by Erich Kassing  

DIE SCHLACHT UM VERDUN - EIN BEITRAG ZUR MILITÄRGESCHICHTE DES ERSTEN WELTKRIEGES 1914 - 1918

Verdun > Artillerie > Batteriestellungen > Französische Batterien 1-1 bis 5-4

                  

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DIE SCHLACHT UM VERDUN 
ARTILLERIE 
BATTERIESTELLUNGEN
FRANZÖSISCHE BATTERIEN 1-1 BIS 5-4
   LES BATTERIES D´ARTILLERIE

Im Verfügungsbereich Verdun gab es bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges u.a. 116 französische Batterien mit 384 Kanonen. Die einzelnen Geschütze standen zumeist auf großräumigen Plattformen. Die Vorderseiten bestanden aus verstärkten Mauern; seitlich geschützt mit aufgeworfenen Erdwällen. Zum Schutz Helm eines französischen Artilleristen, 1916 der Bedienungsmannschaften existierten unter den seitlichen Versteifungen 9,60 x 1,50 m lange betonierte Stollen. Jede Geschützstellung besaß in ihrer Mitte einen eigenen Raum als Befehlsstelle.

Neben Erdbatterien existierten auch gemauerte, betonierte und betonverstärkte Batterien, die früher aus Erdmaterial oder Mauerwerk bestanden. In kleinen Magazinen verfügte ein Teil dieser Batterien bis zu 200-800 Schuß Artilleriemunition pro Geschütz. Die bei Verdun bis auf wenige Ausnahmen in verdeckten Stellungen liegenden Batterien besaßen:

  • ein permanentes Drahthindernis. Zum Teil waren die Pflöcke in Betonsockel eingelassen worden

  • die Munitions- und Materialversorgung wurde durch eine Schmalspurbahn und einen breiten, gut befestigten Weg gesichert

  • einen gedeckten Laufgraben in oder zur Batteriestellung

  • vier Geschützstellungen mit Böschungen und breiten Schultertraversen.  

Die im Raum Verdun vorzufindenden zwischen 1875 und 1914 entstandenen Batterien sind unterschiedlichen Baudatums und daher von ebenso unterschiedlicher Bauweise:

  • die gemauerten Batterien besaßen im allgemeinen eine gemauerte Brustwehr, etwa 12 m starke Erdtraversen sowie Munitionsnischen, ein Magazin und einen Unterstand für die Geschützbedienung

  • die modernen Batterien waren in Normal- oder Eisenbeton ausgeführt, entweder in einem Block, durch einen Gang verbundene Unterstände mit kehlseitigen Aufgängen zu den Geschützstellungen, oder in zergliederter Weise; weiterhin ein distanziertes Magazin.

Die Batterien setzten sich aus 4 Geschützen vom Kaliber 120-155 mm zusammen. Da die auf den Wällen der Forts noch zusammengefaßte und ungeschützte Artilleriemassierung zu gute Ziele für feindlichesFranzösisches Artilleriefernglas, 1914 Feuer bot, verlegte man sie zum größten Teil in an den Kehlen angelegte Anschlußbatterien. 

Ferner baute man zu den Ouvrages d´Infanterie in das Zwischengelände der Forts gemauerte oder betonierte Zwischenbatterien. Eine Trennung von Nah- und Fernverteidigung deutete sich damit an.

   BATTERIE 1-1

Die Batterie 1-1 de Froideterre at Magazin á Munition, auch MF 3 und Batterie A genannt, lag, wie die beiden Abris de combat MF 1 und MF 2, auf Batteriestellung 1-1, Westliche Teilansicht, 2001 dem Höhenzug von Froideterre, nahe am Ouvrage de Froideterre.

Bei der 1909 von  den Franzosen erbauten betonierten Batteriestellung handelt es sich um 2 Geschützstellungen mit je 4 Ständen und den dazugehörigen Munitionslagern: 8 x 155-mm-Langrohrgeschütze (de Bange) mit einer Reichweite von 9.800 m. Die Batterie galt als rechte Anschlußbatterie 1-1 des Ouvrages Froideterre.

