrage de La Falouse 1906-1907

  • Ouvrage A de Froideterre 1887-1888

  • Ouvrage d'Infanterie K de Fromeréville 1887-1888

  • Ouvrage d'Infanterie L de Germonville 1887-1888

  • Ouvrage d´Infanterie C d'Hardaumont 1887-1893

  • Ouvrage d'Infanterie P de Jaulny 1889

  • Ouvrage D de La Laufée 1887-1888

  • Ouvrage d'Infanterie de Lorient

  • Ouvrage d'Infanterie F du Manesel 1888-1889

  • Ouvrage d'Infanterie du Maubois 1889-1890

  • Ouvrage d'Infanterie du Bois Saint-Maure 1888

  • Ouvrage D ou le Morpion 1916

  • Ouvrage de Saint Symphorien 1888-1889

  • Ouvrage B de Thiaumont 1887-1893

  • Ouvrage d'Infanterie de Thierville 1888

  • Ouvrage d'Infanterie du Trimard 1910.

Die Ouvrages wurden von den Franzosen an jenen Stellen positioniert, wo die Distanz zwischen den Forts über 3 km betrug. Spätere modernisierte Anlagen rüstete man aber mit Artilleriewaffen in Panzertürmen und Zwischenraumstreichen aus.

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   DIE ABRIS DE COMBAT

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Südwestliche Ansicht des Abri de combat FT 1, 1917

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Die Abris de combat (Infanterieräume) hat man zwischen die Forts und die Ouvrages als Schutzräume in die Hauptverteidigungslinie gebaut. Die betonierten Räume sollten jene Infanteristen schützen, die die in der Nähe liegenden Retranchements zu verteidigten hatten.

Diese Abris de combat, von den deutschen Truppen als Infanteriewerke bezeichnet, wurden in der Regel zwischen 1899 und 1906 von den Franzosen als Ruhe- und Bereitschaftsunterkünfte errichtet.

Es existierten zwei Modelle:

  • für 100 auf Holzbänken sitzende Soldaten (1/2 sitzende Infanteriekompanie) zwei Schutzräume von jeweils 40 Quadratmetern;
  • für 200 auf Holzbänken sitzende Soldaten (1 sitzende Infanteriekompanie) vier Schutzräume von jeweils 40 Quadratmetern. 

Teilweise hatten die Abris auch eine kleine Küche von 1,5 x 1,5 m oder einen separaten Offiziersraum von 2 x 2,5 m. 

Die Ruheräume sind jeweils 10 m lang und 4 m breit. Die Bunkerdecke besteht aus Eisenbeton und hat eine Stärke von 1,60 m; die Außenmauern sind aus 2 m starkem Spezialbeton. Die zum Schutz der Eingänge vorgezogene Fassadenmauer beträgt Bodenkante 1,5 m und Deckenkante 1 m. Die Bruchsteinmauer sollte vor Gewehrgeschossen und Granatsplittern schützen.

Die Aborte bzw. Latrinennischen lagen entweder rechts oder links in der betonierten Flügelmauer; durch Zwischenwände in Kabinen eingeteilt. Im unteren Stockwerk besaßen die Abris zur Trinkwasserversorgung der Besatzungen eine Zisterne. Außerdem waren die Räume von einem 30 m tiefen Stacheldrahthindernis umgeben.  

  • Meuse-Froideterre: MF 1 und MF 2
  • Froideterre-Thiaumont: FT 1, FT 2 und FT 3
  • Thiaumont-Douaumont: TD 1, TD 2 und TD 3
  • Douaumont-Vaux: DV 1, DV 2, DV 3 und DV 4
  • Vaux-La Laufée: VLL 1
  • La Laufée-Moulainville: LLM 1 und LLM 2
  • Moulainville-Déramé: MD 1 und MD 2
  • Déramé-Rozelier: DR 1
  • Rozelier-St. Symphorien: RSS 1 und RSS 2
  • St. Symphorien-Haudainville: SSH 1
  • Haudainville-La Falouse: HLF 1
  • La Falouse-Dugny: LFD 1 und LFD 2
  • Dugny-Landrecourt: DL 1 und DL 2
  • Landrecourt-Regret: LR 1 und LR 2
  • Regret-Les Sartelles: RS 1 und RS 2
  • Choisel-Bois Bourrus: CBB 1 und CBB 2
  • Bois Bourrus-Marre: BM 1
  • Marre-Belle Epine: MBE 1

Bis zum Jahre 1914 wurden vor Verdun insgesamt 34 Abris de combat gebaut. Bis auf den Abri de combat TD 1 sind noch alle Bunkerplätze auffindbar: Einige Anlagen sind aber mehr oder weniger stark beschädigt (FT 2-VLL 1) oder zerstört (DV 2, TD 2, TD 3 und VLL 1). 

   DIE RETRANCHEMENTS

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Teilansicht vom Retranchement "Bétonnés", 1993

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Retranchements sind zwischen 1900-1917 als betonierte Infanteriegräben oder als reine Erdwerke nahe der Hauptverteidigungsstellen errichtet und bis 1916 teilweise ergänzt und verstärkt worden. Die Anlagen hatten während der Kämpfe die Besatzungen der jeweils in der Nähe liegenden Infanterieräume aufzunehmen.

  • Bastion: nahe Abri de combat TD 3
  • Bétonnes: nahe Abri de combat MF 1
  • Bois Brûle: direkt am Sentier de Tavannes
  • de Marre: Umgebung von Fort de Marre
  • K: nahe Ouvrage Thiaumont
  • O: nahe Abri de combat TD 1
  • R 1: Fumin
  • R 2: Fumin
  • R 3: Fumin
  • R 4: Chapitre-Rücken
  • Roi de Prusse: nahe Abri de combat MF 2
  • S: nahe Thiaumont-Ferme
  • X: nahe Abri de combat FT 1
  • Y: nahe Abri de combat FT 2
  • Z: Umgebung von Ouvrage Thiaumont
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Quellen und Literatur:
  • Editions (Hg.): Verdun. Sehen und verstehen. Die Schlachtfelder und Umgebung. Drancy 1980. 

  • Emonnot, Didier/Kaluzko, Jean Luc/Radet, Frédéric/Vintousky, Bruno: LE BOUCLIER ABANDONNÉ.  La place de Verdun de 1874 à 1918, Verdun 2000.

  • Frémont (Hg.): Verdun. Illustrierter Führer durch die Schlachtfelder, Verdun 1958. 

  • Rohde, Horst u.a.:  Militärgeschichtlicher Reiseführer Verdun, Hamburg 1996. 

  • Schalich, Günter: Kleiner Führer zu den Festungsanlagen von Verdun, Aachen 1990. 

  • Schalich, Günter: Fort Vaux im Juni 1916, Aachen 1994.

Abbildungen:

  • Erich Kassing.

Anmerkungen:  

  • Um das Kulturerbe zu schützen, werden die genauen Standorte (Parzellen) der beschriebenen Bauten nur dann angegeben, wenn diese schon auf der Karte forêts de verdun et du  mort-homme für den Touristen verzeichnet sind. Trotz sorgfältiger Prüfung konnte bei älteren Abbildungen nicht immer der Urheber recherchiert werden. Sollte jemand begründete Urheberrechte geltend machen können, möge er sich mit dem Webmaster in Verbindung setzen. Die Begehung der auf dieser Website beschriebenen Festungs- und Militärbauten ist lebensgefährlich und liegt nicht in der Verantwortung des Autors!

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