...by Erich Kassing 

DIE SCHLACHT UM VERDUN - EIN BEITRAG ZUR MILITÄRGESCHICHTE DES ERSTEN WELTKRIEGES 1914 - 1918   

 Verdun > Luftkrieg > Luftaufklärung

Ballonaufnahme des Schlachtfeldes vor Verdun aus nördlicher Perspektive, 1916

                  

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DIE SCHLACHT UM VERDUN 
LUFTKRIEG
LUFTAUFKLÄRUNG
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Deutscher Fesselballon bei Verdun, 1916
 FESSELBALLON - BEOBACHTUNG

Mit der Verbesserung der Schußweiten der Artilleriegeschosse wuchs das Bedürfnis, das Kampffeld besser beobachten zu können. Es entstand die taktische Artillerie-, Gefechts- und Nahfeldaufklärung. Da Kirchtürme oder Hügel nicht immer zur Verfügung standen, benutzte man Fesselballone (Captiv-Ballone). Eine Telefonverbindung sicherte die entscheidende Kommunikation zwischen den in einem Korb stehenden leichtgewichtigen Ballonbeobachtern, zumeist waren es Offiziere der Kavallerie, und der eigenen Batterie.

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges besaß die deutsche Armee 20 Fessel-Beobachtungsdrachenballone. Frankreich, das erst 1911 seine Luftschiffereinheiten aufgelöst hatte, führte die Militär-Ballone wieder ein, anfangs allerdings nur in Form der alten Kugelballone. Im Gegensatz  zum Kugelballon hatte der deutsche Drachenballon den entscheidenden Vorteil, daß er auch bei Deutscher Fesselballon (Caquot-Ballon), 1916 Windstärken über 30 km/h eingesetzt werden konnte. 1915 gab es an der Westfront nur neun Fesselballone. 

Im Stellungskrieg vor Verdun gewannen die technisch bedeutend verbesserten Fessel-Beobachtungsballone bald an Bedeutung: Die mit Wasserstoffgas gefüllten Ballone verfügten über größere Steighöhen und konnten wesentlich schneller eingeholt werden. Parallel zum militärischen Einsatz von Ballonen vollzogen sich rasante Entwicklungen auf den Gebieten hochwertiger Ballonkameras, der Bildaufnahmetechnik und der Nachrichtentechnik. 

Im Frühjahr 1916 gelang es der deutschen Armee einen Caquot-Ballon zu erbeuten und ihn zu kopieren. Alle neuen deutschen Ballone wurden nach diesem System gebaut. Es handelte sich dabei um einen aus einer Hülle und Französischer Fesselballon vor Verdun, 1917ohne feste Bestandteile bestehenden Fesselballon, der mit drei Steuersäcken ausgestattet war, die man um 120 Grad voneinander versetzt hatte. Dieser neue Ballontyp erwies sich in der militärischen Kriegspraxis als besonders erfolgreich.

Es dauerte aber nicht lange, da wurden auch Ballone begehrte Angriffsziele feindlicher Flieger. Eine am Ballon-Auflaßpunkt stationierte Luftabwehr, eine Fliegerabwehrkanone, ein Maschinengewehr oder die eigene Fliegertruppe sicherten den Ballonschutz.

Die spätere Einführung von Fallschirmen  für Ballonflieger verbesserte deren Einsatzbereitschaft; nachdem sie auf Grund der ständigen Bedrohung durch feindliche Flugzeuge deutlich nachgelassen hatte. Bei der Bewertung von Abschußzahlen wurde bei den Deutschen grundsätzlich nicht zwischen dem Abschuß eines Feindflugzeuges oder dem Abschuß eines feindlichen Beobachtungsballons unterschieden! 

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 FLUGZEUG - BEOBACHTUNG

Doch mit der stetig wachsenden Zahl der Jagd- und Kampfflugzeuge und der weitragenden Artillerie ging auch die Zeit des Beobachtungsballons langsam zu  Französische Fliegeraufnahme vom Fort Souville, 1916Ende. Das schnellere und wendigere Flugzeug übernahm immer öfter die Aufgaben des Ballons, der allmählich ins Hinterland gedrängt wurde.

Die Franzosen waren es, die das Flugzeug zum ersten Mal für miliärische Aufgaben einsetzten. Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges verfügten sie aus Mangel an Flugzeugen allerdings noch nicht über eigene Artillerieflieger. Mit Fliegerbeobachtung wurde nur gelegentlich geschossen. Nur die schwere deutsche Artillerie bediente sich sehr früh der Fliegerbeobachtung. Eine Bekämpfung der verdeckten französischen Artillerie wäre sonst auch nicht möglich gewesen. Kurz- und Weitschüsse wurden von Rumpler-Taube als Aufklärungsflugzeug, 1914 den deutschen Piloten mit Leuchtsignalen angezeigt. Für die Korrekturen zur rechten oder linken Seite wurden die Seitenbewegungen des Flugzeugs benutzt.

Die Deutschen nutzten schon zu Beginn des Weltkrieges die interessanten Möglichkeiten der Fliegerbeobachtung und zogen mit 34 Feldfliegerabteilungen in die militärische Auseinandersetzung. Anfangs diente die veraltete Rumpler-Taube noch zur Aufklärung.