Im erhöhten Zentrum der Anlage befanden sich ein betonierter zweiräumiger Befehlsstelle von Süden, 2001 Befehlsstand (Kommandant und Telefonposten), 2 Schutzbunker, eine Sanitätsstelle, ein Brunnen und ein Raum zur Vorbereitung der Geschosse.

Hinter den 6,50 m breiten Plattformen verlief ein Schmalspurgleis zur schnellen Lieferung von Munition und Ersatzteilen. Latrinenblöcke bildeten den seitlichen  Abschluß und eine Stacheldrahtbewehrung von 10 m mit einbetonierten Pfählen umgab die Anlage.

Wahrscheinlich war den deutschen Truppen die genaue Position der nicht Latrine für das Bedienungspersonal, 2001 direkt einsehbaren Batterie unbekannt, denn die Schäden durch deutsches Artilleriefeuer waren begrenzt. Auf Grund ihrer starken Verwundbarkeit mußten die 8 x 155-mm-Langrohr-Geschütze mit hydropneumatischer Brems- und Vorholvorrichtung ständig verschoben werden. Ab August 1915 wurden die Geschütze aus der betonierten Stellung abgezogen und an anderen Orten vor Verdun eingesetzt.
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   BATTERIE 4-1

Die betonierte französische Batterie Batterie 4-1 du Ravin de la Fausse-Côte, auch Batterie 3707, von den Deutschen Batterie D genannt, bestand aus 4 Kurzrohrgeschützen von je 155 mm (Modell 1890), lag am oberen Ausgang der Kasematten- schlucht und war in den Jahren 1909-1910 von den Franzosen erbaut worden. 

Die Anlage bestand aus 3 Mannschaftsräumen von je 1,40 m Breite und 10 m Länge. Drei Querwälle trennten die Geschützstellungen. Wände und Decken bestanden aus einer Betondecke von fast 1,5 m Stärke; der Rest setzte sich Südwestliche Teilansicht der zerstörten Batterie 4-1, 1916 aus einfachem Mauerwerk zusammen. Die Geschützstände konnten durch Treppen erreicht werden. Ein Drahthindernis auf versenkbaren Betonsockeln umgab die Batteriestellung.

Am 2. März 1916 stürmten Soldaten des Infanterie-Regimentes Nr. 20 die Kasemattenschlucht und den Osthang des Caillette-Waldes. Nach der deutschen  Besetzung war die Schlucht häufiges Ziel der französischen Artillerie. Im Zuge dieser Beschießungen wurden auch die Reste der Batterie, die beiden erbeuteten Geschütze eingeschlossen, fast vollständig zerstört.

Die Kasemattenschlucht diente den Deutschen als Standort für zahlreiche Minenwerferstände, als Sammelbecken für die Verwundeten und als AbfallplatzFranzösisches 155-mm-Kurzrohrgeschütz mit Radgürtel für Munition und Ausrüstungsgegenstände. Durch die Schlucht führte auch der berühmte Sanitäterweg, der sich vom Vauxberg bis fast zum Fort de Douaumont zog. Am 24. Oktober 1916 gelang es dann den französischen Truppen, unter Einsatz von Gasgeschossen, die Kasemattenschlucht wieder zu besetzen. Am Nordhang der Schlucht richteten sie einige Stollen ein.

   BATTERIE 4-2

Die Ruine der Batterie 4-2 befindet sich ebenfalls in der Kasematten- schlucht (Ravin de la Fausse-Côte). Die betonierte Batterie 4-2 du Ravin de la Fausse-Cote, auch Batterie D 1 oder Batterie 3908, von Französische Rißzeichnung der Batterie 4-2, 1910 den Deutschen als Batterie 741  bezeichnet, lag am oberen Hang der Kasematten-Schlucht (Ravin de la Fausse-Cote).

Die Franzosen erbauten die Anlage 1909-1910. Die Batterie besaß 4 Langrohrgeschütze von je 155 mm (Modell 1890). Die Geschützanlage selbst bestand aus 2 Mannschaftsräumen von je 1,40 m Breite und 10 m Länge. Zwischen diesen beiden Räumen lag die betonierte Unterkunft für den Batteriestab. Wände und Decken bestanden aus Beton von fast 1,5 m Stärke, der Rest war einfaches Mauerwerk. Die Geschützstellungen wurden durch 3 Querwälle getrennt. 