Die von den französischen Artilleristen meisterhaft verdeckten Batterien konnten  Französische Fliegeraufnahme vom Fort Douaumont, März 1916schnell aufgespürt und von der schweren beweglichen Artillerie der Deutschen zerstört werden.

Erst Anfang des Jahres 1915 wurden die Artillerieflieger mit ersten Funkgeräten ausgestattet. Anhand von Karten, das Schlachtfeld hatte man vorher in Planquadrate aufgeteilt, dirigierte der Flugzeugbeobachter das Artilleriefeuer ins Ziel. Da man gegen Kriegsende mehr und mehr dazu überging, auf das Einschießen der Artillerie vor Angriffen zu erzichten, verlor auch diese Möglichkeit der Luftbeobachtung ihre Berechtigung.

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 LUFTBILDWESEN

Eine weitere Möglichkeit der Luftbeobachtung war das Luftbildwesen, das ebenfalls mit Beginn des Stellungskrieges an Bedeutung gewann. Mitte 1915 errichteten die Deutschen eine eigene Organisation für das Kriegsvermessungswesen.

Anfang des Krieges waren die deutschen Festungsfliegerabteilungen mit je 2 Kameras 9 x 12 cm und Objektiven von 25 cm Brennweite (später 70-120 cm) ausgerüstet. Für diese Aufgabe nutzte man die zweisitzigen Aufklärungs- flugzeuge. Im Laufe des Stellungskrieges wurden Flugzeuge, Kameras und Objektive deutlich verbessert. Ab Herbst 1915 erfolgte der Ersteinsatz derBallonkorb eines deutschen Fesselballons, 1916 automatisch arbeitenden Reihenbildner, der einen Geländestreifen von 60 km Länge und 2,4 km Breite im Maßstab von 1: 10.000 aufnehmen konnte.

Für Ballonkameras im Stellungskrieg bei Verdun wurden nur Brennweiten-Objektive ( 120 cm, Format 13 x 18 cm, 45 kg, Agfa-Film als rotempfindlicher Fliegerfilm) eingesetzt. Es wurden Einzelaufnahmen, Rundblickaufnahmen und Raumaufnahmen vom Schlachtfeld gemacht. Sechs Luftbildaufklärer Rumpler-C.IV, 1917 Aufnahmen ergaben eine Panoramaaufnahme (siehe oben). Die größte Entfernung vom Ballonaufnahmestandort betrug 17 km. Aufnahmen aus einem Ballon waren Schrägaufnahmen mit unterschiedlichem Neigungswinkel. Täglich wurde eine große Anzahl von Luftbildern geschossen und akribisch auf Veränderungen ausgewertet. Den  letzten technischen Stand auf deutscher Seite symbolisierte der in großer Höhe arbeitende Luftbildhöhenfernaufklärer Rumpler-C.VII mit Reihenbildner. Die bei Kriegsende eingesetzten neuesten C-Typen konnten Flughöhen von mehr als 7.000 Metern erreichen.

Quellen und Literatur:
  • Almond, Peter. Aviation. Die Anfänge der Luftfahrt, Hagen 1997.
  • Bach, Martin: Luftfahrtindustrie im Ersten Weltkrieg, Allershausen 2003.
  • Bülow, Frh. von, Hilmer: Geschichte der Luftwaffe. Kurze Darstellung der Entwicklung der 5. Waffe, Ffm 1934.
  • Chef des Generalstabes des Feldheeres (Hg.): Vorschriften für den Stellungskrieg für alle Waffen. Teil 6: Der Infanterieflieger und der Infanterieballon, Berlin 1917.
  • Ehrhardt, Karl Friedrich: Die Geschichte der Militär-Ballone von 1794 bis zur Gegenwart, Zweibrücken 2002.  
  • Groehler, Olaf: Die Geschichte des Luftkrieges 1910 bis 1980, Berlin-Ost 1981 (nur Zahlenmaterial).
  • Haaland, Dorothea u.a..: Leichter als Luft. Ballone und Luftschiffe, Bonn 2002.
  • Hirschfeld, Gerhard (Hg.): Enzyklopädie Erster Weltkrieg, München 2003. 
  • Linnenkohl, Hans: Vom Einzelschuß zur Feuerwalze. Der Wettlauf zwischen Technik und Taktik im Ersten Weltkrieg, Bonn 1996.
  • Meyer, Peter: Luftschiffe. Die Geschichte der deutschen Zeppeline, Bonn 1995.
  • Mückler, Jörg: Deutsche Luftkriegsgeschichte 1914-1918. Aus der Chronik der Jagdstaffel 32, Zweibrücken 2001.
  • Ortenburg, Georg: Waffe und Waffengebrauch im Zeitalter der Millionenheere, Bonn 1992.
  • Simkins, Peter: Air Fighting 1914-1918, London 1978.
  • Thoß, Bruno/Volkmann, Hans-Erich: Erster Weltkrieg. Zweiter Weltkrieg. Ein Vergleich, Paderborn 2002.

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