Über Treppen konnte man die Geschützstände erreichen. Rechts und links der Mannschaftsunterkünfte befanden sich jeweils ein betoniertes Munitionsmagazin und 2 Munitionsnischen. Die Batterie umgab ein 20 m breites Stacheldrahthindernis auf versenkbaren Betonsockeln und ein Eingang zum rechten betonierten Mannschaftsunterstand  der Batterie 4-2, 2003 gedeckter Laufgraben führte zur Stellung. Zur Versorgung fuhr eine Schmalspurbahn auf einem befestigten Weg direkt an die Batterie heran.  

Am 2. März 1916 stürmten Soldaten des Infanterie-Regiments Nr. 20 die Kasematten-Schlucht (Ravin de la Fausse-Cote) und den Osthang des Caillette-Waldes. Nach der deutschen Besetzung war die Schlucht häufiges Ziel französische Artilleriegeschosse. Im Zuge dieser Beschießungen wurden auch die Reste der Batterie fast vollständig zerstört.

Am 25. Oktober 1916 gelang es dann den französischen Truppen, unter Einsatz von Gasgranaten, die inzwischen stark beschädigte Geschützstellung einzunehmen. Am Nordhang der Schlucht richteten sie einige Stollen ein.

   BATTERIE 5-4

Die Reste der 1889 erbauten und 1911 modernisierten Batterie 5-4, auch Batterie 4691 und Batterie no. 1 de Vaux genannt, liegen südwestlich von Fort de Vaux. Die Batterie 5-4 de Vaux wurde ab 1893 in Erd- und Mauerbau als Batterie für 4 x 95-mm-Geschütze mit 3 Querwällen erbaut und lag südwestlich des Fort de Vaux. Die Decke hatte man betoniert; der Rest war aus Mauerwerk  gefertigt.

Französische Zeichnung der Batterie 5-4, 1910

Die Geschütze waren in nordöstliche Richtung ausgerichet. 8 Munitions- nischen zu 4 Paaren waren auf der linken Seite angeordnet.

Zu den bis auf wenige Ausnahmen in verdeckten Stellungen vor Verdun liegenden Batterien gehörten: ein Drahthindernis, ein gedeckter Laufgraben, 4 Geschützstellungen mit Böschungen und breiten Schultertraversen, ein breiter befestigter Weg sowie eine Die Reste der zerstörten Batterie 5-4 de Vaux, 1993 Schmalspurbahn zur  Versorgung der Batterie. Batterie 5-4 de Vaux umgab ebenfalls ein 10 m breites Drahthindernis. In der Nähe befand sich ein kleiner Steinbruch.

Der Unterstand der Batterie ist zeitweise von Stäben genutzt worden. Die Anlage wurde während des Krieges von deutschem Artilleriefeuer zerstört. Die Batterie hat man während der Rodungsarbeiten in den 70er-Jahren zugeschüttet. Von der ehemaligen Batterie existieren nur noch sehr wenige Trümmerreste.

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Quellen und Literatur:
  • Buffetaut, Yves: Verdun-Guide historique & touristique, Ysec éditions, 2002.
  • Doerstling, Paul: Infanterie-Regiment Nr. 20, Oldenburg 1933. 
  • Kees, Hermann: Geschichte des Feldartillerie-Regiments Nr. 115, Oldenburg 1928. 
  • Le Hallé, Guy: Verdun, Les forts de la Victoire, Verdun 1998. 
  • Schalich, Günter: Kleiner Führer zu den Festungsanlagen im Raum von Verdun. Eigenverlag, Aachen, 1990.

Abbildungen:

Erich Kassing. Willem Molenaar.

weiter mit Artillerie

Batterie 6-1 bis 6-4

Die zerstörte Batterie 6-1 de Damloup, auch als Batterie Dufour und Hohe Batterie bezeichnet, liegt am Südhang der Damloup-Schlucht südöstlich des Fort de Vaux.

Die 1881 erbaute Hohe Batterie war etwa 40 m lang, 7-10 m hoch und überragte, schon aufgrund ihrer erhöhten Geländelage, auf weite Sicht hin das Trichterfeld in diesem Bereich.

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